Syrien: Extremistische al-Nusra Front plant Großoffensive in Aleppo-Provinz mit 6000 Kämpfern

Kämpfer der al-Nusra-Front in Syrien.
Kämpfer der al-Nusra-Front in Syrien.
Die al-Nusra-Front hat 6.000 Kämpfer in Vorbereitung einer Großoffensive in der syrischen Provinz Aleppo zusammengezogen. Wie das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt hat, brechen die Extremisten fortwährend den von den USA und Russland ausgehandelten Waffenstillstand in Syrien und haben diesen genutzt, um sich umfangreich mit Munitions- und Waffennachschub zu versorgen.

Der Vorsitzende des Russischen Zentrums für Aussöhnung in Syrien, Sergej Kuralenko, gab in einer Stellungnahme am Montag an, dass „die Eskalation in einigen syrischen Regionen [...] auf die Führer der al-Nusra-Front und verbündete Fraktionen zurückzuführen“ sei, die „den Friedensprozess entgleisen lassen wollen“.

Der russische Offizier fügte hinzu:

„In der Region Aleppo bauen die al-Nusra-Führer einen Angriffstrupp von einer Kampfstärke auf, die mehr als 6.000 Mann umfasst. Ziel ist es, die Regierungstruppen in der Stadt mit einem Schlag aus dem Osten zu blockieren, während sie im Norden den Zugang zur Stadt Nubl abzuschneiden suchen.“

Am 27. Februar wurde ein Waffenstillstand im syrischen Bürgerkrieg etabliert. Dieser gilt nicht für die Terrorgruppen „Islamischer Staat“ und den syrischen al-Qaida-Ableger, die al-Nusra-Front. Dem russischen Mediationszentrum zufolge greift die al-Nusra-Front fortwährend Positionen von al-Assad-treuen Kämpfern in Aleppo mit Raketenwerfern und Mörsern an.

Neben Aleppo intensivierten Rebellen und die al-Nusra-Front ihre Bemühungen gegen al-Assad-Kräfte in den Provinzen Latakia und Hama. Auf der anderen Seite reagierten Regierungstruppen auf den internen Zwist der Rebellen unter Dschaisch il-Islam in Ost-Ghouta, um vor den Toren von Damaskus neue Gebiete einzunehmen.

Kuralenko bemerkte:

„Die terroristischen Kämpfer haben die Zeit genutzt, um den Munitions- und Waffennachschub zu organisieren und in die Offensive zu gehen.“

Das russische Aussöhnungszentrum schlug am Dienstag in den Rebellenhochburgen Ost-Ghouta und Darayya, die beide vor Damaskus liegen, die Einführung eines 72-stündigen Waffenstillstands vor. Zur gleichen Zeit rief Moskau die US-Regierung auf, ihren Einfluss auf FSA-Gruppen in der Region geltend zu machen, die mit al-Nusra und Dschaisch il-Islam kooperieren. Sie sollen sich dem Waffenstillstand anschließen und die Region verlassen. Moskau betonte, es werde die Region mit Bombern ins Visier nehmen.

Am Sonntag gab die Freie Syrische Armee eine Erklärung heraus, wonach sie drohte, sich nicht mehr an das Waffenstillstandsabkommen zu halten, sollte sich die syrische Armee nicht innerhalb von 48 Stunden vom Damaszener Stadtrand zurückziehen. Die Erklärung wurde von fast 30 Rebellengruppen unterzeichnet.

„Wir betrachten die Presseerklärung von Führern der Oppositionsgruppen am 22. Mai als Versuch, die Verantwortung für die Verletzung des Waffenstillstands auf die Regierungstruppen abzuwälzen“, kommentierte Kuralenko das Ansinnen der FSA.

Am Montag haben der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-amerikanischer Amtskollege John Kerry unterdessen die Möglichkeit diskutiert, den Kampf gegen terroristische Gruppen in Syrien gemeinsam zu koordinieren. Dies teilte das russische Außenministerium mit. Die USA lehnten die Vereinigung von Kräften gegen terroristische Elemente über dem Himmel von Syrien jedoch ab.

Die Lage in Syrien droht indessen in eine neue Eskalationsstufe abzugleiten, da die Terrormiliz „Islamischer Staat“ am Montag sieben Bombenangriffe in den alawitisch geprägten Küstenregionen durchführte. Die Angriffe fanden in den Städten Dschableh und Tartus statt. Die Detonationsorte lagen unweit zwei russischer Militäreinrichtungen: dem Luftwaffenstützpunkt Khmenmim und dem Marinestützpunkt Tartus.

Der Anstieg von Auseinandersetzungen in Syrien folgt besorgten Warnungen des UN-Sonderbeauftragten Staffen de Mistura vom Freitag. Mistura erklärte, dass die nächste Runde der Friedensgespräche im Juni „hinterfragt werden müssen“, wenn der Waffenstillstand ausgesetzt wäre. Die Verhandlungen in Genf fuhren sich im April fest, nachdem sich ein von Saudi-Arabien unterstützter Oppositionsarm aus den Verhandlungen zurückgezogen hatte. Die Gruppe nahm eine Offensive der al-Assad-Regierung auf Aleppo hierfür zum Vorwand.