Washington ist verwirrt: Wozu braucht Moskau S-300-Flugabwehrraketensysteme in Syrien?

Washington ist verwirrt: Wozu braucht Moskau S-300-Flugabwehrraketensysteme in Syrien?
Die Stationierung russischer S-300-Flugabwehrraketenkomplexe in Syrien hat die USA verblüfft. Während das Weiße Haus und das Pentagon mit großer Sorge nach der Zweckmäßigkeit der Systeme fragen, zeigt sich die russische Militärbehörde über die Verwirrung im Westen erstaunt.

Am Dienstag, dem 4. Oktober, teilte das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation mit, eine Flugabwehrraketenbatterie vom Typ „S-300“ nach Syrien verlegt zu haben. Zuvor hatte der US-Fernsehsender Fox News unter Berufung auf drei anonyme Quellen in Washington berichtet, dass Moskau nach Syrien das modernste S-300WM-Flugabwehrraketensystem geliefert haben soll. Die S-300-Kopmlexe können unter anderem Attacken US-amerikanischer Kampfflugzeuge und Marschflugkörper im Umkreis von 250 Kilometern abwehren.

Der Sprecher der russischen Militärbehörde, Generalmajor Igor Konaschenkow, gab bekannt, dass es die Aufgabe der in Syrien stationierten S-300-Systeme sei, den Marinestützpunkt in Tartus und die vor der Küste befindlichen Kampfschiffe Russlands vor möglichen Bedrohungen aus der Luft zu schützen. Außerdem zeigte er sich erstaunt über die Verwirrung im Westen, die die Stationierung der S-300-Flugabwehrraketensysteme ausgelöst hatte.

„Ich erinnere daran, dass die S-300-Komplexe ein Verteidigungssystem sind, das niemanden bedroht. Mehr noch. In der Region hat sich bekanntlich ein ähnliches seegestütztes System – und zwar vom Typ ‚Fort‘ befunden, mit dem der Lenkwaffengardekreuzer der Schwarzmeerflotte ‚Moskwa‘ bestückt ist“, fügte der hochrangige Militär hinzu.

Der Pressesprecher des Pentagons, Peter Cook, erklärte seinerseits, dass die USA die Inbetriebnahme der S-300-Komplexe in Syrien genau beobachten würden. Der US-Militär fragte sich allerdings nach dem Zweck der Maßnahme. Russland habe nämlich zuvor erklärt, dass es gegen die Terroristen vorgehen wolle, die keine Luftstreitkräfte haben.

„Wir führen eine Luftkampagne in Syrien, und wir werden diese Luftkampagne weiterhin führen. Die Russen können versuchen, Ihnen den Zweck dieser Systeme zu erklären. Wie wir aber vorher bemerkt haben, operieren die zwei Gruppen, derentwegen die Russen am meisten besorgt sein wollen – und zwar der IS und die Al-Nusra-Front – mit keinen Streitkräften“, sagte Peter Cook.

Trotzdem erklärte der Pentagon-Sprecher, dass die USA die Kommunikation in Bezug auf die Flugsicherheit mit Russland weiterhin aufrechterhalten möchten.    

„Wir wollen offensichtlich diese Art von Systemen und die Folgen beobachten, die sie für die Koalition der Luftstreitkräfte mit sich bringen kann. Wir behalten den Konfliktvorbeugungskanal aufgrund des Memorandums über die Flugsicherheit mit den Russen. Wir denken, es ist wichtig, ihn selbst trotz solcher Diskrepanzen aufrechtzuerhalten, denn wir denken, dass es nicht nur im Interesse der Koalition, sondern auch im Interesse Russlands ist, den Kommunikationskanal in Bezug auf die Sicherheit aufrechtzuerhalten“, erklärte der Pentagon-Sprecher.

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Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, behauptete, dass die Stationierung der S-300-Komplexe in Syrien dem erklärten Ziel Russlands – und zwar dem Kampf gegen den Extremismus – widerspreche.

„Ich fange damit an, dass diese Ausrüstung den Erklärungen von Präsident Putin, wonach ihre Bemühungen in Syrien auf die Extremisten konzentriert sind, widerspricht. Ich wüsste nicht, dass der ‚Islamische Staat‘ oder die ‚Al-Nusra-Front‘ dort Flugzeuge hätten. Russland mag andere Aufklärungsinformationen besitzen, aber ich zweifle sehr daran“, sagte Josh Earnest.

Der Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses des russischen Föderationsrates, Wiktor Oserow, erklärte gegenüber RIA Nowosti, dass Russland sein gutes Recht habe, die S-300-Komplexe in Syrien zu stationieren. Ihm zufolge sei das zum Schutz des russischen Kontingentes notwendig. 

„Das kann unter anderem dazu erforderlich sein, damit sich der Zwischenfall mit unserer Su-24, die von der türkischen Seite abgeschossen worden ist, nicht mehr wiederholt“, präzisierte Wiktor Oserow.