Türkei: Zahlreiche Anschläge fordern mindestens 12 Tote und mehr als 200 Verletzte

Quelle: Twitter/ Aylina Kilic
Quelle: Twitter/ Aylina Kilic
Mindestens 12 Menschen, darunter ein Kind, sind bei drei Bombenanschlägen gegen Polizeistationen und einen Militärkonvoi in der Ost-Türkei gestorben. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Die türkische Regierung macht die kurdische Arbeiterpartei PKK für die Anschlagsserie verantwortlich.

Türkische Beamte erklären, dass mindestens neun Menschen getötet und Hunderte weiterer verletzt wurden, als seit dem späten Mittwochabend zwei Autobomben in Elâzığ sowie in Van und eine in einer Straße vergrabene Bombe in Bitlis explodierten. Die Autoanschläge richteten sich gegen Polizeistationen, der Anschlag in Bitlis riss einen Militärkonvoi in die Luft.

Die türkische Regierung sieht die Verantwortung für die Anschläge bei der kurdischen Arbeiterpartei (PKK).

Drei Polizisten kamen zudem ums Leben, als eine starke Explosion ein Areal unweit der Polizeistation der osttürkischen Stadt Elâzığ verwüstete. Nur Stunden zuvor war eine andere Autobombe in der Provinz Van detoniert.

Video-Aufnahmen der privaten Nachrichtenagentur Doğan zeigen, wie infolge der Explosion eine riesige Rauchwolke über Elâzığ aufstieg. Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Mahmut Varol, sagte, zahlreiche Autos im Umkreis der Explosion hätten Feuer gefangen.

„Das erste Video vom Ort des Zwischenfalls zeigt, dass zahlreiche Menschen durch die Explosion verletzt wurden. Es waren zahlreiche Ambulanzen vor Ort, die die Verletzten in die Krankenhäuser brachten“, teilte Al-Jazeera-Korrespondent Riza Sayah aus Gaziantep mit und erläuterte weiter:

„Weitere Videos von der Unglücksstelle lassen vermuten, dass es sich um eine extrem starke Explosion gehandelt haben musste. Fast das gesamte Gebäude [der Polizei] ist zerstört. Wir sehen überall Rauch und die Menschen in der Umgebung sehen allesamt verstört aus.“

Der Gouverneur der Stadt, Murat Zorluoğlu, informierte, der Angriff verletzte mindestens 170 Menschen, darunter zahlreiche Zivilisten. 14 Menschen seien im kritischen Zustand.

Nur Stunden zuvor, am späten Mittwochabend, waren drei Menschen, einschließlich eines Kindes, in Van getötet worden. Die Bombe dort verletzte 70 weitere Menschen. Auch in Van richtete sich der Bombenanschlag gegen eine Polizeistation, wobei nach Darstellung des stellvertretenden Gouverneurs von Van, Mehmet Parlak, bewusst zivile Opfer in Kauf genommen wurden. Der Vorsitzende der regierenden AK-Partei in Van, Zahir Soganda, erklärte:

„Unter den über 70 Verletzten sind drei im kritischen Zustand. 17 der Verletzten sind Polizisten. Das ist der jüngste Versuch der Terrororganisation, den Widerstand der Bevölkerung in Van zu brechen. Sie werden das niemals erreichen.“

Den mutmaßlichen Drahtzieher hinter dem Anschlag in Van haben türkische Medien lediglich als M. O. identifiziert. Er soll im Anschluss daran bei Operationen türkischer Spezialeinheiten verletzt und festgenommen worden sein. Mittlerweile befindet sich der Verdächtige im Polizeihauptquartier von Van und wird verhört, heißt es aus Polizeikreisen.

M. O. konnte sich auf Grund von Barrikaden und Kontrollen keinen Zugang zur Polizeistation verschaffen. Daraufhin parkte er das bombenbeladene Auto rund 40 Meter von der Einrichtung entfernt, schrieb die türkische Tageszeitung Hürriyet. Das angebliche PKK-Mitglied brachte den Sprengsatz aus einer sicheren Entfernung mittels eines Fernzünders zur Detonation.

Einige Bilder vom Anschlagsort in Van, die in den sozialen Netzwerken kursieren:

Bildquelle: Twitter/ Aylina Kilic
Bildquelle: Twitter/ Aylina Kilic
Bildquelle: Twitter / Aylina Kilic
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Bildquelle: Twitter/ Jakoben1789
Bildquelle: Twitter/ Jakoben1789

Gegen 13 Uhr türkischer Zeit riss außerdem am heutigen Donnerstag eine Bombe, die in eine Straße der Provinz Bitlis eingegraben worden war, einen Militärkonvoi in die Luft. Die Explosion war so stark, dass sieben Soldaten starben. Sechs weitere wurden verletzt. In der Provinz führt die türkische Armee zurzeit Anti-Terroroperationen durch.

Seit dem Zusammenbruch des Waffenstillstands im Juli 2015 werden fast täglich Sicherheitskräfte im Südosten der Türkei von PKK-Angriffen heimgesucht. Über 550 türkische Sicherheitskräfte starben in diesem Zeitraum, rund 50 Prozent von ihnen infolge von PKK-Bombenanschlägen, fasste der Analyst Aaron Stein zusammen. Die türkische Armee und Polizei führen ihrerseits regelmäßig Operationen gegen die Organisation durch.

Die PKK wird unter anderem von der Türkei, der Europäischen Union und den USA als terroristische Vereinigung gelistet. Dagegen ist sie in anderen Ländern wie der Schweiz, Russland, China, Indien und Ägypten nicht verboten.