USA entsenden weitere Truppen in den Irak

Die irakische Armee und ihre Verbündeten fassen eine zeitnahe Offensive gegen die vom IS gehaltene Stadt Mosul ins Auge.
Die irakische Armee und ihre Verbündeten fassen eine zeitnahe Offensive gegen die vom IS gehaltene Stadt Mosul ins Auge.
Zusätzliche US-Truppen sind auf dem Weg in den Irak, um die dortige Armee bei der anstehenden Offensive gegen die derzeit vom "Islamischen Staat" gehaltene Großstadt Mosul zu unterstützen. Dies hat der US-Verteidigungsminister Ash Carter am Montag bei einem Überraschungsbesuch in Bagdad bestätigt. Zudem stellte er bei Bedarf weitere Truppenentsendungen in Aussicht.

Am Samstag ist es der irakischen Armee und ihre Verbündeten gelungen, die Luftwaffenbasis Qayara freizukämpfen. Der Luftwaffenstützpunkt liegt 60 Kilometer südlich von Mosul. Kämpfer des "Islamischen Staates" hatten den Stützpunkt zuvor im Jahr 2014 eingenommen. Bereits in Kürze sollen vonseiten der USA zugesagte, zusätzliche Militäreinheiten die Einrichtung nutzen können.

Einschließlich der derzeit in das Bürgerkriegsland einrückenden Verstärkung befinden sich mittlerweile 4.650 US-amerikanische Soldaten im Irak. Sollten US-Kommandeure noch mehr Truppen anfordern, bestätigte Carter, werde er "den Präsidenten um weitere Verstärkung bitten".

Der US-Verteidigungsminister lobte die Einnahme von Qayara als "strategischen Sieg". Reportern gegenüber sagte er, der Stützpunkt soll dazu dienen, den südlichen Stadtteil von Mosul komplett abdecken zu können.

"Diese zusätzlichen US-Truppen werden der Kampagne einzigartige Möglichkeiten verleihen und einen wichtigen Faktor darstellen, um den irakischen Streitkräften zusätzliche Optionen in entscheidenden Momenten des Kampfes zu eröffnen", so Carter gegenüber US-Truppen auf dem Flughafen von Bagdad.

Das neue Truppenkontingent setzt sich aus Ingenieuren, Logistik-Personal und anderen Kräften zusammen, heißt es aus Militärkreisen. Die zusätzlichen Einheiten sollen die irakische Armee bei der Planung und Vorbereitung der Offensive auf Mosul beraten. Carter versprach zudem, "US-Militärberater" in die Reihen der irakischen Brigaden und Bataillone zu integrieren. Diese würden den Kampf gegen den IS anführen.

US-Militärberater kooperieren mit den Irakern bereits jetzt auf Brigade-Level. Offiziell begleiten US-Soldaten ihre irakischen Kollegen aber noch nicht in aktiven Operationen auf Bataillonsebene, sagte ein US-Offizieller unter Zusicherung der Anonymität gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Eine ähnliche Militärbasis hatten die USA bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen Partnern wie der Türkei in Machmur errichtet. Diese Ortschaft liegt 30 Kilometer östlich von Qayara. Die dort stationierten Einheiten unterstützten die jüngsten irakischen Fortschritte mit Artilleriefeuer. Raketenfeuer des IS tötete am Rande der Offensive einen US-Marine, Oberfeldwebel Louis Cardin, der sich auf einem Vorposten innerhalb dieser Region befand.

In den vergangenen Monaten konnte Bagdad zahlreiche Erfolge gegen die von Sunniten gebildete Terrormiliz verzeichnen. Gemeinsam mit pro-iranischen Schiiten-Milizen nahm die irakische Armee jüngst die Sunniten-Hochburg Falludscha ein. Zuvor war es Bagdad gelungen, die Stadt Ramadi zurückzuerobern.

Großoffensive auf Mosul

Der US-Verteidigungsminister verweilte insgesamt für einen Tag im Irak. Er traf sich dabei mit Premierminister Haider al-Abadi und Verteidigungsminister Khaled al-Obaidi. Auch ein Treffen mit US-Generalleutnant Sean MacFarland stand auf der Tagesordnung. MacFarland führt im Irak die US-Operationen unter dem Namen "Inherent Resolve" an.

Die Einnahme von Qayara weist auf einen zeitnah bevorstehenden Vorstoß der Armee auf Mosul hin. Kürzlich sagte al-Abadi, die Bewohner von Mosul sollten sich "auf die Befreiung vorbereiten". Zuvor hatte Bagdad die bereits mehrfach angekündigte Offensive immer wieder nach hinten verschoben. Stattdessen fokussierten die Regierungstruppen ihre Anstrengungen auf den Kampf um Falludscha, die Provinzhauptstadt von Anbar.

Falludscha wurde schließlich Ende Juni erfolgreich freigekämpft. Es sollten am Ende ganze Kolonnen von IS-Kämpfen mit Fahrzeugen aus der Stadt fliehen. Der US-amerikanischen und irakischen Luftwaffe gelang es, zahlreiche Fahrzeuge der Flüchtenden zu zerstören.

Militär-Analysten meinten indessen, in der Flucht des IS-Konvois eine Finte der Terrormiliz zu erkennen. Der Konvoi war demnach ein so verlockendes und offenes Ziel, dass die US-geführte Anti-IS-Koalition all ihre Kampfflugzeuge im Irak gegen diesen einsetzte. Dies hatte jedoch zur Folge, dass die von den USA unterstützten FSA-Rebellen der "Neuen Syrischen Armee" im syrischen Albu Kemal gleichzeitig ihrer Luftunterstützung beraubt wurden, schrieb die Washington Post. Der IS konnte deshalb eine gegen ihn gerichtete Offensive in Ostsyrien zurückschlagen. Die FSA-Gruppe musste sich zurückziehen.

Obwohl die Regierung in Washington strengsten Wert darauf legt, dass US-Truppen im Irak ausschließlich als Beratungspersonal deklariert werden, starben bislang bereits drei US-Soldaten bei Kämpfen an der Front gegen den IS. Neben Oberfeldwebel Cardin kamen bislang ein Navy SEAL, der im Mai in Erbil getötet wurde, und ein Offizier in Hawidscha, westlich von Kirkuk ums Leben. Der Offizier Joshua Wheeler starb im Oktober 2015.