US-Denkfabrik: „Müssen sunnitische Rebellen unterstützen, um russisch-kurdische Allianz zu kontern“

US-Denkfabrik: „Müssen sunnitische Rebellen unterstützen, um russisch-kurdische Allianz zu kontern“
Die amerikanische Denkfabrik „The Washington Institute for Near East Policy“ hat eine Analyse veröffentlicht, in der den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) vorgeworfen wird, mit der syrischen Regierung und Russland zusammenzuarbeiten. Amerika müsse stärker sunnitisch-arabische Rebellengruppen unterstützen, um die bisher erfolgte Förderung der YPG auszugleichen.

Kämpfer der syrischen Regierungstruppen im Zentrum von Aleppo, Februar 2016.

Fabrice Balanche, Verfasser der Analyse und Dozent für politische Geographie an der französischen Universität Lyon II, behauptet, dass die Kurdenmiliz eine entscheidende Rolle bei der jüngsten Offensive der syrischen Armee in Aleppo gespielt hatte. Die YPG habe zeitgleich Stellungen der Rebellen angegriffen, und so die Arbeit der Regierungstruppen erleichtert. Schon im Februar dieses Jahres kooperierten Balanche zufolge die Volksverteidigungseinheiten mit regierungstreuen Kräften in Arfin im Nordwesten Syriens um die Verbindungswege der Rebellen zwischen Ost-Aleppo und der Türkei abzuschneiden. Die Rebellengruppen erhalten einen Großteil ihrer logistischen Unterstützung aus der Türkei.

Die YPG „signalisierte eindeutig ihre Präferenz durch ihre Aktionen“ und verfolge eine „Gesamtstrategie der Zusammenarbeit mit Russland, um die kurdischen Enklaven Arfin und Kobane zu verbinden.“

Nach der Einnahme von Manbidsch, wo derzeit kurdische Truppen zusammen mit von den USA unterstützten arabischen Milizen die letzten IS-Stellungen stürmen, werde die YPG nicht wie vereinbart die Stadt räumen.

„Stattdessen könnten YPG-Kräfte mit russischer Luftsicherung und russischen Waffen westwärts weitervorrücken, falls westliche Hilfe ausbleibt.“

Als

Balanche schreibt, dass die „Assad-Putin-Allianz“ den Kurden zur Seite stehen wird, da sie den Rebellen-Kessel in der Stadt Azaz eindämmen möchte. Er beschreibt zwei alternative Szenarien: entweder werde die YPG auf die IS-Hochburg Rakka marschieren und sich dadurch für die westlichen Staaten unabkömmlich machen, oder sie habe eine Übereinkunft mit Russland und Syrien beschlossen.

Die angebliche Zusammenarbeit zwischen der Kurdenmiliz und der syrischen Regierung sei für die Vereinigten Staaten „zutiefst beunruhigend“. Die Ziele der YPG divergieren laut Balanche deutlich von denen der USA.

„Sollte eine Zusammenarbeit mit Syrien, Russland und anderen unterstützenden Kräften dem Ziel der Gruppe, das kurdische Einflussgebiet zu vergrößern, dienen, wird die YPG dies tun, selbst wenn es erforderlich macht, gegen die moderate [!!] Opposition zu kämpfen. Die Vereinigten Staaten sollten also erwägen, andere Gruppen – nämlich sunnitisch-arabische Rebellen – zu fördern, um ihre [bisher erfolgte] Förderung der YPG auszugleichen.“

Während die eigenständige Politik der YPG Washington scheinbar Kopfschmerzen bereitet, versuchen die Kurden auszumachen, wie sich die Annäherung zwischen der Türkei und Russland auf Moskaus Politik im Nahen Osten auswirken wird.

Die kurdische Nachrichtenagentur ANF, die als PKK-nahe gilt, veröffentlichte am Donnerstag einen Beitrag, in dem Erdoğans Manöver als bedingungslose Kapitulation gegenüber Russland beschrieben wird.

Moskau habe aber erklärt, dass die Annäherung die russische Haltung zu den Kurden nicht verändern wird. Trotzdem sei es, dem Autor des Beitrages zufolge, schwer zu sagen, was die Zukunft bringen wird.

Erst vor wenigen Tagen teilte das russische Außenministerium in einer Pressemitteilung erneut mit, dass kurdische Vertreter an den Friedensgesprächen in Genf beteiligt werden müssen. Am 10. Februar dieses Jahres eröffnete die syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD), die der YPG nahe steht, ein Verbindungsbüro in Moskau.

Heute erklärte Salih Müslim, Kovorsitzender der PYD, gegenüber der Nachrichtenagentur Sputnik, dass die Türkei jetzt versuche, durch Zugeständnisse gegenüber Russland und Syrien ihre Beziehungen zu diesen Staaten zu verbessern. Das werde ihr aber nicht gelingen, da die anderen Staaten kein Vertrauen mehr in die Türkei hätten:

"Keiner wird der Türkei trauen."

Eine mögliche Annäherung zwischen Ankara und Damaskus werde sich auf die syrischen Kurden nicht auswirken. Die syrischen Kurden würden sich nur auf sich selbst stützen.

"Wir haben nicht, uns auf das Regime [die syrische Regierung] stützend, gegen die Türkei gehandelt. Wir haben auch nicht, uns auf die Türkei stützend, gegen das Regime gehandelt. Wir stützen uns auf die Kraft unseres eigenen Volkes. Wir haben unser Projekt, das Projekt des Föderalismus. Dieses Projekt treiben wir jeden Tag weiter voran."

Hinsichtlich der Beziehungen der syrischen Kurden zu Russland erklärte er:

"Russland ist im Syrienkonflikt mitinvolviert. Es ist eine wirksame und gute Kraft. Russland kann etwas für eine Lösung des Syrienkonfliktes tun. Unsere Beziehungen zu Russland sind gut. Wir versuchen, diese Beziehungen fortzuführen. Russland ist unser Freund. Es sollte uns im politischen Bereich unterstützen. Wir erwarten eine stärkere Solidarität von unseren Freunden. Bis jetzt hatten wir zwischen uns keine Probleme. Unsere Solidarität geht weiter. Aber das reicht natürlich nicht. Wenn Russland seine Kraft für die Verhandlungen in Genf einsetzt, kann es Gutes für ganz Syrien leisten."

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