Für oder gegen Al-Kaida? Pentagon und CIA zerstritten über strategisches Vorgehen in Syrien

Für oder gegen Al-Kaida? Pentagon und CIA zerstritten über strategisches Vorgehen in Syrien
Das Pentagon scheint keine Motivation verspürt, die unter Druck geratenen Rebellen in der Stadt Aleppo zu unterstützen. Diese sind ohnehin mit Jabhat al-Nusra, dem syrischen Ableger von Al-Kaida, verbunden. In der CIA argumentiert man, dass "nicht nach Ideologie entschieden werden sollte", sondern angesichts "massiver russischer Offensiven und Allianzen auf dem Schlachtfeld nach taktischer Opportunität".

Nachdem massive russische Luftschläge den teilweise von den USA und ihren Verbündeten unterstützten Rebellen in Aleppo dramatische Verluste zugefügt hatten, rechnen einige Beobachter damit, dass die Rebellen in nur wenigen Wochen komplett aus Aleppo vertrieben werden. Die Regierungstruppen könnten die Stadt wieder vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Das wäre ein entscheidender Erfolg für Präsident Bashar al-Assad.

Die Online-Plattform The Daily Beast zitiert Quellen aus dem Verteidigungsministerium, die geäußert haben, dass die USA keine Motivation verspürten, die unter Druck geratenen Rebellen in der Stadt Aleppo zu unterstützen, da diese ohnehin mit Jabhat al-Nusra, dem syrischen Ableger von Al-Qaida, verbunden seien.

Die CIA hingegen weist diese Darstellung zurück und erklärt, dass im Angesicht massiver russischer Offensiven Allianzen auf dem Schlachtfeld nach taktischer Opportunität und nicht nach Ideologie geschlossen würden.

„Es ist eigenartig, dass auf den Fluren des Verteidigungsministeriums Dinge geraunt werden, die an russische Propaganda erinnern“, zitiert The Daily Beast einen US-Offiziellen aus Geheimdienstkreisen, der die Position vertritt, das Pentagon würde klar zwischen der Opposition und Al-Nusra unterscheiden.

Auch abseits von dieser Frage scheint es zwischen den unterschiedlichen US-Diensten gewisse Unterschiede in strategischen Fragen zu geben. So macht das Pentagon deutlich, dass der Kampf gegen den syrischen Präsidenten Assad das Hauptaugenmerk der Rebellen sei. Das Ziel der US-amerikanischen Militärpräsenz in Syrien hingegen sei und bleibe primär der Sieg über die Terrormiliz IS.

„Wir haben in Aleppo keinen Auftrag“, erklärte ein Beamter aus dem Verteidigungsministerium. „Die Kräfte, die wir unterstützen, bekämpfen ISIS.“

In der CIA, die sich gegenüber den Rebellen in Aleppo konzilianter zeigt, meint man hingegen, der IS könne nicht effizient bekämpft werden, solange Assad noch an der Macht sei. Syrien sei ein Failed State, Assad habe über weite Landstriche keine Kontrolle mehr und in diesen Bereichen könne sich der IS frei bewegen. Nur lokale Kräfte – wie jene, die von der CIA unterstützt werden – seien noch in der Lage, dort "effektiv die Terrormiliz in die Schranken zu weisen".

„Die Lage der Opposition ist resilient, gemessen an der Härte und Entschlossenheit der Angriffe vonseiten russischer und syrischer Einheiten“, äußerte ein Geheimdienstanalyst gegenüber Daily Beast.

„Der Sieg über Assad ist eine notwendige Vorbedingung für einen endgültigen Sieg über den IS. Solange ein gescheiterter Führer in Damaskus und ein gescheiterter Staat in Syrien existieren, hat ISIS eine Operationsbasis. Man kann ISIS nicht innerhalb eines Failed States besiegen.“