Satellitenaufnahmen deuten auf Präsenz französischer Truppen im Jemenkrieg auf Seite der Saudis hin

Bildquelle: Google Earth
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Wie aus Satellitenmaterial, das jüngst auf Google Earth auftauchte, hervorgeht, scheint Frankreich stärker als gedacht in den militärischen Feldzug Saudi-Arabiens im Jemen involviert zu sein. Darauf deuten unter anderem neue Hangars auf einem Flugfeld nahe dem eritreischen Flughafen von Assab hin. Militärexperten schließen aus den Aufnahmen zudem auf eine beträchtliche Anzahl französischer Bodentruppen.

Da lächelten sie noch in die Kamera: Blackwater-Söldner im Jemen

Die Saudis begannen 2015 mit einer Militärintervention im Nachbarland, nachdem dort die als pro-iranische geltende Huthi-Milizen den vom Westen unterstützten Präsidenten Abd Rabbuh Mansur Hadi aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben hatten. Hadi befindet sich seither im saudischen Exil.

In jüngster Zeit wollten zahlreiche Beobachter eine stärkere Annäherung zwischen Paris und den Staaten des Golf-Kooperationsrates (GCC) festgestellt haben, die auch mit einer stärkeren französischen Präsenz in der Region einhergeht. Trotz des anhaltenden Bedeutungszuwachses für dschihadistische Rebellengruppen wie des IS oder Al Qaida auch auf der Arabischen Halbinsel sieht Riad offenbar die vom Iran unterstützten Schiitenvereinigungen in der Region als größte Gefahr.

Google Earth-Bildaufnahmen von den französischen Militär-Hangar in Assab:

Bildquelle: Google Earth
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Die Koalition hinter dem Jemen-Feldzug der Saudis wird vorwiegend von GCC-Staaten wie den VAE, Bahrain, Kuwait und Katar gebildet. Andere Staaten wie Ägypten, Jordanien und der Sudan steuern militärische Unterstützung bei, die USA helfen mit Flugzeugen zur Luftbetankung der Jets und mit geheimdienstlichen Informationen bezüglich der Ziele. Ob diese unpräzise sind oder von den Saudis zu frei interpretiert werden, ist ungewiss. Fakt ist, dass der Feldzug Riads bereits wiederholt durch fehlende Effizienz glänzt – einige prophezeien ein „Vietnam am Golf“ – und auch durch eine auffällig hohe Anzahl an zivilen Opfern.

Sanktionen nach Charta VII, die der UN-Sicherheitsrat in seiner Resolution 2216 umschrieben hat, bewirken wenig. Ein Waffenstillstand, der zu einem früheren Zeitpunkt des Jahres abgeschlossen worden war, wurde immer wieder gebrochen. Die diplomatischen Bemühungen in Kuwait, eine Einheitsregierung zu bilden, schlagen bislang fehl. Einen besonders herben Rückschlag erfuhren sie dadurch, dass die Schiitenbewegung einen zehnköpfigen „Obersten Rat“ eingesetzt hat, der in den schiitisch kontrollierten Gebieten regieren soll. Die Saudis versuchen, durch eine massive Militärkampagne die Huthis zu schwächen – die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützen Riad dabei durch den Bau einer neuen militärischen Hafenanlage nahe dem Assab-Flughafen.

Bildquelle: Google Earth
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Frankreich versucht offenbar, nach den Engagements in Libyen und in Mali sowie der Errichtung eines eigenen Flugfeldes in Niger 2012, in der arabischen Welt wieder stärker Fuß zu fassen. Bereits im April 2015, als die Saudi-geführte Koalition ihre Kampfhandlungen im Jemen aufnahm, hatte Paris Riad Unterstützung zugesagt und Außenminister Laurent Fabius traf mit seinem saudischen Kollegen Adel bin Achmed al-Dschubeir zusammen.

Jemeniten am Tatort eines Selbstmordanschlags auf einen Gouverneur im Südjemen am 6. Dezember

Im darauf folgenden Monat nahm Präsident François Hollande selbst am GCC-Gipfel teil und ließ Bereitschaft erkennen, seine militärische Unterstützung des Verbündeten auszubauen. „Frankreich war und wird immer Ihr Freund sein“, erklärte Hollande. „Wir sind entschlossen, ein starker, glaubwürdiger und verlässlicher Verbündeter und Partner zu sein. Wir stehen zu unseren Freunden und unseren Versprechen. Frankreich wird nie zögern, das Richtige zu tun, auch wenn es um Militäreinsätze geht.“

Von französischen Truppen im Jemen-Feldzug war bislang jedoch offiziell noch keine Rede. Allerdings gab es Hinweise darauf, dass Frankreich und die Saudis doch enger in dieser Sache zusammenwirken könnten als angenommen. So wurde der saudische Kronprinz im März 2016 von Präsident Hollande im Élysée-Palast in die Ehrenlegion aufgenommen. Dies stellt die höchste Auszeichnung des Landes dar.

Im Unterschied zu französischen Medien hat die Saudische Presseagentur von „überarbeiteten bilateralen Beziehungen“ berichtet und von einer „Verstärkung und Entwicklung“ derselben in allen Bereichen, „insbesondere der gemeinsamen Koordination zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus“.

Der Anschlag auf die „Charlie Hébdo“-Redaktion in Paris im Januar 2015 scheint Frankreichs Entschlossenheit, selbst im Krieg gegen den Terror aktiv tätig zu werden, wesentlich verstärkt zu haben. Im Gegenzug gerät das Land stärker noch als zuvor selbst ins Visier der Terroristen.