Israel: Polizist außer Dienst verprügelt arabisch aussehenden Supermarkt-Mitarbeiter

Israel: Polizist außer Dienst  verprügelt arabisch aussehenden Supermarkt-Mitarbeiter
Umstrittenes Videomaterial einer Überwachungskamera zeigt, wie sich ein vermeintlich israelischer Polizist in Zivilkleidung neben einem Supermarkt in Tel Aviv auf einen arabischen Israeli stürzt. Augenzeugen berichteten, dass der Mann brutal verprügelt und festgenommen wurde, nachdem er sich weigerte, einem Polizisten, der nicht im Dienst war, seinen Ausweis zu zeigen.

Der Vorfall, der sich vor einem arabischen Supermarkt auf der Ibn Gvirol Straße im Zentrum von Tel Aviv am Sonntagnachmittag zugetragen hat, wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet und zuerst von lokalen israelischen Medien, unter anderem Walla!News, veröffentlicht.

Ein Mitarbeiter mit arabischem Aussehen verließ das Geschäft, um Abfall in den Mülleimer zu werfen, als er von einem Polizisten, der Shorts trug und nicht im Dienst war, angesprochen wurde. Dieser forderte den Mann auf, sich auszuweisen. Der Supermarkt Mitarbeiter weigerte sich jedoch, dieser Aufforderung nachzukommen.
Der Polizist in Zivil hätte daraufhin gesagt, dass er ein Mitglied der Grenzpolizei sei, und hätte mit Hilfe eines Begleiters ohne weiteren Vorwand angefangen auf den unbewaffneten Mann einzuschlagen, berichtete Augenzeuge Erez Krispin in einem Facebook-Post, der sich viral verbreitete.

Der arabische Mitarbeiter soll nicht in der Lage gewesen sein, der Aufforderung nachzukommen, da sich sein Ausweis im Laden befand. Er hätte auch nicht ahnen können, dass der Mann, der ihm nach seinem Ausweis fragte, ein Polizist sei.


„Die Schläge waren mörderisch, sowohl von dem Mann als auch von einem seiner Freunde. So etwas habe ich noch nie gesehen. Zähne flogen durch die Luft. Der Araber wurde in Stücke gerissen“, so zitierte die Haaretz Krispin.

Die Angreifer haben angeblich Unterstützung angefordert, woraufhin sich schnell eine Gruppe der Grenzpolizei an der Auseinandersetzung beteiligte.
Als eine ältere Frau angeblich versuchte, dazwischen zu gehen und die Beamten fragte, warum sie den Mann schlugen, beleidigte sie angeblich einer der Angreifer und drohte ihr, sie „auch fertig zu machen“ , wenn sie sich „nicht von hier ver*****.“

Nach der Auseinandersetzung wurde das Opfer, trotz der schweren Verletzungen, die es erlitten hatte, angeblich in einen Polizeiwagen verbracht.
„Ich weiß wirklich nicht, ob der Araber noch lebt. Sie verfrachteten ihn in einen Polizeiwagen, statt in einen Krankenwagen, und verschwanden“, schrieb Krispin.
Der Besitzer des Geschäfts „Kobi Cohen“ sagte WallaNews!, dass das Opfer ein israelischer Staatsbürger beduinischer Herkunft aus der Stadt Negev im Süden Israels sei.

„Er wurde nur geschlagen, weil er ein Muslim ist. Das einzige Verbrechen, dass er begangen hat, war kein Jude zu sein“, so zitierte die Haaretz den Ladenbesitzer Cohen.

Im Gespräch mit der Zeitung, sagte der Vater des Angegriffenen, Ahmad Abu Alqian, er erwäge eine Beschwerde gegen die Beamten und hätte die Polizei dazu aufgefordert, die Verantwortlichen für den Angriff, mit Hilfe der Aufnahmen als Beweismittel, zu bestrafen.

„Sie sollten es [das Video] selbst untersuchen und dafür sorgen, dass diese Polizisten und Schläger, die ihn angegriffen haben, dafür bezahlen“, sagte er.
„Ihn brutal anzugreifen, und das durch die Polizei, sagt alles über die derzeitige Atmosphäre in Israel aus. Dafür danke ich dem Premierminister und dem Minister für öffentliche Sicherheit,“ sagte der Vater sarkastisch.
Der Vater des Opfers sagte, dass sein Sohn in dem Supermarkt arbeitete, um Geld für seine Ausbildung zu sparen. „Die gesamte Nachbarschaft kennt ihn und weiß, dass er ein guter Kerl ist, der keinen Streit sucht“, beteuerte er.
Der Angriff hat eine neue Diskussionswelle über eine scheinbare Hass-Atmosphäre in der israelischen Gesellschaft ausgelöst.
Die Polizei gab eine Erklärung ab, in der sie die Forderungen Krispins leugnet und dem Supermarkt Mitarbeiter einen tätlichen Angriff gegen die Beamten bezichtigt.

Bewaffneter jüdischer Siedler im besetzten Westjordanland, Nablus-Region.

„Auf der Grundlage einer ersten Untersuchung scheint es, dass die Grenzpolizei einen jungen Mann erkannt hat, der verdächtig erschien, und ihn bat, sich zu identifizieren. Der Verdächtige weigerte sich, sich auszuweisen und griff die Polizisten an, er hat auch einen von ihnen gebissen“, sagte der Sprecher der israelischen Polizei Micky Rosenfeld gegenüber der Nachrichten-Website +972.

Zwei Polizisten wurden Berichten zufolge „aufgrund der Intensität der Gewalt gegen sie“ in ein nahe gelegenes Krankenhaus gefahren, sagte Rosenfeld. Er gab weiter an, dass die Polizei, gemäß der Vorschriften über „Gewaltanwendung im Dienst“, eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet hat.

„Die israelische Polizei wird weiterhin entschieden gegen jedermann vorgehen, der das Leben von Israelis bedroht“, betonte er.

Arabisch-israelische Abgeordnete zeigten sich über den Vorfall empört. Parlamentsmitglied Boris Khenin von der Vereinigten Arabischen Liste, einer politischen Allianz arabischer Parteien im israelischen Parlament, beantragt mit dem Minister für öffentliche Sicherheit eine Untersuchung des Vorfalls.

„So wie es aussieht, scheint es sich um ein lynchen am helllichten Tag zu handeln, ein Angriff der Polizei auf einen unschuldigen Bürger, nur weil er Araber ist“, sagte er der Haaretz zufolge. Weiter suchte er die Schuld für den Angriff in der Politik gegen die arabische Bevölkerung des Premierministers Benjamin Netanjahu.

Der arabisch-israelische Rechtsanwalt und Politiker Ayman Odeh sagte gegenüber der Zeitung:

„Mitten am Tag in Tel Aviv, so behandelt die Polizei arabische Bürger, mit Rassismus und Gewalt. Anstatt den Bürgern zu dienen und sich um die Sicherheit der Bürger zu kümmern, ist es die Polizei selbst, die eine echte Bedrohung für unsere Sicherheit darstellt“, sagte er der Haaretz.