Propagandakrieg am Persischen Golf: USA und Golfstaaten versus Iran

Propagandakrieg am Persischen Golf: USA und Golfstaaten versus Iran
Der Persische Golf verschwindet langsam von den Karten und wird als "Arabischer Golf" deklariert. Die Iraner sehen sich zunehmend durch die Golfstaaten und die US-amerikanische Militärpräsenz vor Ort aus ihrem Territorium verdrängt.

von Olga Banach

Der Persische Golf trennt den Iran von den Golfstaaten: Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain, Oman und Vereinigte Arabische Emirate. Diese streben die Vorherrschaft über die Wasserstraße an. Der Persische Golf ist eine wichtige Verkehrsader, in welcher auch das US-amerikanische Militär in erheblichem Ausmaß präsent ist.

Bislang konnte eine Eskalation vermieden werden. Der jüngste Zwischenfall mit zwei US-Aufklärungsflugzeugen an der iranischen Grenze war jedoch nicht die erste unerquickliche Begegnung zwischen den Streitkräften beider Länder im Persischen Golf.

Im September hielt der Iran wieder seine traditionellen Militärparaden ab, die das Jubiläum der Invasion durch den Irak 1980 in Erinnerung rufen sollten und die Teheran als Gelegenheit nutzte, das Kriegsgerät des Landes vorführen. Der Truppenaufmarsch sollten auch eine Warnung an die Amerikaner im Persischen Golf sein. Generalmajor Mohammad Ali Jafari von den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) warnte in diesem Zusammenhang:

Wir zeigen den Amerikanern, dass sie besser damit aufhören sollen, ihre Ressourcen und den Reichtum ihrer Leute mit ihrer verletzenden Gegenwart im Persischen Golf zu verschwenden."

Zuvor hatte es einen Zwischenfall gegeben, bei dem einander ein amerikanisches Patrouillenboot und ein iranisches Militärschiff bedrohlich nahegekommen waren. Die Amerikaner gaben an, versucht zu haben, Kontakt aufzunehmen und das iranische Schiff zur Umkehr zu bewegen. Die Kontaktaufnahme hätte aber keine Reaktion zur Folge gehabt. Eine ähnliche Situation hatte sich auch schon im August ereignet.

Gleichzeitig scheint die Diplomatie zwischen Teheran und Riad erschöpft zu sein und es ist zwischen dem schiitischen Iran und dem mehrheitlich sunnitischen Saudi-Arabien eine neue Eiszeit ausgebrochen. Auslöser für die neuerliche Konfrontation war der Tod hunderter Iraner, die bei einer Massenpanik in Mekka 2015 ums Leben gekommen waren. In diesem Jahr fand die Pilgerreise nach Mekka deshalb ohne die Iraner statt. Der saudische Großmufti Abdulasis al-Scheich hatte die Iraner bereits im Vorfeld der Hajj ohnehin als Nicht-Muslime bezeichnet.

Nun fühlt sich auch "Oman Air" gezwungen, Karten aus ihren Bordbildschirmen zu löschen. Grund dafür ist ein Aufruhr in den sozialen Medien, der sich daran entzündete, dass der Bildschirm die Bezeichnung "Persischer Golf" anzeigte und das Gewässer nicht wie gewünscht als "Arabischen Golf" bezeichnete.

Kleinlaut ließ die Fluglinie verlauten, sie habe die Flugzeuge von der kenianischen Fluggesellschaft gechartert die Karten nicht im Vorfeld auf politisch korrekte Bezeichnungen hin überprüft. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Wasserstraße gemeinhin als den Persischen Golf, sofern es sich nicht um arabische Dokumente handelt. Arabisch ist wiederum im Gegensatz zum Persischen eine offizielle Sprache der UN. Der Trend zur Umbenennung begann etwa um 1960 mit einem zunehmenden Trend zum Nationalismus in den Golfstaaten. Im Jahre 2006 wurde wiederum die Zeitschrift "The Economist" im Iran verboten, nachdem die Herausgeber den "Persischen Golf" aus ihrem offiziellen Sprachschatz verbannt hatten. In Frankreich gab es diplomatischen Protest, nachdem der Louvre dasselbe in seinen Führungen veranlasst hatte.

In der eben erst erschienenen US-Serie "Designated Survivor" droht der US-Präsident, gespielt von Kiefer Sutherland, mit Krieg, sofern der Iran nicht sofort damit aufhöre, die Meerenge von Hormuz zu sperren, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Osten verbindet.

Dieses Szenario ist weniger fiktiv, als es scheinen mag. Im September testeten die Amerikaner nach eigenen Angaben die Reaktionen der Iraner bei dem Versuch, ein Spionageflugzeug iranisches Festland überfliegen zu lassen. Die Iraner gaben bekannt, dass sie ein solches im Falle eines Eintritts in das iranische Hoheitsgebiet abschießen würden.