"Arabische Jugendstudie": 93 Prozent der jungen Iraker sehen die USA als Hauptfeind des Landes

"Arabische Jugendstudie": 93 Prozent der jungen Iraker sehen die USA als Hauptfeind des Landes
Ein Jahrzehnt unter der Besatzung durch das US-Militär und der daraus resultierenden konfessionellen Gewalt waren der Nährboden für eine ganze Generation, die mittlerweile glaubt, dass Washington nicht der Befreier sondern der Hauptfeind ihres Landes ist. Die "Arabische Jugendstudie" ergab auch für die Palästinensischen Gebiete, Libanon und Jemen ähnlich hohe Zahlen der Ablehnung. Als Verbündete werden die USA von der Mehrheit der Jugendlichen in den Golfstaaten betrachtet.

Die Auswertungen der „arabischen Jugendstudie“ (Arab Youth Survey) ergaben, dass 93 Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren, die USA als Feind sehen. Nur 6 Prozent der jungen Iraker sehen die USA als Verbündeten, während ein Prozent unentschlossen war.

Flüchtlinge in Mossul in einer öffentlichen Gebäude, das als Unterkunft dient,  Makhmour, Mossul, Irak, 28. März 2016.

Es überrascht kaum, dass die befragten Jugendlichen die USA als Hauptursache des Unheils im Land sehen, wenn man bedenkt, dass die junge Generation im Krieg und Chaos aufgewachsen ist, die auf die US-Invasion 2003 folgten. Nachdem der Großteil der US-Truppen den Irak im Dezember 2011 verlassen haben, kehrten sie relativ schnell, im Juni 2014, zurück, um bei der Verteidigung gegen den IS zu helfen, dessen Entstehung sie zuvor selbst mitprovoziert hatten.

Seit der Invasion, die zur Zerstörung staatlicher Institutionen geführt und einen Anstieg der Gesetzlosigkeit verursacht hat, haben bis zu einer Millionen Iraker ihr Leben lassen müssen. Obwohl sich die Statistiken stark in den Zahlen unterscheiden, sind sich die meisten Experten darüber einig, dass die US-Streitkräfte eine Spur des Todes, der Verwüstung und der Instabilität, verkörpert durch ständige konfessionelle Gewalt sowie dem möglichen Aufstiegs des Daesh [IS], hinterlassen haben.

Instabilität ist der primäre Beweggrund für junge Menschen, sich dem IS anzuschließen. Dass dieser Umstand die ganze Region betrifft, ergaben Befragungen von 3.250 Personen in 16 Ländern in der gesamten arabischen Welt. Etwa 24 Prozent der Befragten machten den Mangel an Arbeitsplätzen für den Aufstieg des Daesh verantwortlich. Weitere 12 Prozent sehen die US-Interventionen als Ursache für die zunehmenden IS-Rekrutierungen.

Fünf Jahre nachdem der „arabische Frühling“ den Nahen Osten überrollt hat, messen die meisten jungen Araber der Stabilität eine höhere Priorität bei als der Demokratie, fand die Studie heraus. Im Vergleich zu den 72 Prozent an selbsterklärten Optimisten von 2012, glauben heute nur noch 36 Prozent daran, dass die Serie von Aufständen ihre Welt zum Besseren hin verändert hat. Etwa 53 Prozent der befragten Personen glauben mittlerweile, dass die Förderung von Stabilität wichtiger ist als das Fördern der Demokratie. 28 Prozent stehen dem entgegen und unterstützen den „westlichen Standpunkt“.

Die „arabische Jugendstudie“ stellte auch fest, dass die Wahrnehmung der USA durch die Jugendlichen im direkten Zusammenhang dazu steht, ob es in dem betroffenen Land (des arabischsprachigen Raums) einen bewaffneten Konflikt gab. Gegensätzlich dazu ist es in den Ländern des erweiterten Mittleren Ostens, die die USA als Verbündeten betrachten.

Wenn man sich die generellen Statistiken der 16 Länder ansieht, nennt die arabische Jugend Saudi Arabien (31 Prozent), die VAE (28 Prozent), und die USA (25 Prozent) als ihre wichtigsten Verbündeten. Insgesamt betrachten 63 Prozent der Befragten in der Region die USA als einen Verbündeten, während 32 Prozent sie als Feind sehen.

Bei genauerer Prüfung der Umfrage offenbart sich jedoch eine größere Diskrepanz. Neben dem Irak betrachten auch die Menschen aus anderen Ländern, die amerikanische Kugeln über ihre Köpfe hinwegfliegen gesehen haben, die USA als den größten Feind.

Im Jemen, wo die USA den Saudis, seit nun mehr als einem Jahr geheimdienstliche Informationen für deren Angriffe zur Verfügung stellen, betrachten nur 10 Prozent der Befragten Washington als Verbündeten, 82 Prozent dagegen sehen in ihnen den Feind. In Palästina ist es ähnlich: Für 16 Prozent sind die Staaten Verbündete, für 81 Prozent der Feind. Die Zahl ist im Libanon etwas geringer. Dort betrachten 65 Prozent der Jugend die Vereinigten Staaten als Feind des eigenen Landes.

Die USA werden im Libanon und in Palästina als Unterstützer Israels angesehen, das wiederum von jungen Menschen der Region als Aggressor wahrgenommen wird. 2006 hat Israel mit massiven Luftangriffen und Artilleriebeschuss Krieg gegen den Libanon geführt. Zusätzlich zu einer Luft- und Seeblockade marschierten sie in den Süden des Libanon ein. Mehr als 1.100 Personen wurden getötet.

Die Umfrage wurde von Penn Schoen Berland, einem PR- und Marktforschungsunternehmen, durchgeführt. Betraut mit der Leitung war der umstrittene Stratege Mark Penn, bekannt als Chefstratege für die gescheiterte Präsidentschaftskampagne Hillary Clintons im Jahr 2008.