CIA-Chef Brennan: Russland ist ein "ernsthafter Gegner" und Putin ein "aggressiver" Führer

CIA-Chef John O. Brennan sieht ein klares Konkurrenzverhältnis zwischen den USA und der Russischen Föderation. Dieses rechtfertige Vorsicht, dürfe aber einer Zusammenarbeit in wichtigen Fragen internationaler Sicherheit nicht im Wege stehen.
CIA-Chef John O. Brennan sieht ein klares Konkurrenzverhältnis zwischen den USA und der Russischen Föderation. Dieses rechtfertige Vorsicht, dürfe aber einer Zusammenarbeit in wichtigen Fragen internationaler Sicherheit nicht im Wege stehen.
CIA-Direktor John O. Brennan hat Russland in einem Interview einen "ernsthaften Gegner" genannt, der die Vorherrschaft der USA in einer "Reihe von Bereichen" wie dem Cyberspace in Frage stelle. Gleichzeitig sprach er sich jedoch auch für eine "konstruktive Zusammenarbeit" aus.

Brennan räumte ein, dass es wichtig sei, auch mit Russland auszukommen, da auch Moskau ein "berechtigtes Interesse" an Stabilität und einem Sieg gegen den Terrorismus hat.

CIA-Chef John Brennan. Quelle: Dainomite, gemeinfrei

In einem Interview mit dem kanadischen Sender CBC anlässlich des 15. Jahrestages der Anschläge vom 11. September nannte der US-amerikanische Geheimdienstchef Russland eine "Weltmacht" mit riesigem militärischen Potenzial. Moskau spiele international eine sehr aktive Rolle.

"Insofern ist Russland ein ernstzunehmender Gegner in einer Reihe von Bereichen", sagte Brennan auf die Frage von CBC, inwieweit Russland eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstelle.

Der 60-Jährige geht davon aus, dass die Tatsache der Konkurrenzsituation zwischen Russland und die USA die gemeinsame Lösung einer Reihe besonders dringender internationalen Probleme nicht ausschließen solle. Insbesondere sprach der CIA-Chef in diesem Zusammenhang den langjährigen Syrien-Konflikt an, in dem Russland aufseiten der syrischen Regierung steht.

Vergangene Woche wurde eine von den USA und Russland vermittelte Vereinbarung über einen langfristigen, landesweiten Waffenstillstand in Syrien verkündet. Diese sieht die Gründung eines gemeinsamen Zentrums vor, von dem aus Geheimdienstler und Militärs beider Ländern Angriffe auf Kämpfer der al-Nusra-Front und des "Islamischen Staats" koordinieren wollen. Die erste Phase des Abkommens sieht die Einführung eines 48-stündigen Waffenstillstands vor, der ab Montag in Kraft tritt. Dieser könnte, sollten sich alle Rebellenfraktionen und die syrische Regierung an ihn halten, auf eine Woche und darüber hinaus ausgeweitet werden.

Russland hat ein "berechtigtes Interesse an Stabilität und daran, terroristische Organisationen zu zerschlagen", warf Brennan ein. Bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus spiele Moskau eine bedeutende Rolle.

Hinsichtlich des Vorwurfs einer russischen Mitschuld am medial heiß diskutierten Hack gegen den Vorstand der Demokratischen Partei (DNC) in den USA will Brennan nicht so weit gehen, Moskau als Schuldigen hinter dem Leak der sensiblen Dokumente zu benennen. Der Leak gab darüber Aufschluss, wie Vertreter der Demokratischen Partei die Kampagne der Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton aktiv gegen ihren Herausforderer aus der eigenen Partei, Bernie Sanders, unterstützt und damit den Willensbildungsprozess innerhalb der Partei beeinflusst hatten.

Zugleich wies der CIA-Chef aber auch darauf hin, dass Russland eine echte Macht im Cyber-Raum sei. Er sagte:

Wir müssen sehr, sehr vorsichtig sein, wenn es darum geht, was die Russen in Bezug auf das Sammeln von Daten tun können."

Nach mehr Details über die Untersuchungen des Hackerangriffs auf die Server der Demokratischen Partei befragt, verwies Brennan den kanadischen Journalisten an das FBI. Dieses sei für die Aufarbeitung des Falls verantwortlich.

Abschließend umschrieb der oberste US-amerikanische Geheimdienstler den russischen Präsidenten als einen "aggressiven" und "durchsetzungsfähigen" Führer. Ihm gegenüber müsste Washington "sehr vorsichtig" sein. Putin sei, wegen seiner Fähigkeit, "Umfelder zu manipulieren", in der Lage, Russland voranzubringen.