Israelische Armee zerstört Wohnhäuser in Westbank und Jerusalem: Über 40 Palästinenser obdachlos

Israelische Armee zerstört Wohnhäuser in Westbank und Jerusalem: Über 40 Palästinenser obdachlos
Israel hat allein diese Woche elf palästinensische Häuser am Stadtrand von Jerusalem und in der Westbank zerstört. Die Zahl der im Jahr 2016 durch die IDF niedergerissenen Wohnhäuser wird wahrscheinlich den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt erreichen.

Israelische Soldaten bewachen den Eingang der jüdischen Siedlung Kriyat Arba in der Westbank nahe Hebron, in der am Wochenende ein palästinensischer Täter ein 13-jähriges Mädchen im Schlaf erstach, Hebron, 3. Juni 2016.

Der führenden israelischen Menschenrechtsgruppe Bt'Selem zufolge sind nach dem jüngsten Abriss mindestens 44 Menschen obdachlos. Eines der am Dienstag zerstörten Häuser war ein zweistöckiges Gebäude. Die zerstörten Häuser befanden sich in Qalandiya, in der Nähe von Jerusalem.

Als Grund für die Abrissmaßnahmen wurde angegeben, dass für die Häuser keine Baugenehmigung erteilt worden sei. Allerdings ist es in diesem Teil des Westjordanlandes für Palästinenser fast unmöglich, Genehmigungen zu erhalten. Laut den Vereinten Nationen ist dieser Teil des Westjordanlandes, der etwa 60 Prozent des Territoriums ausmacht, unter israelischer Besatzung.

Die Behörden selbst gaben allerdings keine offizielle Erklärung, warum diese Häuser abgerissen wurden. Zwei der zerstörten Häuser standen im Teil der besetzten Westbank und neun auf dem Territorium des annektierten Ost-Jerusalem, so Bt'Selem.

Mit den am Dienstag niedergerissenen Häusern steigt die Gesamtzahl dieses Jahr auf 89 im Westjordanland und Ost-Jerusalem. Das ist bereits mehr als die Gesamtabrisszahl des Jahres 2015, als 74 Häuser zerstört wurden und höher als in jedem anderen Jahr der letzten zehn Jahre mit Ausnahme von 2013, als 175 Häuser abgerissen wurden.

Die Bulldozer-Einsätze vom Dienstag wurden von Auseinandersetzungen begleitet, bei denen mehrere Palästinenser verletzt wurden, berichtete die Menschenrechtsgruppe Ir Amim. Es soll Zusammenstöße von Palästinensern und IDF-Soldaten gegeben haben, bei denen die Soldaten Blendgranaten und Tränengas einsetzten.

Palästinensische Mädchen spielen in den Ruinen des Hauses ihrer Eltern, das von israelischen Militärs zerstört wurde, West Bank, 7. April 2016.

Ein Bewohner, dessen Haus am Dienstag zerstört wurde, sagte, dass seine Familie sehr kurzfristig von dem geplanten Abriss erfuhr. Die Behörden hätten ihnen weniger als 24 Stunden Zeit gegeben, bevor das Gebäude abgerissen wurde.

Israelische Behörden „warnten uns am Montagnachmittag, dass sie unsere Häuser, von denen einige noch im Bau waren, zerstören würden“, sagte Mohammed al-Jouri der Middle East Eye.

B'Tselem warnte davor, dass solche Abrisse die Zwei-Staaten-Lösung gefährden: „Diese Bemühungen, die Verbindung des palästinensischen Ost-Jerusalems mit dem Westjordanland zu trennen, stellen eine schwere Bedrohung für die Zwei-Staaten-Lösung dar.“

Anfang dieses Monats wurden mindestens drei Menschen bei Zusammenstößen mit IDF-Truppen verletzt, als die israelischen Behörden das Haus von Bilal Abu Zeid mit Bulldozern abrissen. Die israelischen Behörden glauben, dass er ein Komplize einer Gruppe von Palästinensern ist, die an einem Angriff im Februar beteiligt waren, bei dem ein israelischer Polizist ums Leben kam und ein weiterer verletzt wurde. Zeid befindet sich derzeit in einem israelischen Gefängnis.