Syrien: Dschihadisten setzen, unterstützt von Türkei und Saudi-Arabien, Offensive fort

Bildquelle: Al-Nusra-Front
Bildquelle: Al-Nusra-Front
Rund 100 schwerbewaffnete Kämpfer der al-Nusra-Front sollen in das türkisch-syrische Grenzgebiet in der Küstenprovinz Latakia eingedrungen sein. Vom Dorf Kbana aus haben sie Regierungspositionen angegriffen, berichtet das russische Zentrum für Aussöhnung. Gleichzeitig läuft eine Offensive von „Dschaisch il-Fatah“ in Aleppo. Teile der Dschihadisten sind mit US-amerikanischen Panzerabwehrlenkwaffen ausgerüstet, die Saudi-Arabien den Rebellen via Türkei zur Verfügung stellt.

Die Kämpfer des syrischen al-Qaida-Ablegers sollen Stellungen Assad-treuer Kämpfer in den Küstendörfern Rascha, Ikko und Bascharfa bombardiert haben. Darüber hinaus seien Dörfer in den Provinzen Damaskus und Hama ins Visier gekommen.

Andernorts in Aleppo nahmen Rebellen mit Artillerie und Mörsern den Flughafen al-Nayrab unter Beschuss, teilte das Moskauer Verteidigungsministerium in einer amtlichen Mitteilung mit.

Am ungünstigsten stellt sich derweil die Lage der pro-iranischen Schiiten-Milizen in Süd-Aleppo dar. Dort hat offenbar das von Ahrar al-Scham angeführte Rebellenbündnis „Dschaisch il-Fatah“, dem auch die al-Nusra-Front angehört, beinahe alle in den vergangenen Monaten verlorenen Gebiete wieder zurückerobert.

In folgendem Video wird gezeigt, wie angeblich al-Nusra-Kämpfer eine Gruppe von pro-iranischen Schiiten-Kämpfern im Dorf Marrata in Süd-Aleppo gefangen nehmen:

Erst am 15. Juni behaupteten oppositionelle Quellen, die Städte Zeytan und Chalsah erobert zu haben. Anderen Berichten zufolge sollen noch heftige Kämpfe in Chalsah stattfinden. Insbesondere die al-Nusra-Front soll in die Kämpfe verwickelt gewesen sein. Der Pressedienst der al-Nusra-Front gab an, 75 Prozent der Stadt zu kontrollieren.

Die syrische al-Qaida brach demnach die Verteidigungslinie der Schiiten-Milizen mittels mehrerer Autobomben auf, so Syrien-Experten. In Süd-Aleppo unterstützen außerdem zwei Brigaden der Freien Syrischen Armee „Dschaisch il-Fatah“. Diese sind mit US-amerikanischen Panzerabwehrlenkwaffen ausgerüstet, die Saudi-Arabien den Rebellen über die Türkei zur Verfügung stellt.

Sollte der Trend in Süd-Aleppo anhalten, werden al-Assad-treue Truppen in der wichtigen Stadt el-Hadher exponiert den feindlichen Kämpfern ausgesetzt.

In der Stadt Aleppo versuchen Regierungstruppen und die russische Luftwaffe, die Versorgungsrouten der Rebellen zu kappen. Artillerieschläge aus dem Kurden-Bezirk Scheich Maksud und Luftschläge unterbrechen unterdessen die Castillo-Straße. Sie bringen die in Aleppo kämpfenden Anti-Assad-Kämpfer immer wieder in Bedrängnis. Im Einflusssektor der selbsternannten Rebellen sollen immer noch bis zu 350.000 Zivilisten leben.

„Das Regime konnte die Straße nicht am Boden abschneiden. Deshalb entschied es sich, die Kampfflugzeuge kontinuierlich in der Luft zu halten und alles zu treffen, was da durch geht“, behauptete Zakaria Malahifdschi, ein Vertreter der Rebellengruppe Fastaqim, gegenüber Reuters und betonte:

„Wer auch immer die Castillo-Straße benutzt, begibt sich auf eine Selbstmordmission.“

In Aleppo lebten vor Beginn des Bürgerkrieges 2011 mehr als zwei Millionen Menschen. Die Stadt war das wirtschaftliche Herz des Landes und gilt als zentrale Trumpfkarte im Kampf um den Ausgang des Kriegs.

Unterdessen berichtet das russische Aussöhnungszentrum in Latakia, dass der Waffenstillstand „in den meisten Provinzen der Arabischen Republik Syrien eingehalten wird“. Das Zentrum dokumentierte lediglich fünf Waffenstillstandsverletzungen in den vergangenen 24 Stunden. Die Organisation Dschaisch il-Islam beschoss demnach die syrische Armee in den Dörfern el-Sachiya, Dschaubar, Harasta el-Basal und Arbil in der Damaszener Provinz.

Nochmals betonte das russische Verteidigungsministerium, dass die russische und die syrische Luftwaffe keine Luftangriffe gegen oppositionelle Gruppen durchführen würden, die das russische oder das US-amerikanische Aussöhnungszentrum über ihren Aufenthaltsort und die Einhaltung des Waffenstillstands informieren.

Die Zahl der bewaffneten Oppositionsgruppen, die Teil des Waffenstillstands sind, ist stabil bei 60 geblieben. Zwei Siedlungen haben sich in der Zwischenzeit zusätzlich dem Waffenstillstand angeschlossen. Damit schloss Damaskus insgesamt 148 Aussöhnungsvereinbarungen ab, rechnete das russische Verteidigungsministerium vor. Außerdem wurde eine explizite Waffenruhe für die Stadt Darayya in der Damaskus-Provinz ausgerufen. Diese sollte bis zum 15. Juni aufrecht gehalten werden.

Die russischen Streitkräfte setzen auch ihre humanitären Hilfslieferungen an die syrische Bevölkerung fort. 35 schwere LKWs haben zusammen mit Spezialisten des Russischen Versöhnungszentrum aus UN-Beständen stammende humanitäre Fracht in die Region al-Dar al-Kabirah in der Provinz Homs geliefert. Russische Flugzeuge haben zusätzlich 18,3 Tonnen Nahrungsmittel und Getreide aus UN-Beständen über der Stadt Deir ez-Zor abgeworfen, die derzeit von IS-Terroristen belagert wird.