Flüchtlingslager nahe Aleppo bombardiert: Berichte von Todesopfern – Die Schuldzuweisungen beginnen

Flüchtlingslager nahe Aleppo bombardiert:  Berichte von Todesopfern – Die Schuldzuweisungen beginnen
Die Vereinten Nationen haben die Bombardierung eines syrischen Flüchtlingslagers in Sarmada, einer Stadt 30 Kilometer von Aleppo entfernt, verurteilt. Gestern wurden mutmaßlich Dutzende von Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, getötet beziehungsweise verletzt. Es tauchte ein Video auf, das die Folgen des Angriffs dokumentiert.

Sarmada im Gouvernement Idlib befindet sich im Nordwesten Syriens nahe der türkischen Grenze, und wird von Rebellengruppen kontrolliert, die gegen die Regierung von Präsident Baschar Al-Assad kämpfen. Die provisorischen Lager, die zum Ziel wurden, sollen bis zu 2.000 Personen Obdach geboten haben, die aus den diversen Kriegsgebieten geflohen waren.

Es ist von einem Luftschlag die Rede, zu dem sich aber noch keine der beteiligten Kriegsparteien bekannt hat. Josh Earnest, Sprecher des Weißen Hauses, sagte auf einer Pressekonferenz, dass die Kampfflugzeuge der US-Koalition nicht in dem betroffenen Bereich im Einsatz gewesen seien, betonte aber auch, dass „es keine Rechtfertigung zum Durchführen eines Luftschlags gegen unschuldige Zivilisten gibt, die bereits aus ihren Häusern geflohen sind, um der Gewalt zu entkommen.“

Der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten und Nothilfekoordinator, Stephen O'Brien, verurteilte den Angriff in einer Erklärung ebenso und forderte eine „sofortige, unparteiische und unabhängige Untersuchung dieses tödlichen Vorfalls.“ Den Berichten zufolge, die O'Brien zitierte, seien dem Luftangriffen mindestens 30 Menschen zum Opfer gefallen. Es seien zwei Siedlungen am Boden zerstört und mehr als 80 Menschen verletzt worden. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat diese Zahlen zuvor gemeldet.

Wenn erwiesen wird, dass der Angriff vorsätzlich erfolgte, würde der Vorfall „einem Kriegsverbrechen gleichkommen“, so der UN-Vertreter.

Mark Toner, Sprecher des US-Außenministeriums, weigerte sich, sofort eine Partei für den Angriff verantwortlich zu machen – auch nicht die syrischen Streitkräfte. Er begründete das mit einem Mangel an Details über den Vorfall. „Wir [die USA] haben keine Augen auf dem Boden“, betonte er.

„Wir haben frühzeitig Behauptungen darüber wahrgenommen, dass dies ein Angriff des Regimes war, aber wir wollen einfach nur absolut sicher sein, bevor wir jemanden beschuldigen“, sagte er auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Ein Video, das das verwüstete Lager Kamounia nach dem Luftangriff zeigt, wurde durch die Gruppe „Zivilverteidigung Syrien“ (Syria Civil Defense) auf YouTube veröffentlicht. Die Gruppe beschreibt sich selbst als unpolitische, humanitäre Organisation. Das Video zeigt, wie die Feuerwehr inmitten von Schutt und Trümmern, die von dem Lager übrig geblieben sind, versucht, ein Feuer zu löschen, während mit Laken bedeckte Leichen zu einem Krankenwagen getragen werden.

Der Gruppe zufolge sollen bei der Bombardierung schätzungsweise mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen sein.

Obwohl es noch keine aussagekräftigen Informationen zu den Tätern des Angriffs gibt, zögerte der britische Außenminister Philip Hammond nicht, die syrische Regierung für die Bombardierung verantwortlich zu machen.

„Die Verachtung, die das Assad-Regime für die Bemühungen um die Einstellung der Feindseligkeiten in Syrien an den Tag legt, ist für alle klar sichtbar“, sagte er in einer Erklärung und beschrieb die Berichte über den Angriff als „entsetzlich“.

Vom Krieg gezeichnet: Die syrische Stadt Aleppo

Der Angriff erfolgte nur einen Tag, nachdem bei Selbstmordanschlägen in der syrischen Stadt Homs mindestens 12 Menschen getötet und 45 weitere verletzt worden waren.

Moskau und Washington bestätigten am Mittwoch, dass sie einen 48-stündigen Waffenstillstand in Aleppo ausgehandelt hatten, wo vor kurzem noch schwere Kämpfe ausgetragen wurden. Das Abkommen trat am 3. Mai in Kraft und sollte bis 00:00 Uhr am 6. Mai gelten.