Assad: "Westliche Politiker erzeugen Extremismus im eigenen Land"

Syriens Präsident Assad: "Europäische Staaten, die Terrorismus in Syrien billigen, handeln nicht im Interesse ihrer eigenen Völker."
Syriens Präsident Assad: "Europäische Staaten, die Terrorismus in Syrien billigen, handeln nicht im Interesse ihrer eigenen Völker."
Terrorangriffe, ein beispielloser Flüchtlingszustrom und weitere Probleme, die Europa bewältigen muss, seien das Ergebnis falscher Entscheidungen, die europäische Staats- und Regierungschefs getroffen haben, sagte der syrische Präsident Baschar al-Assad vor einer Delegation des EU-Parlaments.

Die Situation in Syrien und der gesamten Region beeinflusst natürlich Europa aufgrund der geografischen Lage und bestehender sozialer Bindungen. Die Probleme, mit denen Europa heute konfrontiert wird - Terrorismus, Extremismus und Flüchtlingswellen -, wurden dadurch verursacht, dass manche europäische Spitzenpolitiker eine Politik betreiben, die ihren Völkern nicht dient.

Dies sagte Assad einer Meldung der syrischen Nachrichtenagentur SANA zufolge vor einer Delegation des Europäischen Parlaments. An der Spitze der Delegation stand Javier Couso Permuy, der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des EU-Parlaments.

Diese Einschätzung bewahrheite sich insbesondere dann, so der syrische Präsident, "wenn diese Spitzenpolitiker Terrorgruppen in Syrien unterstützen und ihnen politische Rückendeckung gewähren."

Assad wies auch auf die Rolle hin, die dem Europaparlament bezüglich des Einflusses auf die Politik mancher Staaten zukomme, die es zugelassen oder sogar begünstigt hätten, dass sich der Terrorismus entwickeln konnte. Die Wirtschaftssanktionen gegen Damaskus schaden vor allem dem syrischen Volk, das millionenfach gezwungen war, seine Heimat zu verlassen, sagte Assad ferner.

Permuy erklärte, die parlamentarische Delegation beabsichtige, Schritte zu unternehmen, die auf eine Änderung der Rhetorik und der Politik westlicher Staaten hinauslaufen. Er rief außerdem dazu auf, die Sanktionen gegen Syrien aufzuheben, die er als "ungerecht" bezeichnete.

Gut ausgerüstet sind die sogenannten Rebellen, die gegen die Regierung von Bashar al-Assad kämpfen

Der Politiker der Europäischen Linken versprach SANA zufolge, die Europäer "über die wahre Lage in Syrien sowie darüber zu informieren, wie Menschen unter dem Terrorismus leiden".

Die europäische Delegation kam am Samstag in Damaskus an. Sie besuchte ein Flüchtlingszentrum in der Hauptstadt und traf sich mit Soldaten, die im Ahmad-Hamish-Krankenhaus behandelt werden.

Syrien versinkt seit 2011 im Chaos. Öffentliche Proteste am Rande des so genannten "Arabischen Frühlings" eskalierten damals zu einem bewaffneten Aufstand, nachdem mehrere Menschen bei der Niederschlagung von regierungsfeindlichen Protesten gestorben waren. Ausländische Mächte hatten Präsident Assad zuvor davor gewarnt, die Proteste niederzuschlagen.

Von Beginn an spekulierten Beobachter in- und außerhalb des Landes über eine mögliche Beteiligung aus dem Ausland gesteuerter Provokateure an der Eskalation. Mit Fortdauer der Kampfhandlungen strömten jedenfalls immer mehr bewaffnete Extremisten und kriminelle Banden aus dem Ausland nach Syrien ein und machten das Land zu einem der blutigsten Kampfgebiete unserer Tage.