Aufmarsch der letzten Idealisten – Friedensmarsch von Frauen aller Konfessionen durch Israel

Symbolbild, Ende einer Friedensdemo in Tel Aviv, Oktober 2015
Symbolbild, Ende einer Friedensdemo in Tel Aviv, Oktober 2015
In Israel marschieren derzeit Frauen aller Konfessionen und Herkunft gemeinsam für den Frieden. Aber wer will angesichts der anhaltend verhärteten Fronten noch an einen solchen glauben?

Von Olga Banach

Insgesamt 14 Tage lang wollen Frauen auf einer 200 Kilometer langen Strecke von der nördlichen Stadt Rosh Hanikra nach Jerusalem marschieren, um für eine diplomatische Lösung im nie endenden Konflikt zwischen der israelischen Regierung und den Vertretern des Staats Palästina zu werben, der 1988 von der PLO ausgerufen wurde und seit 2012 einen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen genießt.

Symbolbild, IDF-Soldaten in Nablus, besetztes Westjordanland.

Die Fronten zwischen beiden Seiten sind verhärtet. Beide sehen sich als Opfer von Gewalt und üben sich in stetiger Selbstbestätigung ihres Narrativs. Den Glauben an den Frieden haben die meisten verloren. Bereits seit 2014 liegen die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern auf Eis. Damals schloss der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas einen Pakt mit der zuvor verfeindeten Hamas zur Führung des Gazastreifens. Israel stuft die Hamas als terroristische Organisation ein und lehnt jedwede Verhandlung mit dieser ab.

Eine jüngst veröffentlichte Studie ergab, dass nur noch einer von drei Israelis an einen Frieden im Land glaubt. Gerade mal vier Prozent der Bevölkerung hegen noch Hoffnungen auf eine Einigung in den nächsten fünf Jahren. Der größte Streitpunkt sind die umstrittenen Siedlungen, die Israel auf Territorien errichtet, die von den Vertretern der Palästinenser als künftiger Teil des eigenen Staatsgebiets beansprucht werden, das nach einer Friedenslösung die volle Souveränität erhalten soll. Frankreich und Russland haben sich angeboten, mit beiden Parteien Friedensgespräche zu führen.

Der Marsch begann mit dem Einläuten des neuen jüdischen Jahres und endet mit dem Sukkot-Fest. Das auch als Laubhüttenfest bezeichnete jüdische Fest, das in diesem Jahr vom 17. bis zum 23. Oktober begangen werden soll, war ursprünglich ein Erntedankfest und erinnert seit dem Ende des Babylonischen Exils an den Auszug aus Ägypten. In Jerusalem angekommen, wollen die Aktivistinnen ein Protestzelt vor dem Haus des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu errichten.

Auch die liberianische Bürgerrechtlerin und Friedensnobelpreisträgerin Leymah Roberta Gbowee wird den Marsch nach Jerusalem begleiten. Sie hatte die Auszeichnung für ihre Bemühungen im Friedensprozess ihres Landes erhalten, der den Bürgerkrieg beendete, der Liberia in der Zeit zwischen 1989 und 2003 erschüttert hatte. Ebenso wird eine aus Jordanien stammende Gruppe aus Jordanien von Jericho nach Qaser el Yahud marschieren. Beide Städte liegen im Westjordanland. Die Grenze verhindert hier allerdings den gemeinsamen Weg nach Jerusalem.

Die Protestbewegung wirbt mit der an beide Konfliktparteien gerichteten Losung:

Führt uns mutig zu einer politischen Lösung, dies ist für uns der einzige Weg in eine sichere Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder.

Angesichts der zahlreichen Konfliktherde in Israel und den palästinensischen Gebieten erscheint dies als sehr idealistisches und kurzfristig wohl unerreichbares Ziel. Das Rahmenprogramm, das die Organisatorinnen ausgearbeitet hatten, sieht Haltepunkte vor, an denen es politische Diskussionen und Treffen zwischen den Kulturen geben soll. In Videos sieht man einander an der Hand haltende Frauen mittleren Alters, die in Ringelreihen tanzen und dabei singen. Auch im Ausland soll es Solidaritätsaktionen mit den Friedensmarschiererinnen geben. In diesem Zusammenhang wurden Marokko, Jordanien, Tunesien, Ägypten, Frankreich, Mexiko und die USA genannt.

Der Alltag im Nahostkonflikt bleibt jedoch ungleich prosaischer: Vor kurzem wurde Shimon Peres, den viele Menschen im jüdischen Staat als "Vater Israels" bezeichnen und zugleich als Ikone des Friedensprozesses, zu Grabe getragen. Außenpolitisch ist er als Verfechter des Friedensinteresses seines Landes anerkannt, innenpolitisch stießen einige seiner politischen Entscheidungen jedoch auch auf scharfe Kritik.

Erst am vergangenen Sonntag wurden zwei Menschen bei einem Anschlag eines mutmaßlichen palästinensischen Terroristen getötet und sechs weitere verletzt. Der Araber hat in Jerusalem auf eine Haltestelle und fahrende Autos geschossen. Angesichts solcher Nachrichten ist es vielleicht gerade der Idealismus der Frauen, die hinter dem anstehenden Friedensmarsch stehen, den ein Land wie Israel heute braucht.