Die Reise nach Mekka – Vergebung der Sünden diesmal ohne Iraner

Blick auf die Kaaba, Große Moschee von Mekka, 9. September 2016.
Blick auf die Kaaba, Große Moschee von Mekka, 9. September 2016.
Nach den Todesopfern infolge einer Massenpanik im Vorjahr macht Saudi-Arabien für viele Pilger die Grenzen dicht. Der Menschenschmuggel nach Mekka wird dadurch zum lukrativen Geschäft. Iranischer Pilger fehlen in diesem Jahr vollständig.

von Olga Banach

"Eid Mubarak" heißt es dieser Tage unter Muslimen anlässlich des alljährlichen Opferfests. Die große Pilgerfahrt nach Mekka, auch als "Hajj" bekannt, ist eine der fünf Säulen des Islam. Jeder Muslim, der gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage ist, ist verpflichtet, sie einmal in seinem Leben zu absolvieren. Die Hajj soll den Pilger zudem von seinen Sünden freimachen. Sie wird regelmäßig anlässlich des Opferfests Eid ul-Adha durchgeführt.

Saudi-Arabien, Verwalter der Heiligen Stätten des Islam, hat die Ausübung der religiösen Pflicht nun jedoch mit sehr weltlichen Auflagen versehen. Die illegale Einreise nach Mekka soll ab sofort unterbunden werden: Wer sich ihrer schuldig macht, riskiert künftig eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten, ein zehnjähriges Einreiseverbot nach Saudi-Arabien und eine Geldstrafe in Höhe von rund 13.000 US-Dollar.

Luftaufnahme der Pilgerzelte in Mekka.
Luftaufnahme der Pilgerzelte in Mekka.

Riad gab entsprechende Warnungen bereits über die sozialen Medien bekannt. Das Ziel der Maßnahmen sollte es sein, die Zahl der Pilger auf maximal 200.000 Menschen zu begrenzen. So viele in etwa sollen es, allen Verboten zum Trotz, alleine im letzten Jahr gewesen sein, die professionelle Schleuser dazu bewegt haben, sie nach Mekka zu schmuggeln. Der illegale Weg zum Sündenerlass in Mekka kostet den Reisenden derzeit 133 US-Dollar.

In diesem Jahr haben die Organisatoren digitale Armbänder an die Teilnehmer verteilt, die Informationen über die Identität des Trägers beinhalten, damit dieser im Ernstfall zugeordnet werden kann.

Die restriktiven Maßnahmen haben auch einen konkreten Hintergrund: Im letzten Jahr kamen bei einer Massenpanik im überfüllten Mekka 2.070 Menschen zu Tode, circa 464 davon waren Iraner. Die Saudis sollen mit der Bewältigung der Situation völlig überfordert gewesen sein und die Verletzten und die Toten sogar gemeinsam in Container gesperrt haben. Bisher sind wenige Details hierüber bekannt geworden, da es keine genauen Untersuchungen zu den Vorfällen im saudischen Königreich gab.

Blick auf die Große Moschee von Mekka
Blick auf die Große Moschee von Mekka

Die Todesfälle während der Hajj führten jedoch zu einer öffentlichen Debatte zwischen Saudis und Iranern, was die ohnehin bereits über lange Jahre bestehende Fehde zwischen beiden Ländern noch weiter hochkochen ließ. Nachdem Ayatollah Ali Chamenei und auch Präsident Hassan Ruhani Saudi-Arabien Inkompetenz bei der Versorgung der verletzten und halbtoten Gläubigen vorgeworfen hatten, erklärte der sunnitische Großmufti Abdulasis al-Scheich die mehrheitlich schiitischen Iraner hieraufhin kurzerhand zu Nicht-Muslimen.

Wortwörtlich bezeichnete er die Iraner als "Söhne des Magi". Das bedeutet im Persischen, dass er sie pauschal zu Zoroastriern erklärte, Anhängern jener Religion, die auf dem Gebiet des heutigen Iran in vorislamischer Zeit vorherrschte und in der Zarathustra verehrt wurde. Auf Arabisch konnte man die Bezeichnung in diesem Kontext jedoch auch als "Untermenschen" interpretieren. 

Proteste im Iran folgten und wie bereits in der Zeit zwischen 1988 und 1990, damals nach Zusammenstößen zwischen schiitischen Pilgern und Sicherheitskräften, boykottierte Teheran die Hajj. Die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr am 2. Januar 2016 führte zu einem vollständigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Nimr al-Nimr hatte Proteste angeführt, die sich gegen die saudische Regierung richteten und freie Wahlen forderten.

Die Wut der Iraner entlud sich daraufhin gegen die saudi-arabische Botschaft. Das Königreich schloss daraufhin alle seine diplomatischen Vertretungen im Iran, Teheran selbst schloss seinerseits die iranische Botschaft in Riad.

Pilgermassen in Mekka - Dieses Jahr ohne iranische Beteiligung.
Pilgermassen in Mekka - Dieses Jahr ohne iranische Beteiligung.

Chamenei beklagte die Vermischung der Hajj mit Politik. Iranische Proteste gegen das Vorgehen Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten blieben indessen wirkungslos. Auch die Vereinten Nationen mussten im Juni die schmerzliche Erfahrung machen, dass die Prinzipien der Organisation, wenn es hart auf hart kommt, den Interessen Saudi-Arabiens zu weichen haben.

Damals musste UN-Generalsekretär Ban Ki-moon auf Grund des Drucks vonseiten der Golfstaaten und der Minister der Organisation für islamische Kooperation Saudi-Arabien von der Täterliste bezüglich der Kindermorde im Jemen streichen. Die Drohungen aus diesem Umfeld reichten bis hin zur Ankündigung einer Fatwa gegen die UN. Eine solche hätte zur Folge gehabt, dass die arabischen Staaten den Vereinten Nationen alle finanziellen Mittel gestrichen und die Kommunikation zwischen der UN und den internationalen arabischen Organisationen unterbunden hätten.