Obama brüskiert Islamabad: US-Drohnen töten von Pakistans Geheimdienst überwachten Taliban-Führer

Obama brüskiert Islamabad: US-Drohnen töten von Pakistans Geheimdienst überwachten Taliban-Führer
Pakistan hat den US-Drohnenangriff auf einen Taliban-Führer auf seinem Staatsgebiet scharf kritisiert. Das Außenministerium hat Washingtons Drohnen-Angriff eine „Verletzung seiner Souveränität“ genannt. Die Regierung wurde eigenen Angaben zufolge über die Operation erst informiert, als diese bereits ausgeführt worden war.

„Pakistan wünscht nochmals Stellung zu nehmen, dass der Drohnenangriff eine Verletzung seiner Souveränität war. Das ist ein Thema, das bereits in der Vergangenheit mit den Vereinigten Staaten thematisiert wurde“, gab das Ministerium in einer amtlichen Mitteilung am Sonntag an.

Die USA haben den Emir der afghanischen Taliban, Mullah Mansour, bei einem Drohnenschlag im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet am Samstag ins Visier genommen. Pakistan stellt die US-amerikanische Darstellungen nicht in Frage, wonach Mansour getötet wurde. Ein Regierungssprecher merkte jedoch an, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien.

Während das Pentagon keine Angaben über den Ort des Angriffs auf Mansour machte, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters von einem US-Drohnenangriff um sechs Uhr am Morgen in der Stadt Ahmad Wal, Provinz Belutschistan.

Islamabad sagte, die USA hätten den Premierminister und Generalstabschef des Landes erst nach Abschluss des Angriffs informiert. US-Außenminister John Kerry behauptete zuvor, dass der pakistanische Premier Nawaz Scharif über einen Telefonanruf informiert worden wäre. Er lehnte es jedoch ab, die genauen Zeitverhältnisse zu skizzieren.

Behauptend, dass Mansour „eine unmittelbare Gefahr“ für das US-amerikanische und afghanische Volk darstellte, informierte Kerry, dass die Operation von Samstag eine „angemessene Antwort“ gewesen wäre. Demnach waren laut US-Offiziellen zahlreiche Drohnensysteme in den Schlag involviert, den der US-Präsident Barack Obama persönlich abgesegnet habe.

Ein namentlich nicht genannter lokaler Regierungsbeamter aus Belutschistan sagte gegenüber Reuters:

„Zahlreiche US-Drohnen griffen die Männer an, als diese der Grenze Pakistan-Afghanistan südwestlich der Stadt Ahmad Wal entlangfuhren.“

Laut dem Analyse-Portal „Long War Journal“ kommt der Drohnenangriff in Belutschistan unerwartet und könne einen Wandel der US-Politik gegenüber den Taliban markieren. Dies ist der erste US-Drohnenangriff in der Provinz Belutschistan, in welcher die Taliban-Führung eines ihrer Quartiere etablierte. Die restlichen 391 Drohnen- und Luftangriffe, die die USA in den letzten Jahren in Pakistan durchgeführt hatten, wurden hauptsächlich gegen tribale Strukturen der Provinz Khyber Pakhtunkhwa gestartet. Diese Angriffe wurden den Sicherheitsanalysten zufolge mit dem heimlichen Segen von Islamabad ausgeführt.

Es wird allerdings weithin davon ausgegangen, dass insbesondere Mansour unter dem wachsamen Auge und Schutz des militärischen Nachrichtendienstes der Streitkräfte Pakistans, der Inter-Services Intelligence, agierte.

Pakistan beschuldigt die USA, sich regelmäßig in den Friedensprozess im benachbarten Afghanistan einzumischen. Der Taliban-Führer wurde inmitten laufender internationaler Anstrengungen getötet, die radikalislamische Miliz an den Verhandlungstisch zu bringen, um einen anhaltenden Frieden in Afghanistan auszuhandeln. „Eine politisch verhandelte Beilegung war die einzige lebensfähige Lösung für einen anhaltenden Frieden in Afghanistan“, sagte das Außenministerium von Pakistan.

Die letzte Gesprächsrunde, an denen Diplomaten aus Pakistan, Afghanistan, den USA und China partizipierten, fand in Islamabad nur Tage vor dem Drohnenangriff auf Mansour statt. Mansour übernahm die Führungsposition bei den Taliban, nachdem der Tod ihres Gründers, Mullah Muhammed Omar, vergangenes Jahr bekanntgegeben worden war.

Washington führt seit Jahren Drohnenangriffe gegen verschiedene militante Gruppierungen im Nahen Osten durch, was regelmäßig zur scharfer Kritik vonseiten der betroffenen Regierungen führt.

Pakistanische Politiker haben sich zuvor vehement gegen den US-amerikanischen Drohnenkrieg gestellt, der immer wieder zum Tod von Terroristen, aber auch zahlreicher Zivilisten führt. Im Interview mit RT warnte der prominente pakistanische Politiker Imran Khan, solche Operationen unterminierten nicht nur den Frieden in Afghanistan, sondern bedrohten außerdem die Sicherheitslage in Pakistan. Um ihren Unmut gegen die US-Politik kundzutun, versammelten sich in der Vergangenheit Menschen in Pakistan zu Massenkundgebungen von bis zu 200.000 Menschen.

Laut einem Bericht des in London ansässigen "Büros für Investigativen Journalismus" hat der US-amerikanische Geheimdienst in Drohnenangriffen nahezu 2.400 Menschen alleine in Pakistan getötet. Davon waren lediglich 84 als Mitglieder von Terrorgruppen gelistet. US-Präsident Obama räumte im April ein, dass unschuldige Zivilisten bei US-Drohnenangriffen getötet worden seien, die in fast allen Krisenherden der Welt durchgeführt würden.