Anführer der Attentate von Istanbul: EU verhinderte 2010 dessen Auslieferung nach Russland

Anführer der Attentate von Istanbul: EU verhinderte 2010 dessen Auslieferung nach Russland
Erste Ermittlungen zum Anschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul haben ergeben, dass der mutmaßliche führende Kopf hinter dem Anschlag ein Tschetschene namens Ahmet Tschataew ist. Vor seiner Mitgliedschaft beim „Islamischen Staat“ soll ihm Österreich Asyl gewährt haben. Dieser Status verhinderte, dass der „Terror-Mastermind“ an russische Strafverfolgungsbehörden ausgeliefert wurde, die ihn bereits seit 2003 wegen Terrorismus zur Fahndung ausgeschrieben hatten.

Den tragischen Bombenanschlag auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen, bei dem 44 Menschen starben und 230 verletzt wurden, organisierte mutmaßlich ein russischer Staatsbürger tschetschenischer Herkunft, Ahmet Tschataew. 2015 schloss dieser sich dem IS an und kämpft heute immer noch in Syrien, berichten türkische Medien unter Berufung auf Polizei-Quellen.

Tschataew stieg in den Rängen des IS auf und wurde beauftragt, Kämpfer zu trainieren, um diese dann für Angriffe auf den Westen und Russland einzusetzen. Dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zufolge stehen 130 Kämpfer unter seinem Befehl. Seine Kämpfer seien mehrheitlich „Immigranten aus dem Nordkaukasus“, berichtete die russische Zeitung Kommersant bereits Anfang des Jahres.

Bildquelle: Ruptly

Wie Ermittlungen ergaben, wird der Tschetschene seit Längerem auch von russischen Strafverfolgungsbehörden wegen terroristischer Aktivitäten gesucht. Er floh zunächst nach Europa, wo ihm Asyl gewährt wurde. Eine Auslieferung an Russland war damit unmöglich geworden.

Tschataew schloss sich im zweiten Tschetschenienkrieg zwischen 1999 und 2000 seinen "Glaubensbrüdern" im Nordkaukasus an. Der Kämpfer verlor dabei in Kämpfen seinen rechten Arm. Später war er russischen Medien zufolge der Stellvertreter von Doku Umarow in Westeuropa. Umarow war der Anführer des im Nordkaukasus aktiven, al-Qaida-nahen „Kaukasischen Emirats“. Heute wird er von seinen Gefolgsleuten auch „der Einarmige“ genannt, schrieb The Daily Mail. Seinen Asylaufenthalt bekam er gewährt, weil er in Österreich angab, sein Arm wäre ihm im russischen Gefängnis abgeschlagen worden.

Der mutmaßliche Kopf hinter dem Anschlag in Istanbul steht in Russland seit 2003 auf der Fahndungsliste. Im gleichen Jahr erhielt er einen Flüchtlingsstatus in Österreich. Demnach unterstützt er seit Jahren den Terrorismus und bildet Kämpfer aus.

2008 haben ihn schwedische Behörden gemeinsam mit anderen Tschetschenen in der Stadt Trelleborg festgenommen. Die Polizei fand in seinem Auto Kalaschnikow-Sturmgewehre, Bomben und Munition. Er verbrachte mehr als ein Jahr in einem schwedischen Gefängnis.

2010 wurde Tschataew in der Ukraine festgesetzt. Die Sicherheitsbehörden entdeckten brisantes Videomaterial auf seinem Handy, das Techniken für terroristische Aktivitäten dokumentiert, heißt es. Russland erbat seine Auslieferung. Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte drängte Kiew, davon Abstand zu nehmen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International blies ins gleiche Horn. Sie warnte, Tschataew „könnte vor einem unfairen Verfahren stehen und gefoltert werden“.

Zwischen 2012 und 2015 lebte Tschataew in Georgien. Auch dort schloss er sich einer radikalen Gruppe an, die Kämpfer lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Es starben drei Polizisten und elf Kämpfer seiner Miliz. Tiflis verhängte über ihn eine Haftstrafe, der er jedoch durch Flucht entging. Im Februar 2015 setzte sich Tschataew von Georgien nach Syrien ab. Er schloss sich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ an. Der Tschetschene nahm schnell eine führende Position in der Hierarchie der Organisation ein. Im Oktober 2015 setzte ihn das US-Justizministerium auf die Terrorliste.

Türkische Beamte glauben, dass die drei Attentäter vom Atatürk-Flughafen ebenfalls aus Russland, Usbekistan und Kirgisistan kamen. Sie reisten aus der IS-Hauptstadt Rakka in Syrien unbemerkt vor rund einem Monat in die Türkei ein. Sie brachten Selbstmordwesten und Bomben mit.