Israelische Streitkräfte erschießen „versehentlich“ 15-Jährigen nach Schwimmbadbesuch

Symbolbild - IDF-Soldaten im besetzten Hebron, Westbank.
Symbolbild - IDF-Soldaten im besetzten Hebron, Westbank.
Israelische Soldaten haben im Westjordanland einen 15-jährigen Palästinenser „aus Versehen“ getötet und vier weitere verwundet. Der Vorfall ereignete sich, als die IDF angeblich versuchte, jugendliche Randalierer davon abzuhalten, auf einer belebten Straße Steine auf israelische Fahrzeuge zu werfen. Im Verlauf der letzten neun Monate töteten die israelischen Streitkräfte mindestens 197 Palästinenser.

Der Teenager wurde erschossen, als eine israelische Militärpatrouille das Feuer auf das Fahrzeug eröffnete, in dem er unterwegs war. Das schilderte der Leiter des Dorfrates von Beit Ur al-Tahta, Abdul Karim Kassem, der Agentur Reuters. Das palästinensische Gesundheitsministerium identifizierte ihn als Mahmoud Badran.
Ahmed Shami, ein Cousin des getöteten Teenagers, berichtete, dass sich der Vorfall ereignete, als die Gruppe von Freunden „von einem Schwimmbadbesuch in einem benachbarten Dorf zurückkehrten“.

Er führte weiter aus:

„Es ist Sommer und es ist Ramadan, die Menschen verlassen das Dorf, um das Schwimmbad in Beit Sira zu besuchen. Sie waren zwischen 01:15 Uhr bis 01:30 Uhr nachts auf dem Heimweg, als plötzlich israelische Truppen das Feuer auf ihr Auto eröffneten. Niemand forderte sie auf anzuhalten oder fragte sie nach ihren Ausweisen. Die Familie wartet jetzt darauf, dass die Israelis seine Leiche freigeben.“

Die israelische Armee gab an, dass sich der Zwischenfall zutrug, als palästinensische Jugendliche Molotowcocktails und Steine auf israelische Fahrzeuge warfen. Berichten zufolge wurden mehr als zehn Fahrzeuge, die auf der Route 443 nach Jerusalem unterwegs waren, beschädigt. Ermittlungen zum Tod des Jugendlichen seien eingeleitet worden.

„Soldaten, die in der Nähe waren, griffen ein, um weitere Zivilisten davor zu bewahren, verletzt zu werden und um die Verdächtigen zu verfolgen. Der ersten Anfrage nach scheint es, dass unbeteiligte Dritte fälschlicherweise während dieser Verfolgung getroffen wurden“, gaben die IDF in einer Erklärung an.

Der zurückgetretene Verteidigungsminister  Moshe Yaalon (r.) neben seinem Nachfolger Avigdor Lieberman.

Der Agentur Ma'an News teilte die israelische Armee mit, dass sie zwei palästinensische Verdächtige festgenommen haben, die jetzt vernommen werden.
Das palästinensische Gesundheitsministerium teilte mit, dass die Jugendlichen schwere Verletzungen an Kopf und Brust erlitten. Drei von ihnen sind zur Behandlung nach Ramallah in den Palästina Medical Complex gebracht worden. Das vierte Opfer wurde in ein Krankenhaus in Jerusalem transportiert. Bei den vier Verletzten handelt es sich um zwei Brüder des getöteten Mahmoud, Amir und Hadi im Alter von 16 und 17 Jahren sowie um zwei weitere 16-Jährige, Daoud Abu Hassan und Majd Badran.

Der Sprecher der israelischen Armee fügte hinzu, dass drei israelische Zivilisten bei dem Vorfall leicht verletzt worden seien. Israelische Medien berichteten, dass auch zwei Ausländer leichte Verletzungen erlitten hätten. Die Palästinensische Befreiungsorganisation verurteilte den Tod des Jugendlichen und sprach im Zusammenhang mit dem Vorfall von einer „brutalen Attacke“.

„Der kaltblütige Mordung bestätigt nochmals unseren Aufruf an den UN-Sonderberichterstatter für außergerichtliche, summarische oder willkürliche Hinrichtungen, eine sofortige und umfassende Untersuchung der israelischen außergerichtlichen Tötungen von Palästinensern einzuleiten - insbesondere für Kinder“, teilte die PLO in einer Erklärung mit.

In den vergangenen neun Monaten töteten die israelischen Streitkräfte mindestens 197 Palästinenser, von denen sie 134 als Terroristen bezeichneten. Andere kamen während Auseinandersetzungen und Protesten zu Tode, denen auch 32 Israelis und zwei US-Bürger zum Opfer fielen.