Türkei: US-Außenministerium erteilt Diplomatenfamilien Erlaubnis zur freiwilligen Ausreise

Türkei: US-Außenministerium erteilt Diplomatenfamilien Erlaubnis zur freiwilligen Ausreise
Die US-amerikanische Botschaft zu Ankara hat am Dienstag bekanntgegeben, dass das State Department Familienmitgliedern von Botschaftsmitarbeitern die Erlaubnis erteilte, das Land zu verlassen. Die Erklärung steht unter dem Eindruck des ausgerufenen Ausnahmezustands in der Türkei nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli. Das US-Außenministerium rät zudem US-Bürgern „Reisen in die Türkei zu überdenken“.

Familienmitgliedern von Mitarbeitern der US-Botschaft in Ankara und dem Generalkonsulat in Istanbul wird damit ab sofort die Möglichkeit zur freiwilligen Ausreise gewährt.

„Das State Department [US-Außenministerium] entschied sich nach dem Putschversuch vom 15. Juli und der späteren Erklärung der türkischen Regierung, einen Ausnahmezustand zu verhängen, für diese Maßnahme“, so eine Erklärung der US-Botschaft am Dienstag.

Das US-Außenministerium rät außerdem US-Bürgern dazu, „Reisen in die Türkei zu überdenken“.

„In dieser Zeit können US-Bürger auf verstärkte Polizei- und Militär-Aktivitäten sowie Einschränkungen der Bewegungsfreiheit stoßen“, schreibt das US-Außenministerium in einer E-Mail an alle US-Bürger, die derzeit in der Türkei leben.

US-Regierungspersonal in der Türkei ist es darüber hinaus verboten, in die südöstlichen Regionen Anatoliens zu reisen. Außerdem mahnte Washington US-Bürger, "sich nicht in der Nähe der syrischen Grenze aufzuhalten“.

In der Türkei sind die USA infolge des vereitelten Putsches unter heftige Kritik gekommen. Bereits 2014 hatte Ankara ein Dossier über die Aktivitäten des umstrittenen Predigers Fethullah Gülen an US-Behörden übermittelt. Dieser lebt seit 1998 im US-Bundesstaat Pennsylvania und steht nach Darstellung türkischer Regierungskreisen im Verdacht, von dort aus gezielte Aktivitäten seiner Anhänger zu steuern, die auf einen Sturz der gewählten türkischen Regierung hinausliefen.

Mehrere türkische Politiker und Journalisten hatten zudem die Vermutung geäußert, dass US-Geheimdienste der sogenannten „Fethullistischen Terrororganisation/Parallelstaatsstruktur“ (FETÖ/PDY) des Predigers bei der Vorbereitung des Putschversuches geholfen haben könnten.

Auf diese Weise hätte man einer außenpolitischen Kehrtwende des NATO-Partners entgegensteuern wollen, der unter anderem seine Beziehungen zur Russischen Föderation und zu Syrien neu ordnen wollte.

Am Montag unterstellte die große türkische Tageszeitung „Yeni Safak“ dem ehemaligen NATO-Kommandeur in Afghanistan, General John F. Campbell, er sei der führende Kopf hinter dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei gewesen. Dabei zitierte die Zeitung Quellen, die sich im nahen Umfeld der beauftragten türkischen Ermittlungsbehörden aufhalten.

Nach „Yeni Safak“ hat Campbell „Transaktionen von mehr als zwei Milliarden US-Dollar durch CIA-Verbindungen über die UBA Bank in Nigeria verwaltet. Diese sollten unter Sympathisanten für den Putsch innerhalb des türkischen Militärs verteilt werden“. Der pensionierte US-General stattete der Türkei „mindestens zwei geheime Besuche ab“ zwischen Mai und Juli dieses Jahres.

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