Die neuen Mauern: Türkei baut Selbstschussanlagen auf Mauer zu Syrien

EIn kurdischer Milizionär patroulliert an der neuen Mauer zur Türkei, Ras al-Ain, Syrien, Januar 2016.
EIn kurdischer Milizionär patroulliert an der neuen Mauer zur Türkei, Ras al-Ain, Syrien, Januar 2016.
In den USA, in Marokko und der Ukraine - immer mehr Länder bauen 27 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer erneut an Grenzschutzanlagen aus Beton. Die Türkei geht nun laut Tagesanzeiger einen Schritt weiter: Angeblich wollen die türkischen Behörden alle 300 Meter ein "automatisiertes Maschinengewehr" auf die Mauer setzen, dass alle Lebewesen beschießt, die sich der neuen Grenzsicherung nähern.

Vertrieben aus den Lagern und vor verschlossenen Grenzen: Flüchtlinge im syrisch-türkischen Grenzgebiet

Die Grenze zwischen Syrien und der Türkei ist fast 1.000 Kilometer lang. Seit einem Jahr baut die Türkei hier an eine neue Mauer. Damit sollen "illegale Grenzübertritte" aus Syrien unterbunden werden. Allerdings stellt die Türkei das Bauwerk auf syrisches Hoheitsgebiet. Zudem leben diesseits und jenseits der Mauer die gleichen Familien. Die Gegend ist hauptsächlich von Kurden bewohnt.

Ein Drittel des Projekts ist inzwischen fertiggestellt, berichtete gestern der Schweizer Tagesanzeiger. In den wichtigsten Abschnitten besteht die Mauer aus drei Meter hohen Betonblöcken. Doch bei der Mauer soll es nicht bleiben: Auch von Patrouillen rund um die Uhr und Überwachung mit Wärmebildkameras ist die Rede.

Und von Türmen mit Selbstschussanlagen, wie es sie zu Zeiten der DDR auch an der innerdeutschen Grenze gegeben hatte. NZZ-Korrespondent Marco Kauffmann Bossart hatte bereits im Februar von derartigen Plänen berichtet. Wie er dem Tagesanzeiger bestätigt, wurden ihm damals Pläne für die Selbstschussanlagen gezeigt.

"Wer näher als 300 Meter an den Schutzwall herankommt, wird künftig in türkischer, englischer und arabischer Sprache gewarnt. Danach sind die Schussanlagen an der Reihe"

Mit diesen Worten zitierte die NZZ einen türkischen Beamten. Fertig gebaut war die Selbstschussanlage damals noch nicht.

Anfang April meldeten türkische Zeitungen, dass das türkische Verteidigungsministerium den Bau der ersten Selbstschussanlage bei Kilis bekannt gegeben hat. Videoaufnahmen der Nachrichtenagentur Ihlas Haber Ajansi zeigen auffahrende Baumaschinen.

Alle 300 Meter soll ein Turm entstehen, auf dem neben Kameras und einer Alarmanlage auch automatische Maschinengewehre installiert werden. Die türkischen Medien schreiben von einer Sicherheitszone von 300 Metern entlang der Grenzanlage. Wer in diese eindringt, wird in drei Sprachen zur Umkehr aufgefordert. Werde der Aufforderung nicht Folge geleistet, kämen die automatisierten Maschinengewehre zum Einsatz. Entwickelt wurde das System vom türkischen Rüstungskonzern ASELSAN.