Nach Putschversuch in Türkei: Admiral beantragt Asyl in den USA, 216 Putschisten noch flüchtig

Der türkische Konteradmiral Uğurlu ist angeblich seit dem 22. Juli verschwunden. Er wird von türkischen Behörden per Haftbefehl gesucht. Hier ist er jedoch am 26./27. Juli auf einem NATO-Treffen zu sehen.
Der türkische Konteradmiral Uğurlu ist angeblich seit dem 22. Juli verschwunden. Er wird von türkischen Behörden per Haftbefehl gesucht. Hier ist er jedoch am 26./27. Juli auf einem NATO-Treffen zu sehen.
Der in den USA stationierte Konteradmiral Mustafa Uğurlu soll sich seit dem 22. Juli auf der Flucht vor der türkischen Strafverfolgung befinden und Asyl in den USA beantragt haben. Gegen ihn war Haftbefehl wegen Beteiligung beim Putschversuch Mitte Juli in der Türkei erlassen worden. In Folge soll er die NATO-Basis in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia fluchtartig verlassen haben. Fragen werfen allerdings Fotos auf der offiziellen NATO-Seite auf, die ihn beim einem Treffen am 27. Juli zeigen.

Am 9. August meldete Reuters, ein türkischer Offizier in den Vereinigten Staaten habe Asyl beantragt. Unter Berufung auf US-Beamte teilte die Agentur mit, dass der Asylsuchende auf dem NATO-Stützpunk in Norfolk stationiert war. Seinen Namen oder Rang hätten sie nicht genannt. Ein Mitarbeiter der türkischen Botschaft in Washington ergänzte aber, Mustafa Uğurlu habe am 22. Juli, nachdem er zur Rückkehr in die Türkei aufgefordert worden war, seinen Ausweis und seine Rangabzeichen in der Basis zurückgelassen. Seitdem habe man keinen Kontakt zu ihm. Er wird in der Türkei per Haftbefehl gesucht.

Für Verwirrung sorgte ein Beitrag vom 28. Juli auf der Website der NATO. Dort war er in einem Bild zu einer Mitteilung über ein NATO-Treffen, das am 26. und 27. Juli stattfand, zu sehen. Dem Untertitel des Bildes ist zu entnehmen, dass es sich nicht um ein Archivfoto handelt.

Zwei weitere türkische Offiziere wurden zurückbeordert, allerdings würde gegen sie keine Haftbefehle vorliegen.

Uğurlu ist nicht der einzige türkische Offizier, der im Ausland verschwunden ist. Die türkische Zeitung „Cumhuriyet“ berichtete, dass zwei Militärattachés in der griechischen Hauptstadt Athen zusammen mit ihren Familien untergetaucht sind. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu sagte gegenüber dem türkischen Fernsehsender „NTV“ unter Berufung auf griechische Behörden, dass sie sich auf dem Weg nach Italien befänden.

Bereits kurz nach dem Scheitern des Putsches waren acht Soldaten in einem Helikopter nach Griechenland geflohen. Sie beantragten dort Asyl. Ankara fordert die Rücküberführung der mutmaßlichen Putschisten.

Während eines Interviews im türkischen Fernsehen sagte der türkische stellvertretender Ministerpräsident Numan Kurtulmuş, dass insgesamt 216 Soldaten fahnenflüchtig sind und gesucht werden. Diese könnten Kurtulmuş zufolge Attentate begehen.

Türkischen Medienberichten zufolge sind einige der Soldaten in die von der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) kontrollierten Gebiete im Norden Iraks geflohen. Der türkische Generalstab sowie Regierungsvertreter dementierten dies jedoch.

Seit dem gescheiterten Putschversuch sind die Beziehungen zwischen Ankara und den westlichen Hauptstädten gespannt. Die Türkei beschuldigt ihre NATO-Partner, die Putschisten unterstützt zu haben. Zudem verlangt sie die Auslieferung des seit 1999 im US-Exil lebenden Predigers Fetullah Gülen, der von Ankara für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird. Washington hat bis jetzt keine konkreten Schritte in diese Richtung unternommen.

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