Syrien: Mindestens 56 tote Zivilisten nach Luftschlägen der US-geführten Koalition bei Manbidsch

Syrien: Mindestens 56 tote Zivilisten nach Luftschlägen der US-geführten Koalition bei Manbidsch
Die US-geführte Anti-IS-Koalition hat bei Luftschlägen unweit von Manbidsch, das vom „Islamischen Staat“ gehalten wird, dutzende Zivilisten getötet. Das hat die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) berichtet. Anwohner des Gebiets kommentierten jedoch, dass die Opferzahl "noch weit höher" bei mindestens 200 toten Zivilsten liege.

Mindestens 56 Zivilisten, darunter elf Kinder, wurden ihren Angaben zufolge bei den Luftangriffen auf das Tokhar-Gebiet nördlich der Stadt Manbidsch unweit der türkischen Grenze getötet. Zehn weitere Zivilisten wurden im Dorf Hamira getötet. Hamira ist ein südlicher Vorort von Manbidsch.

Soldaten der syrischen Armee in Aleppo.

Die in Großbritannien ansässige Einrichtung schätzt die Zahl der von Koalitionsluftschlägen getöteten Zivilisten seit Ende Mai auf 167. Die kurdische YPG startete zu diesem Zeitpunkt eine Bodenoffensive auf die Stadt.

„Das US-Zentralkommando hat gegenüber Al Jazeera bestätigt, dass US-Einheiten Luftangriffe in dem benannten Gebiet durchführen. Es heißt, man werde den Anschuldigungen nachgehen, ob Zivilisten unter den Verletzten oder Getöteten seien“, informierte Al Jazeera’s Washington-Reporterin Rosiland Jordan auf Anfrage.

Der Direktor der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa:

„Wir glauben, dass die Luftschläge vom Dienstag in diesem Gebiet von den USA verübt wurden, aber sie taten es irrtümlicher Weise."

Befragte Anwohner des Gebiets kommentierten, dass die Opferzahlen noch weit höher und bei mindestens 200 liegen könnten. „Es sieht so aus, als ob die von der kurdischen YPG angeführten Einheiten der ‚Demokratischen Kräfte Syriens‘ gemeinsam mit der Internationalen Koalition entschieden haben, eine Politik der verbrannten Erde zu verfolgen“, sagte Hasan el-Nifi, ein lokaler Gemeindevertreter in Manbidsch, im Gespräch mit Al Jazeera.

Ein Bericht des britischen Parlaments spricht von

„Manbidsch ist voller Zivilisten. Ein Viertel der Einwohner wird als menschliche Schilde vom IS benutzt. Gestern beschoss die Koalition die Al-Zahuna-Nachbarschaft, wo mehr als 23 Menschen starben. Daraufhin bombardierte sie den westlichen Ausgang der Stadt. Es starben sechs Menschen. Zuletzt erlebten die Anwohner von Tokhar ein grausames Massaker“, fügte der Gemeindevertreter hinzu.

In Manbidsch finden seit Wochen heftige Gefechte statt. Die USA versuchen, gemeinsam mit der YPG den IS aus dem türkischen Grenzgebiet zu vertreiben. Die Demokratischen Kräfte Syriens bestehen aus arabischen und kurdischen Kämpfern. Der kurdischen YPG kommt dabei ein klares Übergewicht an allen Fronten zu.

Die arabischen Einheiten werden zum Zwecke des Schulterschlusses mit der Lokalbevölkerung als sogenannte „Hold Force“ eingesetzt. Anfang des Monats sind die kurdischen Kämpfer erstmals in die Stadt eingedrungen. Eine Luftnahunterstützung und hunderte westliche Spezialeinheiten lassen die YPG schnell auf das Stadtzentrum vorrücken. Laut YPG-Angaben sind die Kräfte nur noch wenige hunderte Meter entfernt von wichtigen Regierungsgebäuden, die der IS besetzt hält.

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ nahm Manbidsch 2014 ein. Von dort aus expandierte die Miliz auf irakisches Territorium und rief ein „Kalifat“ aus, das jedoch ausschließlich von den eigenen Anhängern anerkannt wird.