Syrien: Vom Westen als "gemäßigt" bezeichnete Islamisten beschießen kurdische YPG mit Chemie-Waffen

Syrien: Vom Westen als "gemäßigt" bezeichnete Islamisten beschießen kurdische YPG mit Chemie-Waffen
Die syrische Rebellengruppe Dschaisch el-Islam hat eingeräumt, „verbotene“ Kampfstoffe gegen die kurdische Selbstverteidigungsmiliz, YPG, in Aleppo benutzt zu haben. Dschaisch el-Islam, gilt aus westlicher Perspektive als "moderate Rebellengruppe" und wurde in diesem Kontext auch zu den Friedensverhandlungen in Genf eingeladen. Insbesondere der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat die islamistische Gruppe regelmäßig hofiert.

Aus einer eigenen Stellungnahme der Gruppe geht hervor:

„Während der Zusammenstöße haben Dschaisch el-Islam-Kommandeure verbotene Waffen verwendet.“

Die islamistische Gruppe behauptete ferner, sie hätte den verantwortlichen Brigadegeneral ihrer eigenen Einheit daraufhin allerdings vor einem intern organisierten Militärgericht gestellt. Er würde zur Verantwortung gezogen. „Die Tat steht im Widerspruch mit der Satzung von Dschiasch el-Islam“, behauptete die Gruppe.

Der Scheich-Maksud-Bezirk in Aleppo, dem Gebiet, in dem sich die kurdische YPG vor allem aufhält, wurde am Donnerstag mit Mörsern, die chemische Substanzen beinhalten, angegriffen. Dem Angriff ging eine Initiative der YPG voraus, die einzige verbliebene Versorgungsroute der Rebellen in Aleppo entlang des Castillo-Wegs zu bombardieren und damit zu sperren. Als Vergeltungsschlag setzte dann Dschaisch el-Islam die Chemie-Waffen gegen die YPG ein.

Doktor Wallat Mamu vom Kurdischen Rote Halbmond bestätigte gegenüber RT, dass die YPG mit Chemikalien angegriffen wurde.

„Die Symptome nach einem solchen Angriff, wie das Würgen, lassen darauf schließen, dass verbotene, giftige Gase verwendet wurden, wie Chlor oder ähnliche Mittel. Unsere Patienten haben allesamt ähnliche Symptome.“

Laut der Nachrichtenagentur RIA Novosti bestätigte ebenso die YPG den toxischen Angriff gegen eigene Einheiten in Aleppo. Darüber verkündete die Kurden-Miliz, den Vorfall beim US-Koordinationszentrum in Jordanien und dem russischen Aussöhnungszentrum im syrischen Latakia zu melden, die den Waffenstillstand überwachen.

Dschaisch el-Islam ist eine salafistisch geprägte Miliz, die dem Hohen Verhandlungskomitees (HNC) angehört, das die syrische Opposition in Genf bei Friedensgesprächen mit der syrischen Regierung repräsentiert.

Russland und die al-Assad-Regierung haben wiederholt den Ausschluss Muhammed Allouschs, den politischen Vorsitzenden der Gruppe, von den Verhandlungen gefordert.

Der russische Außenminister, Sergej Lawrow, sagte bei einer Pressekonferenz im Januar, Russland werde seine Position hinsichtlich des „terroristischen Charakters von Dschaisch il-Islam“ nicht ändern. Die Miliz habe „Wohngebiete in Damaskus, darunter die russische Botschaft, mehrfach angegriffen“.

Im März wiederholte der stellvertretende russische Außenminister, Gennadi Gatilow, die Position Russlands, wonach Dschaisch el-Islam eine terroristische Vereinigung sei.

„Von Beginn an hat sich Russland einer Einbindung von Dschaisch el-Islam-Vertretern in der Delegation der Opposition entgegengesetzt. Wir werden ihren Ausschluss von den Verhandlungen willkommen heißen“, sagte der Minister gegenüber RIA Novosti.

Unterdessen berichtete das russische Außenministerium von einem Anstieg der Zusammenstöße in der nördlichen Aleppo-Provinz seit zwei Wochen, bei denen dutzende Menschen verletzt wurden.

„Im Ergebnis der Kämpfe sind 44 Zivilisten getötet worden, weitere 74, darunter Kinder, wurden verletzt“, konkretisierte der Pressesprecher des Ministeriums, Igor Konaschenkow.

Der Pressesprecher des syrischen PKK-Ablegers, der YPG, Redur Xelil, sagte indes gegenüber RT, die Türkei stünde maßgeblich hinter der Störung des Waffenstillstands, indem sie Rebellengruppen in Syrien unterstütze, die gegen den syrischen PKK-Ableger kämpfen. Ein YPG-Vertreter argumentierte gegenüber RT:

„Hier in Scheich Maksud und in Aleppo gibt es keine Beilegung der Feindseligkeiten. Der Wafenstillstand hat der YPG keinen Frieden gebracht. Tatsächlich bedingte er das Gegenteil – die Angriffe wurden härter. Wir sind uns absolut sicher, dass dahinter die türkische Regierung steht und die Rebellengruppen, die von ihr unterstützt werden.“ 

Der Waffenstillstand im syrischen Bürgerkriegsland trat am 27. Februar in Kraft. Der Plan zu Einstellung der Feindseligkeiten wurde von den USA und Russland vorangetrieben, der 97 oppositionelle Rebellengruppen zum Gegenstand hat, ausgenommen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ und der al-Qaida-nahen al-Nusra-Front.

Seit der Implementierung der Waffenruhe wurden nichtsdestotrotz zahlreiche Stillstandsverletzungen dokumentiert. Vergangenen Monat kam die russische Beobachtungsstelle in Syrien auf mindestens 250 bestätigte Brüche des Waffenstillstands