USA fälschten al-Qaida-Videos zur Rechtfertigung eigener Militärpräsenz im Irak

Gleichzeitig als Propagandatool für die US-Aktivitäten im Irak und als Honigfalle für potenzielle al-Qaida-Sympathisanten sollten vermeintliche Videos der Terrorgruppe dienen, die mithilfe eines britischen PR-Büros hergestellt worden waren.
Gleichzeitig als Propagandatool für die US-Aktivitäten im Irak und als Honigfalle für potenzielle al-Qaida-Sympathisanten sollten vermeintliche Videos der Terrorgruppe dienen, die mithilfe eines britischen PR-Büros hergestellt worden waren.
Das US-Verteidigungsministerium hat eine britische PR-Firma bezahlt, um gefälschte Terroristen-Videos für eine geheime Propaganda-Kampagne zu drehen. Das enthüllte die britische Journalisten-Initiative "Bureau of Investigative Journalism".

Die PR-Firma Bell Pottinger, die für Kontakte mit einer Reihe von umstrittenen Kunden einschließlich der saudischen Regierung oder dem chilenischen Diktator Augusto Pinochet bekannt ist, arbeitete auch mit dem US-Militär zusammen. Für dieses stellte es im Rahmen geheimer Aktivitäten islamistisch-dschihadistische Propaganda-Mittel her.

Die Firma kooperierte mit dem US-Auslandsgeheimdienst CIA, dem Nationalen Sicherheitsrat und dem Pentagon bei der Umsetzung einer Agenda, das internationale al-Qaida-Netzwerk in einem negativen Licht erscheinen zu lassen. Sympathisanten wurden mittels gezielt gelegte "Köder" systematisch verfolgt.

Sowohl das Weiße Haus als auch der ehemalige oberste US-General David Petraeus wussten über das Programm Bescheid. Das bestätigen Unterschriften der Beteiligten auf Dokumente der PR-Agentur.

Fünf Billionen US-Dollar mussten US-amerikanische Steuerzahler bis dato für die Kriege in Afghanistan und im Irak aufwenden, wenn man auch die Folgekosten miteinbezieht. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung der Brown-Universität Providence.

Bell Pottinger nahm den Betrieb nur nach der US-Invasion im Irak 2003 auf. Die Firma wurde offiziell beauftragt, die "demokratischen Wahlen" im Land zu fördern. Daraufhin widmete sich Bell Pottinger lukrativeren psychologischen und informationsbasierten Operationen, heißt es.

Der ehemalige Mitarbeiter Martin Wells der PR-Firma lüftete gegenüber dem "Bureau of Investigative Journalism" einige Geheimnisse über seine Tätigkeit im Irak, wo er als Video-Editor arbeitete. Innerhalb von 48 Stunden nach seiner Landung nahm er Inhalte für "psychologische Operationen" im sogenannten Bagdader Camp Victory auf. Das ist die Region rund um den zentralen Flughafen der irakischen Hauptstadt.

Die Firma erstellte TV-Spots um die dschihadistische Sunniten-Organisation al-Qaida, die sich selbst die "Verteidigung der Muslime" auf die Fahnen schreibt, angesichts der US-Intervention in einem Negativ-Licht darzustellen. Sie baute Inhalte, die so aussehen sollten, als wenn sie aus arabischen Fernsehkanälen kommen würden. Die Video-Crews wurden entsandt, um Bombardierungen mit niedriger Filmqualität zu dokumentieren. Im Anschluss wurde das Material manipuliert und zu Nachrichtenfilmmaterial umfunktioniert. Gefälschte al-Qaida-Propagandavideos legten US-Militärs in vereinzelten Häusern ab, die sie stürmten. Das Material begann allmählich, sich durch die Reihen der Aufständischen zu verbreiten.

Wells informierte, dass seine Firma spezielle Anweisungen von der US-Seite erhielt, wie so ein Video auszusehen hatte:

Wir sollten eine besondere Video-Art erstellen und dabei al-Qaida-Aufnahmen nutzen. Die Videos sollten zehn Minuten lang sein und ein gewisses Dateiformat tragen mit einer eigenen Codierung."

Die Videos konnten nur auf dem Programm Real Player ausgespielt werden, der eine Internetverbindung benötigt. Die CDs erhielten einen Code, der an Google Analytics angebunden ist. Das erlaubte dem US-Militär, IP-Adressen zu verfolgen, wenn die Videos angesehen wurden. Auf diese Weise verfolgten US-amerikanische Militärs und Sicherheitskräfte unter anderem Sympathisanten von al-Qaida. Laut Wells wurden Videos auch im Iran, Syrien und den USA gedreht.

"Wenn die Videos 48 Stunden oder eine Woche später in einem anderen Teil der Welt auftauchten, dann ist das umso interessanter", erklärte Wells den tieferen Sinn hinter der US-Initiative. "Das ist, wonach sie suchen. Es zeigt ihnen einen Weg auf, den die Videos nehmen."

George W. Bush bei einem Treffen mit Abgeordneten im Oval Office am 13. September 2001. Gemeinsam mit Hillary Clinton wurde damals der

Unterdessen bestätigte das US-Verteidigungsministerium, dass die britische PR-Firma für die Institution unter der "Information Operations Taks Force" (IOTF) arbeitete. Es nannte Berichte über die Kooperation mit Bell Pottinger "wahrheitsgemäß". Ein Verhältnis im Rahmen der "Joint Psychological Operations Task Force" (JPOTF) wollte das Pentagon nicht bestätigen.

Die US-Gesetze verbieten, dass die Regierung in Washington gegen die heimische Bevölkerung propagandistische Mittel einsetzt. Daher war das Engagement einer externen Firma mit Sitz in Großbritannien dem Zweck dienlich gewesen. London war selbst ein enger Partner der USA bei der Intervention gegen den Irak 2003 gewesen.

Dokumente ergaben, dass das Pentagon der Firma Bell Pottinger für ihre Dienste zwischen 2007 und 2011 allein 540 Millionen US-Dollar auszahlte. Ein anderer Vertrag 2006 belief sich auf 120 Millionen US-Dollar. Die Firma beendete ihre Arbeit für das Pentagon im Jahr 2011.

2009 tauchten Berichte über eine andere kontroverse PR-Agentur auf, die das Pentagon engagierte. Die Rendon Group beobachtete für Washington, ob Berichte von Journalisten, die an der Seite von US-Truppen im Irak stehen, "positiv" ausfielen.

Einige Jahre zuvor, 2005, wurde enthüllt, wie die in Washington ansässige PR-Firma, Lincoln Group, gezielt Artikel über den Irak in Zeitungen platzierte, die vom US-Militär geschrieben wurden.