"USA, Großbritannien und Frankreich spielen jetzt Luftwaffe für Terroristen in Syrien"

Ein amerikanischer Kampfjet des Typs F-22 Raptor vor einer NATO- und einer US-Flagge.
Ein amerikanischer Kampfjet des Typs F-22 Raptor vor einer NATO- und einer US-Flagge.
Fast sechs Jahre lang konnten Washington und seine Verbündeten ihr zynisches Doppelspiel im Syrienkrieg verbergen. Die jüngsten Entwicklungen und die Propaganda rund um Aleppo offenbaren nun aber: Der Westen steht offen auf der Seite von Terroristen.

von Finian Cunningham

Die Russische Föderation hat richtig gehandelt, als sie gegen eine von Frankreich eingebrachte Resolution im UN-Sicherheitsrat ihr Veto einlegte. Mit nachdrücklicher amerikanischer und britischer Unterstützung eingebracht, hatte der französische Resolutionsvorschlag zum Ziel, eine Einstellung der Flüge über der belagerten nordsyrischen Stadt Aleppo herbeizuführen.

Dem russischen Außenministerium zufolge wäre die französische Initiative faktisch darauf hinausgelaufen, den von der von der international geächteten Terrorgruppe Al-Nusra dominierten Aufständischen Luftdeckung zu geben. Kurz und knapp: Man hätte auf Kosten der Souveränität Syriens und des internationalen Rechts eine Flugverbotszone eingerichtet, deren Zweck es gewesen wäre, Terroristen zu beschützen.

Ein alternativer Resolutionsentwurf, der von Russland eingebracht wurde, wurde im Gegenzug erwartungsgemäß von Großbritannien, den USA und Frankreich abgelehnt. Der russische Entwurf sah vor, das Waffenstillstandsabkommen, welches im letzten Monat von US-Außenminister John Kerry und dessen russischem Amtskollegen Sergej Lawrow verkündet wurde, wiederzubeleben. Der Entwurf wiederholte auch die Forderung einer Trennung der Oppositionskräfte von Terrorgruppen, die mit al-Qaida in Verbindung stehen, und vom IS.

Russland rief zu einem generellen Waffenstillstand auf, benannte aber keine Bedingungen für eine Einstellung militärischer Lufteinsätze über Aleppo.

Wenn es Frankreich und seinen westlichen Verbündeten wirklich darauf ankäme, die Gewalt zu beenden, warum schließen sie sich dann nicht dem Kerry-Lawrow-Deal an? Offensichtlich haben sie von diesem Waffenstillstand Abstand genommen, weil durch ihn sichtbar wurde, dass die Unterstützung des Westens für "moderate Rebellen" im Gegensatz zu "Extremisten" ein Trugschluss war und diese Darstellung der Realität nicht gerecht wurde.

Dass der Kerry-Lawrow-Pakt umgehend von den Aufständischen gebrochen wurde und dass es de facto keinen Unterschied zwischen "Moderaten" und "Extremisten" unter ihnen gibt, machte ein für alle Mal deutlich, dass die Unterstützung "legitimer Rebellen" eine Farce ist. Washington, London und Paris unterstützen offenkundig eine Terroristenarmee, die für das eigentliche Ziel des Westens kämpft, nämlich einen Umsturz in Syrien.

Seit Syrien und sein Verbündeter Russland am 22. September ihre Antiterror-Offensive wiederaufgenommen haben, um die kriegswichtigen Großstadt Aleppo einzunehmen, sind die westlichen Sponsoren der Terror-Proxies in ihrer Medienkampagne schriller und schriller  geworden. Mittlerweile hat ihre Propaganda für eine Ende der Offensive jedes gesunde Maß verloren.

Amerika, Großbritannien und Frankreich schwadronieren von vermeintlichen "Kriegsverbrechen", welche von syrischen und russischen Luftangriffen ausgegangen sein sollen. John Kerry, der Wortführer des Knatsches bei der UN am Wochenende, forderte sogar eine Untersuchung angeblicher "Kriegsverbrechen", welche Russland angelastet werden.

Westliche Medien begnügen sich in ihrer Berichterstattung mit der 1:1-Wiedergabe unbestätigter Berichten aus dem von den Terrorgruppen gehaltenen Ost-Aleppo. Diese beinhalten regelmäßig die stetig wiederholte Behauptung, syrische und russische Luftschläge hätten zivile Gebäude getroffen, insbesondere Krankenhäuser. Der Großteil der Informationen, die aus Ost-Aleppo kommen, stammen von "Aktivisten", die aus dem Westen bezahlt werden und ein offenbar sehr konstruktives und herzliches Verhältnis zu den Nusra-Terroristen pflegen. Faktisch verbreiten westliche Medien auf diese Weise unhinterfragt terroristische Propaganda.

Die syrische und die russische Regierung streiten die Vorwürfe aus dem Westen ab. Sie machen deutlich, dass ihre militärischen Operationen ausschließlich Terroristen ins Visier nehmen. Allerdings missbrauchen diese wissentlich die 250.000 eingeschlossenen Menschen in Aleppo als menschliche Schutzschilde und versuchen auf diese Weise, die Zahl der zivilen Opfer zu erhöhen, da diese ihrer Propaganda nützen. Westliche Medien weisen selbst regelmäßig auf die angeblich gleiche Taktik der ideologisch mit den Dschihadisten in Aleppo verwandten Hamas hin, wenn Israels Luftwaffe im Gazastreifen gegen deren Stellungen vorgeht.

Terroristische Gruppen halten im Osten Aleppos die Zivilbevölkerung in Geiselhaft, während sie Wohnviertel im Westteil der Stadt mit Raketen und Mörsergranaten beschießen. In westlichen Medien ist darüber kaum zu erfahren.

Es ist bezeichnend, dass westliche Regierungen und Medien umso hysterischer von vermeintlichen "Kriegsverbrechen" berichten, je mehr Fortschritte die syrische Armee und ihre Verbündeten, darunter iranische, libanesische und irakische Milizen sowie die russische Luftunterstützung, auf dem Weg zur Wiedereinnahme Aleppos machen.

Gehen wir davon aus, dass der Konflikt in Syrien von Anfang an ein verdeckter Krieg des Westens mit dem Ziel war, Assad durch einen Umsturz zu entfernen, und dass die Strategie dazu das Sponsoring einer terroristischen Söldnerarmee beinhaltete, dann ist die westliche Hysterie über die Ereignisse in Aleppo völlig verständlich.

Eine Niederlage für die Aufständischen in Aleppo würde das Ende für den Masterplan des Westens bedeuten, ohne Rücksicht auf Verluste in Syrien eine pro-westliche Marionettenregierung zu installieren. Dies wäre auch ein historischer Schlag gegen die Reputation Washingtons und seiner europäischen Verbündeten im Nahen Osten. Eine erwiesene Komplizenschaft mit aus der ganzen Welt zusammengekarrten terroristischen Mörderbanden würde das Vertrauen gegenüber dem Westen in der gesamten Region auf nahezu null sinken lassen.

Im Gegensatz dazu würde der russische Einfluss in der Region sprunghaft ansteigen. Und das aus gutem Grund: Die Menschen in der Region würden Moskau als einen Akteur betrachten, der einem souveränen Land beistand und westliche Kräfte abwehrte, die mittels illegaler Kriegshandlungen und verdeckter Umsturzpläne Chaos in der Region verbreitet hatten.

Vergegenwärtigt man sich diesen hohen Einsatz, ist es offensichtlich, warum die westlichen Mächte immer verzweifelter versuchen, die militärischen Fortschritte gegen die Aufständischen zu torpedieren. Die emotionalisierenden Verleumdungen gegen Syrien und Russland im Westen haben nichts mit tatsächlicher Sorge um menschliches Leid oder Anteilnahme mit den Menschen vor Ort zu tun. Es geht nur darum, moralistisch-propagandistischen Druck aufzubauen, um die militärische Kampagne gegen das westliche Terrorismusprojekt zu behindern und diskreditieren.

Die Bemalung eigener Kampfflugzeuge in russischen Tarnfarben seitens der US-Streitkräfte dürfte dazu dienen, realitätsnahe Manöverübungen durchzuführen. In der Netzgemeinde haben jüngst veröffentlichte Aufnahmen jedoch Argwohn hervorgerufen.

In diesem Kontext gesehen stellen die französischen Forderungen bei der UNO nach Errichtung einer Flugverbotszone einen bemerkenswerten Offenbarungseid dar. Sie machen es nur noch offensichtlicher, dass die westlichen Mächte terroristische und al-Qaida nahestehende Organisationen unterstützt haben und immer noch unterstützen. Der Syrienkonflikt enthüllt auf verblüffende Weise eine betrügerische und kriminelle Natur westlicher Regierungen. Die Behauptung, man wolle einen "Krieg gegen den Terror" führen, welche in den letzten 15 Jahren Kriege legitimiert hat, ist offensichtlich Quatsch. Die Behauptung einen "demokratischen Protest" in Syrien zu unterstützen, ist grotesk. Der gleiche dschihadistische Todeskult, dem Washington 2001 selbst den Krieg erklärt hat, soll nun zum Hoffnungsträger für ein demokratisches Syrien geworden sein.

Dieser gigantische Betrug wurde natürlich nur deswegen möglich, weil westliche Medienunternehmen bei dem bösen Spiel mitgemacht haben. Diese Medienorganisationen sind Komplizen. Und weil dieses Wort derzeit so gerne benutzt wird, obwohl es bei genauerer Betrachtung auf diejenigen, die es im Mund führen, selbst zurückfällt: Beihilfe bei Kriegsverbrechen zu leisten, ist selbst bereits ein Kriegsverbrechen.

Abseits von Aleppo und der westlichen Desinformation darüber, was dort vor sich geht, berichten alternative Medien unterdessen, dass die von den USA geführte militärische Koalition Brücken über den Euphrat in der östlichen Provinz Deir-Ez Zor zerstört.

Laut der Syrischen Freien Presse und einigen anderen Nachrichtenportalen haben die amerikanischen Luftschläge in der letzten Woche sieben wichtige Brücken getroffen. Der jüngste Schlag traf dabei die al-Syasia-Brücke nördlich der Stadt Deir ez-Zor, die größte Brücke der Provinz.

Zivile Infrastruktur ins Ziel zu nehmen, ist ein Kriegsverbrechen. Aber noch bedeutender ist, dass die britisch-amerikanisch-französische Koalition, die ohnedies schon illegal in Syrien operiert, nun auch versucht, die syrische Armee und die russische Offensive gegen die IS-Terrorfestung Rakka zu blockieren. Die zerstörten Brücken waren wichtige Verbindungswege für die syrischen und russischen Kräfte zwischen Deir ez-Zor und der inoffiziellen Hauptstadt des "Islamischen Staates".

Diese von den USA angeführten Luftschläge erklären auch die tödliche amerikanische Attacke auf die syrische Armeebasis in Deir ez-Zor am 17. September. Damals fielen mehr als 60 syrische Soldaten und mehr als 200 wurden verletzt, als amerikanische, britische und australische Kampfjets die Basis in einem durchgehenden Angriff bombardierten. Washington behauptete, bei dem Angriff habe es sich um einen "Unfall" gehandelt.

Ohne Unterstützung aus Saudi-Arabien und Katar wäre der terroristische Aufstand in Syrien längst beendet. WikiLeaks beweist nun, dass selbst US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton dieser Aspekt bewusst ist.

Zahlreiche Beobachter halten das Massaker jedoch keineswegs für ein Versehen. Sie wittern einen überlegten Angriff der westlichen Koalition mit dem Ziel, den Kerry-Lawrow-Pakt scheitern zu lassen, da der brüchige Waffenstillstand die systematischen Terrorverbindungen der westlichen Regierungen in Syrien offenbarte.

Washington und seine Verbündeten versuchen nicht nur, den Terroristen indirekt Luftdeckung zu geben, in dem sie so genannte Flugverbotszonen anstreben. Offensichtlich geben sie den Terroristen mittlerweile sogar bewaffnete Luftunterstützung.

Wie bereits im Umsturzkrieg der NATO in Libyen im Jahre 2011 assistieren Amerikaner, Franzosen und Briten aus der Luft regierungsfeindlichen Terroristen, die am Boden kämpfen.

Das wirklich Widerliche an dieser Vorgehensweise ist, dass die westlichen Mächte gleichzeitig Sorge um internationales Recht, Kriegsverbrechen und menschliches Leid heucheln.

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