Exklusiv: Wie die "Anti-Kurden-Operation" der türkischen Armee auf Syrien ausgeweitet wird

Exklusiv: Wie die "Anti-Kurden-Operation" der türkischen Armee auf Syrien ausgeweitet wird
Die Ausgangssperre gilt in der türkischen Stadt Nusaybin an der Grenze zu Syrien seit November 2015. Das Ergebnis der Militärhandlungen der türkischen Armee, die ihren „Antiterroreinsatz“ gegen die kurdische Minderheit fortsetzt, sind Dutzende Tote unter der zivilen Bevölkerung. Nun sterben durch die Aktivitäten der türkischen Militärs auch friedliche Zivilisten auf syrischer Seite. Über Einzelheiten berichtet Akram Bakrat in einem Exklusiv-Interview für RT.

Bei einer türkischen Anti-Kurden-Militäroperation in Nusaybin im Südosten des Landes wurden Einwohner der syrischen Grenzstadt Qamischli in Mitleidenschaft gezogen. Der Journalist Akram Bakrat konnte Schäden und Augenzeugenberichte filmisch belegen.

Ihm zufolge würden türkische Militärs seit dem 14. März, nach der Verlängerung der Ausgangssperre in Nusaybin, schwere Artillerie und sogar Panzer einsetzen. Die Armee beschieße die Stadt, wobei sie nicht nur das nördliche türkische Kurdistan, sondern auch das westliche syrische Kurdistan unter Feuer nehme.

Bewohnerin von Cizre vor einem zerstörten Gebäude, 2. März 2016.

Wie Bakrat gegenüber RT mitteilte, würden mehr als zehn Geschosse täglich in Qamischli einschlagen. Nach vorläufigen Angaben sollen viele Einwohner verletzt worden sein. Zwei Menschen seien ums Leben gekommen. Bei einem von ihnen handele es sich um den minderjährigen Abdul Sattar Dschabra.

Einige von Artillerieangriffen betroffene Einwohner von Qamischli erzählten, wie an einer Haltestelle unweit von ihnen ein türkisches Geschoss explodiert war. So etwa Fatima Fatusc:

„Ich bin aus dem Taxi gestiegen. Auf dem Weg zur Haltestelle hörte ich eine Explosion. Ich tastete mich ab und verstand, dass ich durch viele Splitter verletzt war. Ich fand mich erst im Krankenhaus wieder.“     

„Hier, in dieser Straße, halten Busse an. Hier habe ich meinen Laden. Wir saßen hier zu dritt und hörten plötzlich ein Geschoss vorbeisausen. Dann gab es eine Explosion. Überall war Staub. Wir konnten nichts sehen. Durch die Explosion wurde alles kaputt. Friedliche Menschen wurden verletzt. Das war ein Panzergeschoss. Es ist von der türkischen Seite her geflogen“, erkläuterte Muhammed Hassu dem Journalisten.     

Akram Bakrat teilte RT mit, dass er und andere Journalisten begonnen hätten, die türkische Aggression zu dokumentieren und die Berichte internationalen Medien zur Verfügung zu stellen:      

„Die türkische Seite hat inzwischen begonnen, Gegenmaßnahmen gegen die Journalisten zu ergreifen, indem sie auf uns Feuer eröffnet. Die Türkei begeht Verbrechen gegen Zivilisten in kurdischen Städten, darunter in Nusaybin, und will natürlich nicht, dass das an die Öffentlichkeit und internationale Medien kommt. Die internationale Tatenlosigkeit gegen die türkische Aggression gibt der Türke mehr Mut und Möglichkeiten, die Kriegshandlungen gegen kurdische Gebiete auf der türkischen und auf der syrischen Seite fortzusetzen. Obwohl die Türkei uns [die Journalisten] mehrmals bedroht hat, haben wir beschlossen, die Aktion fortzusetzen, weil wir als Journalisten der internationalen Öffentlichkeit die Wahrheit mitteilen müssen.“