Neuer IS-Oberbefehlshaber Chalimow wurde bis 2014 von USA für "Anti-Terror-Kampf" ausgebildet

Der aus Tadschikistan stammende neue IS-Oberbefehlshaber im Irak, Gulmurat Chalimow, ist ein ehemals von den USA ausgebildeter Oberst einer Spezialeinheit der Polizei.

Quelle: Youtube / CATV NEWS
Der aus Tadschikistan stammende neue IS-Oberbefehlshaber im Irak, Gulmurat Chalimow, ist ein ehemals von den USA ausgebildeter Oberst einer Spezialeinheit der Polizei. Quelle: Youtube / CATV NEWS
Der "Islamische Staat" (IS) hat einen neuen Oberbefehlshaber. Für die USA ist Gulmurat Chalimow ein alter Bekannter: Der ehemalige Oberst einer Spezialeinheit aus Tadschikistan wurde von den US-Amerikanern ausgebildet. Diese setzten nun ein Kopfgeld von drei Millionen US-Dollar auf ihn aus.

"Es gibt Informationen aus dem 'Islamischen Staat', wonach der Tadschike Gulmurat Chalimow zum neuen Oberbefehlshaber ernannt wurde, nachdem der frühere Kommandeur Abu Omar el-Schischani getötet worden war", so eine, wie es heißt, gut informierte Quelle aus der irakischen Provinz Ninewah gegenüber dem Nachrichtenportal Iraqi Al Sumaria.

Das selbsternannte "Kalifat", das sich über mehrere Gebiete in Syrien und im Irak erstreckt, verlor kürzlich seinen Feldkommandeur für die Großstadt Mossul im Nordirak. Seit dem Fall der zweitgrößten Stadt des Iraks an den IS im Juni 2014 versuchen die USA und irakische Regierung unbeirrbar, die Stadt wieder zurückzuerobern.

Als Teil des Kampfes gegen den IS nehmen die USA dabei regelmäßig hochrangige IS-Führer mit Drohnenangriffen ins Visier. So verkündete Washington erst im März, dass es gelungen sei, den IS-Kommandeur Abu Omar el-Schischani, auch als der "der Tschetschene" bekannt, mittels einer Drohne zu töten. Diese Behauptungen wurden zunächst vom IS dementiert. Nach Tagen musste die Organisation jedoch einräumen, dass der tschetschenische Warlord in der irakischen Stadt Schirkat tatsächlich getötet worden war.

Der türkische Präsident Erdoğan zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf der von der türkischen Armee unterstützten Offensive im Norden Syriens zufrieden. Washington und Moskau mahnen jedoch zur Zurückhaltung gegenüber den kurdischen YPG-Milizen.

Im Gespräch mit Al Sumaria bestätigte die Quelle, die namentlich nicht genannt werden wollte, dass der IS den Tadschiken Chalimow zum neuen militärischen Anführer in Irak ernannt habe. Die Terrororganisation machte die Ernennung offenbar aus Angst vor erneuten Drohnenschlägen der USA im Irak bis dato nicht publik.

Der Großteil der IS-Führung halte sich in Syrien auf, heißt es weiter. Nur "wenige" Führer der Terrormiliz agieren im Irak, erklärte die Quelle aus Ninewah. "Diese zweit- und drittrangigen Kommandeure [abgesehen von el-Schischani], die ihre Kämpfer in der Provinz Ninewah anführen, führen aus Sorge vor Angriffen ein Leben im Verborgenen und treten nur selten in der Öffentlichkeit auf."

Sollten sich die Berichte über die Ernennung Chalimows als wahr erweisen, werden die irakischen Streitkräfte und ihre Verbündeten in den USA künftig mit einem hochqualifizierten Kommandeur konfrontiert. Niemand dürfte das besser wissen als die US-Streitkräfte selbst: Im vergangenen Jahr deckten Enthüllungsjournalisten auf, dass Chalimow seinerzeit eine spezielle militärische Ausbildung in den USA genossen hatte.

Bevor sich der Tadschike im vergangenen Jahr dem IS anschloss, gehörte der Oberst einer tadschikischen OMON-Einheit ("Mobile Einheit besonderer Bestimmung") an, war Polizei-Kommandeur und Scharfschütze im Militär.

Nach seinem Verschwinden im April 2015 tauchte er einen Monat später wieder auf: in einem zehnminütigen Video des IS. In diesem gelobte er, den Krieg nach Tadschikistan, Russland und die USA zu tragen.

Der 41-Jährige räumte ein, dass er von 2003 bis 2014 an fünf Anti-Terror-Ausbildungskursen der USA teilnahm. Diese Kurse wurden vom US-Außenministerium unter dem Namen "Anti-Terror-Assistance-Programm" angeboten. Ein Teil der Ausbildung wurde von privaten US-amerikanischen Militärberatern durchgeführt.

Zu den Auftragnehmern gehörte eine Firma, die früher unter dem Namen Blackwater bekannt war. Während seiner Zeit als Polizist in Tadschikistan nahm Chalimow auch an Trainingsreisen in die Russische Föderation teil.

Nachdem er sich vom Polizeidienst in Tadschikistan losgesagt hatte, stieg der Vater von acht Kindern in die Reihen der weltweit meistgesuchten Terroristen auf. Seine zweite Ehefrau, eine ehemalige Pressesprecherin des tadschikischen Zolldienstes, schloss sich dem Dschihad ihres Ehemannes an. Auch nach ihr wird gefahndet.

In der Heimat wird gegen Chalimow wegen Verrats ermittelt. Außerdem ist Chalimow Teil einer bewaffneten Gruppe, für die er illegal in Kriegsgebieten anderer Staaten kämpft.

Nachdem sich Chalimow dem IS angeschlossen hatte, setzte Interpol ihn auf seine Top-Fahndungsliste. Die global operierende Behörde fordert seine Festnahme und Auslieferung nach Tadschikistan. Auch die Vereinten Nationen und die USA setzten den Dschihadisten auf die Fahndungsliste. Vergangene Woche setzte das US-Außenministerium ein Kopfgeld in Höhe von drei Millionen US-Dollar auf Chalimow aus.

"Das Programm 'Belohnung für Gerechtigkeit' des US-Außenministeriums bietet eine Belohnung von bis zu drei Millionen US-Dollar für Mitteilungen über den Aufenthaltsort und andere Informationen, die zur Verhaftung von Gulmurat Chalimow führen", geht aus der amtlichen Stellungnahme hervor.

Washington hält Chalimow wegen seiner umfassenden Anti-Terror-Ausbildung für eine besondere Bedrohung. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf einen Beamten des US-Außenministeriums, dass der tadschikische Staatsbürger in "Krisenreaktionen, Geiselverhandlungen und taktischer Führung" ausgebildet wurde.