Strategische Lage in Aleppo: Der Kampf um die Castello-Straße

Kämpfer der syrischen Regierungstruppen im Zentrum von Aleppo, Februar 2016.
Kämpfer der syrischen Regierungstruppen im Zentrum von Aleppo, Februar 2016.
Seit Ende Juni führt die syrische Armee eine Offensive in der Stadt durch. Ziel ist es, die im Osten der Stadt befindlichen Rebellen von ihren Versorgungslinien abzutrennen. Das wäre ein strategisch wichtiger Schritt, um die historische Metropole zurückzuerobern.

Bereits vor einigen Wochen begannen Truppen der syrischen Armee, die nördlichen Stadtteile unter Kontrolle zu bringen. Unterstützt von russischen Luftangriffen rückten die Soldaten in das Mallah-Gebiet vor. Vom Süden her besetzten die Regierungstruppen das al-Zahra- und das al-Khalidiyah Viertel.

Soldaten der syrischen Armee in Aleppo.

Bis zum 28. Juni gelang es, in Teile des Industrieparks von al-Layramoun und Bani-Zeid vorzurücken. Am folgenden Tag mussten die regulären Streitkräfte einige Rückschläge in Mallah hinnehmen, nachdem zwei Autobomben explodierten und die Rebellen eine Gegenoffensive starteten.

Sie wurden jedoch am 30. Juni zurückgeschlagen. Bis zum 7. Juli konnte weiteres Gelände gut gemacht werden. Unter anderem war es möglich, nach einigen Gegenangriffen der Rebellen weite Teile der Mallah-Farmen sowie Gebäude im al-Layramoun-Viertel zu besetzen.

Am 7. Juli gelang den Regierungstruppen, ein strategisch wichtiger Vormarsch im Norden Aleppo. Die wichtigste Route, um die Rebellen zu versorgen, ist die Castello Straße. Sie wurde von den regierungstreuen Truppen weitgehend unter Kontrolle gebracht.

Ihr fällt strategisch wichtige Bedeutung zu, weil sie die nördlichen und westlichen Teile Aleppos und Gebiete im Osten versorgt. Letztere werden von den Rebellen kontrolliert. Mit der aktuellen Entwicklung sind die Rebellen praktisch eingeschlossen. Die Regierungstruppen schneiden damit die Rebellengebiete von der Versorgung mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern ab. 

Umkämpfter Teil von Aleppo: Oben links die von der Regierung eroberte Castello-Straße (Regierungsgebiete Rot, Kurden Gelb, Aufständische Grün).
Umkämpfter Teil von Aleppo: Oben links die von der Regierung eroberte Castello-Straße (Regierungsgebiete Rot, Kurden Gelb, Aufständische Grün).

Seitdem versuchen die Aufständischen, die verlorenen Gebiete durch verschiedene Gegenangriffe zurückzuerobern. Dennoch gelang es der Regierung am 17. Juli, weitere militärische Fortschritte zu machen. Sie erreichte die vollständige Kontrolle über einen Teil der Castello-Straße, indem sie gemeinsam mit Hizbollah-Kämpfern die umliegenden Hügel einnahm.

Bildquelle: Al-Nusra-Front

Dadurch dass die Regierungstruppen hier vorrückten, steht nun der Ostteil der Stadt unter kompletter Belagerung. Es ist inzwischen nicht mehr möglich, über reguläre Wege aus dem Stadtteil zu gelangen. 

Am heutigen 26. Juli konnten die Regierungstruppen weitere Gebiete im Stadtteil al-Layramoun einnehmen und den Castillo-Gebäudekomplex besetzen. Damit wird der Korridor an der Castillo-Straße immer enger. Russische und syrische Flugzeuge bombardieren diesen Teil der Stadt weiter.

Sollten sich die bisherigen Erfolge der syrischen Armee fortsetzen, wird die Stadt bald in weiten Teilen unter Kontrolle der Regierungstruppen stehen. Dafür müssen die syrischen Streitkräfte jedoch weiterhin die kurdischen Kämpfer der YPG im Viertel Sheikh-Maqsood unterstützen.

Diese sind dort seit Beginn der Kämpfe von Rebellen eingeschlossen. Nur im Süden hält die Syrische Armee ihre Stellungen. Unter militärischen Gesichtspunkten sind die kurdischen Positionen sehr wichtig, weil sie die Kontrolle über den Korridor entlang der Castello-Straße garantieren. Die YPG kämpft in Aleppo auf Seiten der syrischen Regierung.