Türkei: 11 Tote, über 70 Verletzte bei Bombenanschlag auf Polizeistation in Cizre

Türkei: 11 Tote, über 70 Verletzte bei Bombenanschlag auf Polizeistation in Cizre
Bei einem Bombenanschlag gegen eine Polizeistation im Cizre-Distrikt im Südosten der Türkei starben elf Menschen. Über 70 weitere wurden verletzt, informierten lokale Krankenhäuser. Türkische Behörden machen die PKK für den Anschlag verantwortlich.

Der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag bemerkte bei einer Ansprache, dass die tatsächliche Todeszahl noch nicht definierbar sei. Die Schäden seien zu groß. Bislang gibt es noch keine Bekennerschreiben. Türkische Beamte vermuten angesichts des Hergangs und der gegenwärtigen Spannungen in der Region, dass die PKK hinter dem Angriff stehe. Die semistaatliche Nachrichtenagentur Anadolu bekräftigt diese Vermutung.

Fotos und Videos vom Anschlagsort in der südöstlichen Region Anatoliens belegen die Schwere des Angriffs. Zahlreiche Häuser wurden zerstört.

Die Polizeistation wurde durch die Explosion völlig zerstört, heißt es beim türkischen Fernsehsender NTV. Erste Informationen weisen auf ein Auto hin, das mit Sprengstoff gefüllt wurde. Es ist unklar, ob sich der Täter ebenfalls in die Luft sprengte.

Weitere kleinere Explosionen ereigneten sich in einem Waffendepot der Polizei. Auch in diesem Fall wurden umliegende zivile Wohnhäuser erschüttert laut NTV.

Cizre liegt in der Provinz Sirnak, die an Syrien und Irak anraint. In der Provinz leben mehrheitlich ethnische Kurden.

Die Türkei begann ihre Operation mit dem Namen „Schild des Euphrats“ in Syrien am Mittwoch. Türkische Truppen rückten mit Luftunterstützung und mehrheitlich turkmenischen Rebellen in Dscharablus ein, um den IS aus der Stadt und der Region entlang der türkischen Grenze zu drängen. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ besetzte die Region seit 2013. Ankara fragte die Operation nicht bei der syrischen Regierung an. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan rechtfertigte den Schritt damit, dass die Operation die zahlreichen grenzüberschreitenden IS-Angriffe beenden werde. Er sagte:

„Es geht darum, Terrorgruppen zurückdrängen, die unser Land bedrohen wie den IS oder die PYD.“

Am Donnerstag versuchte die PKK, in der Provinz Artvin einen Anschlag gegen den Parteivorsitzenden der kemalistischen CHP, Kemal Kilicdaroglu, zu verüben. Ein Soldat wurde getötet und zwei weitere wurden verletzt, die die Autokolonne des Parteiführers beschützten.

Im April entsandten Menschenrechtsgruppen einen Bericht an die Vereinten Nationen, in dem sie behaupteten, dass türkische Sicherheitskräfte bei Operationen gegen die PKK zahlreiche Menschenrechtsverletzungen begingen.

Seit der Wiederaufnahme zwischen der PKK und dem türkischen Staat im Juli 2015 starben mehr als 600 türkische Sicherheitskräfte. Auf der Seite der PKK sollen über 8.000 Kämpfer getötet worden sein.