Irak: Peshmerga können sich trotz Bedenken aus Bagdad über spendable Militärpartner freuen

Irak: Peshmerga können sich trotz Bedenken aus Bagdad über spendable Militärpartner freuen
Trotz Klagen vonseiten der irakischen Regierung, Beschwerden über abhandengekommene Waffen und Vorwürfen unmenschlicher Behandlung von Gefangenen bleiben die kurdischen Peshmerga-Einheiten unverzichtbare Partner im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Wie das Internetportal „German Foreign Policy“ berichtet, hat die deutsche Bundeswehr jüngst sogar ein Übungsdorf in der Provinz Erbil errichtet, das sich auf dem neuesten technischen Stand für militärische Ausbildung befindet.

Das so genannte „German Village“ stellt die Nachbildung einer „landestypischen“ Siedlung dar. Die Anlage ermöglicht Training unter realitätsnahen Bedingungen, unter anderem mit scharfer Munition. Dabei kommen vorwiegend Waffen aus deutscher Produktion zum Einsatz. Das „Kurdistan Training Coordination Center“, das die Übungseinheiten und die Kämpfer koordinieren wird, operiert unter der abwechselnden Leitung durch einen italienischen und einen deutschen Offizier.

Screenshot Vice News

Auch Handgranaten und Panzerfäuste kommen auf dem Gelände zum Einsatz. Ein besonderes Highlight stellt jedoch die „IED-Übungsanlage“ dar, die es den kurdischen Kämpfern ermöglicht, mithilfe eines komplexen unterirdischen Druckluftsystems auch das Aufspüren und Entschärfen eingebauter Sprengfallen zu trainieren.

Neben Deutschland und Italien haben bis dato auch Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, die Türkei und Ungarn sowie der Nicht-NATO-Staat Finnland Soldaten und Gerät beigesteuert. Bis dato sollen 7.500 Peshmerga auf der Anlage trainiert haben, davon 1.600, die durch deutsche Ausbilder geschult wurden.

Seit Herbst 2014 hat Deutschland nach Angaben der Bundeswehr unter anderem 20.000 Sturmgewehre der Typen „G3“ und „G36“ an die kurdischen Kämpfer im Nordirak geliefert. Zusätzlich sollen sie über 20.000 Handgranaten, 440 Panzerfäuste, 1.000 Lenkflugkörper für die Panzerabwehrwaffe „Milan“, 50 Maschinengewehre sowie mehr als 13 Millionen Schuss Munition aus westlichen Beständen verfügen. Zusätzlich sollen die Peshmerga 126 Transport- und Panzerfahrzeuge zur Verfügung gestellt bekommen haben – Gesamtkostenpunkt aller militärischer Güter und Dienstleistungen laut Bundesregierung: 70 Millionen Euro.

Die irakische Zentralregierung hat mehrfach gegen direkte Waffenlieferungen an kurdische Peshmerga durch ausländische Staaten protestiert und gefordert, ebenfalls mit Waffen für den Kampf gegen den IS ausgestattet zu werden. Bis dato erhält sie jedoch nur „nicht letale“ Ausrüstung. Die Regierung in Bagdad wird von Kritikern beschuldigt, weitgehend vom Iran abhängig zu sein und gesteuert zu werden. Bagdad selbst beschuldigt den Westen, kurdischen Abspaltungstendenzen Vorschub zu leisten.

Die Kurdische Autonomieregierung (KRG) soll zudem im Nordirak schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Unter anderem soll sie Foltergefängnisse betreiben. Erbil selbst weist diese Behauptungen kategorisch von sich. Auch die Bundesregierung bestreitet, über belastbare Erkenntnisse in diese Richtung zu verfügen. Zudem sei die Genfer Konvention auf IS-Kämpfer ohnehin nicht anwendbar.

Ein ISIS-Kämpfer in Raqqa:  von der US-Militärspitze verharmlost.

Auch die Russische Föderation unterstützt die Autonome Kurdenregion im Antiterrorkrieg gegen den IS. Wie das Portal „Kurdistan24“ jüngst berichtete, erhielt die Autonomieregierung Ende Juli eine Million Schuss an Munition, die Teil der Vorbereitungsarbeiten für die Befreiungsoffensive auf Mossul sein sollen. Es handle sich um Munition für Kalaschnikow-Maschinenpistolen und Maschinengewehre. Die Lieferungen beruhen auf einer Vereinbarung zwischen Moskau und der KRG, die bereits zu Beginn des Jahres geschlossen worden sei. Bereits im März soll es eine Lieferung von 19.000 Schuss Munition gegeben haben, die in Erbil eingetroffen war und an Peshmerga-Einheiten ausgeliefert wurde.

Jüngst gelang es den Peshmerga, elf Dörfer im Osten der Großstadt Mossul innerhalb von nur zwei Tagen vom IS zu befreien.