Syrien-Update: Aleppo bleibt Schwerpunkt massiver Kampfhandlungen

Syrien-Update: Aleppo bleibt Schwerpunkt massiver Kampfhandlungen
In der Region Aleppo überschneiden sich derzeit drei militärische Entwicklungen: Einheiten von Daesh, dem „Islamischen Staat“ rücken gegen die 'Freie Syrische Armee' im Norden von Aleppo vor. Ebenfalls im Norden der Stadt kämpfen Einheiten der kurdischen YPG sowohl gegen Daesh als auch gegen die FSA. In anderen Teilen der Provinzhauptstadt kämpfen „moderate“ Rebellen und Islamisten gegen die regulären Truppen der Regierung. Aleppo ist bereits seit dem Jahr 2012 eine geteilte Stadt.

Die FSA startete am Mittwoch eine Offensive gegen Stellungen der kurdische YPG. Im Ort Tell Rifat sollen des dabei zu schweren Verlusten gekommen sein. Die Gegend hatten die kurdischen Milizen erst vor einigen Wochen eingenommen. Im Dorf Ain Dakna hielten die Kämpfe lokalen Quellen zufolge zehn Stunden an. Schließlich schlug die YPG die Kämpfer der FSA zurück. Dabei seien mehr als 50 FSA-Milizionäre getötet worden. Nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben auf kurdischer Seite elf Kämpfer.

Der Frontverlauf in strategisch wichtigen Region Nordsyriens:

Nur wenige Kilometer weiter östlich der Stadt Azaz rückte die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in den vergangenen Tagen auf fünf Dörfer vor, die bisher von so genannten 'moderaten Rebellen' besetzt sind. Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ warnte Anfang des Monats, dass die humanitäre Lage rund um Azaz zunehmend unhaltbar ist. Dort seien 100.000 Menschen zwischen zwei Fronten gefangen. Es gebe kaum eine Möglichkeit vor den Kämpfen zu fliehen.

Zudem beschießen türkische Truppen die Region im Norden Syriens weiter mit Artillerie. Das Feuer über die Grenze hat Daesh jedenfalls nicht an der aktuellen Offensive gehindert. Die türkische Regierung gibt vor, mit dem völkerrechtswidrigen Beschuss des Nachbarlandes den Terrorismus zu bekämpfen. Außerdem unterstützt Ankara offen die irregulären Milizen der FSA, die sich in der Region  Azaz in die arabische 'al-Schamia-Front' und die turkmenische 'Sultan Murad-Brigade' aufteilen.

Nachdem die auch vom Westen als Terrororganisationen eingestuften Milizen Daesh und al-Nusra in den vergangenen Wochen eine Offensive im Norden Syrien begonnen hatten, mobilisierte auch die reguläre syrische Armee gemeinsam mit schiitischen Milizen verstärkt im Umfeld der Metropole Aleppo. Dabei kam es verstärkt zu Luftangriffen auf Stellungen von Terroristen und so genannten 'moderaten Rebellen'.

Das regierungsnahe Nachrichtenportal Al-Masdar News berichtete am vergangenen Freitag, dass die syrische Armee, angeführt von den Eliteeinheiten „Wüstenfalken“ und von Marineinfanteristen, eine Offensive in der Küstenprovinz Latakia gestartet habe. Ziel sei es, die letzten Dörfer im Einflussbereich der Rebellen einzunehmen. Im Anschluss daran sollen die Regierungstruppen auf die von Rebellen beherrschte Provinz Idlib vorrücken.

Bildquelle: Al-Masdar News
Bildquelle: Al-Masdar News

Seitdem die russische Regierung im Oktober 2015 damit begonnen hat, mithilfe der Luftwaffe die reguläre syrische Armee zu unterstützen, haben Regierungstruppen den Rebellen rund 50 Dörfer abgenommen. Gegenwärtig steht die syrische Armee weniger als einen Kilometer vor der aufständischen Hochburg Kabani. Die dortigen Rebellen werden von Kämpfern der al-Qaida-nahen al-Nusra-Front unterstützt, betont al-Masdar News.