Türkei: Staatsanwaltschaft lässt mutmaßlichen Mörder des SU-24-Piloten frei

Türkei: Staatsanwaltschaft lässt mutmaßlichen Mörder des SU-24-Piloten frei
Für einen aus der Türkei stammenden Rechtsextremisten, der nach eigener Darstellung an der Tötung des russischen Kampfpiloten am 24. November 2015 in Syrien beteiligt war, wird es in der Türkei keinen Prozess wegen Kriegsverbrechen geben. Laut Auskunft des zuständigen Staatsanwalts in Izmir, seien alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe fallengelassen worden.

Ein Staatsanwalt in İzmir soll, wie türkische Medien unter Berufung auf anonyme Quellen berichten, am Montag den am 31. März festgenommenen Alparslan Çelik freigelassen und alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe fallengelassen haben.

Dem Angehörigen der „Grauen Wölfe“ war ursprünglich zur Last gelegt worden, in die Ermordung eines der beiden russischen SU-24-Piloten involviert gewesen zu sein, die nach dem Abschuss ihrer Maschine durch die türkische Luftwaffe mit einem Fallschirm über syrischem Territorium abgesprungen waren.

Die Türkei hatte nach eigener Darstellung die Maschine abgeschossen, nachdem diese angeblich den türkischen Luftraum verletzt und auf Kontaktaufnahmen nicht reagiert haben soll. Die Russische Föderation streitet diese Darstellung ab und wirft der Türkei vor, die Piloten in einen Hinterhalt gelockt zu haben, um sie am Vorgehen gegen von Ankara unterstützte Terroristen und den Ölschmuggel aus den IS-Gebieten zu hindern.

Çelik hatte zusammen mit weiteren türkischen Rechtsextremisten zu jener Zeit die Reihen sunnitischer Rebellen verstärkt, die von der Türkei als turkmenische Territorialverteidiger dargestellt werden, aus russischer Sicht jedoch Teil einer vom Ausland dirigierten dschihadistischen Offensive zur Destabilisierung Syriens und zum Sturz des Präsidenten Bashar al-Assad seien.

Die Vorwürfe gegen den 37 Tage lang in Untersuchungshaft gehaltenen Alparslan Çelik seien fallengelassen worden, berichten anonyme Quellen, die angesichts der geltenden Nachrichtensperre nicht namentlich genannt werden wollen, weil dieser nicht auf den Piloten geschossen habe. Vielmehr habe die Auswertung des Videomaterials ergeben, dass Çelik die anderen Kämpfer dazu aufgefordert haben soll, nicht auf den mit dem Fallschirm abspringenden Piloten zu schießen. Daraufhin soll der Staatsanwalt das Verfahren eingestellt haben.

Das Feuer auf einen unbewaffneten oder mit dem Fallschirm abspringenden Piloten zu eröffnen, stellt nach der Genfer Konvention ein Kriegsverbrechen dar. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mehrere Angehörige deutscher bewaffneter Verbände auf Grund dieses Vorwurfs verurteilt, nachdem diese auf abgeschossene alliierte Piloten geschossen haben sollen, die sich mittels ihres Fallschirms retten wollten.

Mutmaßliche Angehörige der terroristischen Einheiten, die nach dem Abschuss durch die türkische Luftwaffe auf die russischen Piloten geschossen haben sollen, haben offenbar ihre Tat auf Video festgehalten und sich auf YouTube damit gebrüstet.

Am 31. März hatten türkische Sicherheitskräfte 14 Personen, darunter Çelik, in einem Restaurant im Bezirk Karabaglar (Provinz Hatay) festgenommen und dabei mehrere Waffen beschlagnahmt. Ihnen wurde unter anderem „Verletzung der Waffengesetze“ vorgeworfen.

Der Abschuss der SU-24 hatte zu einer schweren Belastung des türkisch-russischen Verhältnisses geführt. Einer der beiden Piloten des Kampfjets wurde erschossen, während er mit dem Fallschirm absprang, der zweite konnte sich vor den ihn verfolgenden Terroristen retten.