IS schießt russischen Hubschrauber ab: Woher kommen die dafür nötigen Waffen und Informationen?

Wenn der IS in der Lage ist, Hubschrauber abzuschießen, muss er nicht über Waffen, sondern auch über Geheimdienstinformationen verfügen.
Wenn der IS in der Lage ist, Hubschrauber abzuschießen, muss er nicht über Waffen, sondern auch über Geheimdienstinformationen verfügen.
Am Freitag hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" einen Militärhubschrauber der russischen Armee in Syrien abgeschossen. Dabei starben zwei russische Piloten. Die Politikanalystin Catherine Shakdam gab RT anlässlich des Vorfalls ein Interview. Sie kritisiert, einige Regierungen würden in Syrien eine fragwürdige militärische und politische Agenda verfolgen, während russische Soldaten den Terror bekämpfen.

Ist dieser Angriff eine Bestätigung dafür, dass der "Islamische Staat" Waffensysteme besitzt, die den Abschuss von Flugzeugen ermöglichen? Ist das eine neue Entwicklung?

Catherine Shakdam: Definitiv. Ich glaube, die Entwicklung ist ziemlich besorgniserregend. Sie erinnert an Berichte von vor einigen Wochen, wonach der jordanische Geheimdienst US-amerikanische und saudische Waffen, die für "moderate" syrische Rebellen bestimmt waren, unterschlagen habe. Der Geheimdienst verkaufte diese weiter. Keiner weiß so genau, an wen die Systeme gingen. Eines ist klar: Die USA und Großbritannien sind da involviert. Wir hinterfragen das bereits seit Jahren. Da bleibt aber immer noch ein großes Fragezeichen mit Blick auf den IS: Was haben sie, was können sie damit anstellen und was planen sie damit?

Es gibt einen riesigen Schwarzmarkt, wenn es um den Waffenhandel geht. Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass es eigentlich keine Möglichkeit gibt, in diese Geschäfte Einblick zu bekommen. Wenn wir die "Moderaten" bewaffnen, spielen wir eigentlich Russisches Roulette. Wir wissen nicht, an wen diese Waffen wirklich gehen. Die "moderaten" Rebellen sind gar nicht so moderat, wie wir denken. Es bleibt zu hinterfragen, wem gegenüber sie wirklich loyal sind. Es gibt zu viele offene Fragen.

Ich glaube, der einzige Weg, den IS zu bekämpfen, ist der russische. Sie halten ihre offiziellen Kanäle offen, arbeiten transparent und offen. In den anderen Fällen gibt es keine Möglichkeit, etwas nachzuprüfen. Es ist wirklich eine Tragödie. Russland tut so viel, geht so weit und keiner unterstützt das Land so wirklich. Es wird noch nicht einmal der Heldenmut der beiden russischen Soldaten gewürdigt, die nicht nur ihre nationale Pflicht taten, sondern auch das syrische Volk beschützten. Es ist frustrierend, dass andere Regierungen ihre politische Agenda immer noch vor das stellen, was jetzt geboten wäre.

Ich glaube in diesem Fall, im Falle des Terrors, gibt es nur Schwarz und Weiß. Es gibt kein Grau. Entweder sind wir für die Terroristen oder gegen sie. Der einzige Weg, sie zu zerstören, ist, mit der syrischen Regierung zusammenzuarbeiten, egal, was die Menschen von Präsident Baschar al-Assad halten. Das ist gegenwärtig unwichtig. Leben stehen auf dem Spiel.

Es stimmt traurig, zu sehen wie Soldaten alles aufopfern, weil sie sich gegen den Terror stellen, während Politiker nur Lippenbekenntnisse abgeben. Es ist beschämend.

RT: Wenn man einen Hubschrauber abschießt, bedarf es in der Regel schwerer Waffen. Wie kann es möglich sein, dass Terroristen Zugang zu solchen Waffen kriegen können?

Catherine Shakdam: Es gibt immer die Möglichkeit, dass sie erbeutet wurden. Aber wenn sie erbeutet wurden, wo ist dann der Geheimdienst? Ich glaube, sowas kann nicht unwissentlich passieren. Die sogenannten moderaten Rebellen sollten auch die Gewissheit haben: 'Wir haben die Waffen verloren, jetzt müssen wir vorsichtig sein, denn der IS hat nun solche Waffen zur Verfügung'. Eine andere Möglichkeit ist, dass die der IS die Waffen mitgebracht hat oder, schlimmer, dass die moderaten Rebellen die Waffen dem IS einfach übergaben. Oder noch schlimmer, dass die Türkei sie der Gruppe gegeben hat. Wir haben eine Situation geschaffen, in der es unmöglich ist, so etwas nachzuprüfen. Regierungen lügen, wenn sie behaupten, sie wüssten, was in Syrien genau los ist. Sie wissen es nicht, weil sie Menschen helfen, auf die sie keinen Einfluss haben. Sie können nicht durchschauen, welche Allianzen die Rebellen führen. Man kann mit solchen Menschen nicht zusammenarbeiten.

Wer eine solche Tat verübt, braucht zwei Dinge: Die Waffen und ganz besonders die Informationen, dass diese zwei Hubschrauber exakt zu diesem Zeitpunkt in der Nähe von Palmyra operieren. Das ist ziemlich verstörend, weil das bedeutet, der IS hat nicht nur die Waffen, sondern auch die Informationen für die Durchführung einer solchen Tat. Daraus resultiert die Frage: „Wie kann das sein? Wie konnte so etwas zugelassen werden?

Catherine Shakdam ist eine politische Analystin und Reporterin, die sich auf den Nahen Osten und radikale Bewegungen fokussiert. Sie ist stellvertretende Direktorin des Beiruter Zentrums für nahöstliche Studien. Sie berichtete unter anderem für die Portale: Middle East Monitor, Foreign Policy Association, IslamistGate, Open Democracy und Eurasia Review.

Zum Originalinterview geht es hier.