Israel und die Killerdrohnen: Knapp 40 Firmen setzen Millionen um

Israel und die Killerdrohnen: Knapp 40 Firmen setzen Millionen um
Eine israelische Heron-Drohne bei ihrer Präsentation durch die Israeli Defense Forces.
Israel ist der weltweit größte Drohnen-Exporteur. Das Land versucht jedoch, seine Verkäufe geheimzuhalten und weigert sich, ein internationales Abkommen zur Regulierung des Drohnenverkaufs zu unterzeichnen. Neue Daten zeigen, wie zentral das Land für den Rüstungsmarkt ist.

von Olga Banach

Brandon Bryant vergangenen Freitag in Berlin

Während der Drohnenkrieg der USA regelmäßig auf öffentliche Kritik stößt, bleibt Israel als Hauptexporteur von ferngesteuerten Fluggeräten mit militärischer Verwendungsoption in der öffentlichen Wahrnehmung außen vor. Das Land versucht auch nach Kräften, seinen Marktanteil bezüglich der Verkäufe von Drohnen im Verborgenen zu halten.

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (SIPRI) erklärte, dass seit 1985 mindestens 60,7 Prozent aller Drohnenverkäufe aus Israel stammten. Die USA exportieren demgegenüber 23,9 Prozent aller Kleinstfluggeräte, aus Deutschland kam gerade mal ein Prozent. Ein Drittel aller Drohnen weltweit wurde nach England verkauft.

Die Amerikaner versuchen zunehmend, dem ungebremsten israelischen Export von waffenfähigen unbemannten Flugobjekten Einhalt zu gebieten. Über das Ziel seiner Exporte schweigt Israel gerne.

In einer Reihe von Artikeln berichtete die Tageszeitung "Haaretz" über die Rolle der Drohnen für Israels Verteidigungswesen, aber auch für die Rüstungsexporte. Vor allem im Antiterrorkampf soll Israel die Drohnen gegen zahlreiche Ziele in den Palästinensergebieten eingesetzt haben. Dabei soll es auch zu zivilen Opfern gekommen sein. Die Armee habe mehrfach versucht, die Berichterstattung darüber zu unterbinden. 

Haaretz geht auch auf Enthüllungen der Plattform WikiLeaks ein, die Hinweise auf eine bereits langjährige Nutzung von "Killerdrohnen" durch Israel im Kampf gegen den Terror lieferte. Allein im Jahr 2015 sollen durch Drohnen in palästinensischen Gebieten 840 Menschen umgekommen sein. Insgesamt liegt die Zahl der Todesopfer den Berichten zufolge bei mindestens 2.200.

Auf Grund der anhaltenden Spannungen in und um Gaza bieten sich die regelmäßigen bewaffneten Eskalationen für die israelischen Streitkräfte gleichsam als Praxistestläufe für den Drohneneinsatz an. Im Sommer letzten Jahres kam etwa in Gaza ein unbemanntes Flugobjekt mit dem Namen "Kachov" (Stern) zum Einsatz, das vom größten Hersteller "Elbit" entwickelt wurde. Obwohl sich Kachov offiziell noch in der Testphase befand, konnte Israels Armee ihr Lob über das Gerät im Rahmen einer internationalen Drohnenkonferenz zum Ausdruck bringen, da dieses bereits in Gaza zum Einsatz gekommen war.

Die Erfolgsbilanz der israelischen Drohnen schien selbst die wortgewaltigen Fürsprecher der palästinensischen "Intifada" in Riad alle moralische Bedenken vergessen zu lassen. So wurde im März bekannt, dass Saudi-Arabien israelische Drohnen erwarb. Offiziell hieß es, dass Saudi-Arabien in Kooperation mit Südafrika eine Drohnenfabrik bauen wolle. Ein saudischer Verteidigungsanalyst, der sich als "Mujtahid" bezeichnet, kommentiert:

Der Bericht zielt darauf ab, die Tatsache zu verschleiern, dass Saudi-Arabien Drohnen von Israel via Südafrika kauft.

Israel und Saudi-Arabien haben einen gemeinsamen politischen Erzfeind: den Iran. Doch die öffentliche Meinung beider Länder würde einem solchen Geschäft nicht zustimmen.

Israel hat sich jüngst geweigert, ein von den USA initiiertes Abkommen zu unterzeichnen, welches die Nutzung und den Export von bewaffneten Drohnen regulieren soll. In dem Papier, das bislang von 40 mit den USA verbündeten Staaten unterzeichnet wurde, wird in diesem Zusammenhang eine Verpflichtung zur Einhaltung von Menschenrechten und internationalem Recht angesprochen.

Die Gründe für die Weigerung sind vor allem wirtschaftlicher Natur: In Israel gibt es allein 40 Startups, die im Bereich der Entwicklung und Herstellung von Drohnen aktiv sind und in den letzten drei Jahren ein Gesamtkapital von 80 Millionen Dollar gerieren konnten. Da verwundert es wenig, dass das Land ein geringes Interesse hat, den Boom, den die Drohnengeschäfte für das Land bedeuten, zu drosseln.

Die jüngsten Entwicklungen im Drohnenbereich gehen in unterschiedliche Richtungen. So sollen vor allem autonome Plattformen die Zukunft der kommerziellen Drohnenindustrie ausmachen. Diese Art von Drohnen funktioniert ohne menschliche Interventionen. Die Geräte sollen in Zukunft auch ihre eigenen Batterien laden können.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wünscht sich Hillary Clinton im Weißen Haus.

Unterdessen haben die Amerikaner bereits damit begonnen, in israelische Drohnengeschäfte zu intervenieren. Deutschland wollte Drohnen vom Typ "Heron TP" aus Israel leasen, bis im Jahr 2025 eigene europäische Drohnen entwickelt worden sein sollen. Die US-Firma "General Atomics", der Hersteller der amerikanischen "Predator-Drohnen", verklagte daraufhin Deutschland, weil das Land nicht die günstigere amerikanische Version leasen wollte. Berlin legte die Pläne mit Israel vorerst auf Eis.

Unterdessen will Israel die Anwendungsbereiche der Drohnen zur weiteren Eindämmung von Terrorrisiken ausweiten. Zusätzlich zu den Überwachungsdrohnen, die bereits jetzt in und um Gaza Anwendung finden, soll bald auch eine Landdrohne mit ferngelenkten Waffen helfen, die Grenzen um Gaza zu sichern.

Zu Wasser kommt außerdem bereits ein unbemanntes Boot zum Einsatz, das den Schmuggel von Waffen nach Gaza auf dem Seeweg verhindern soll. Allerdings haben sich auch palästinensische Fischer darüber beklagt, dass diese Vorrichtung in unzulässiger Weise ihr Gebiet einschränken würde. In jedem Fall dürfte auch diese Entwicklung ungeahnte Exportmöglichkeiten für israelische Unternehmen schaffen.