Syrien: Trotz Waffenstillstands zahlreiche Kampfhandlungen an mehreren Frontbereichen

Twitter-Aktivist
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Ein syrischer Jagdbomber vom Typ Su-22 wurde am Dienstag durch eine bodengestützte Luftabwehrrakete in der nördlichen Provinz Aleppo abgeschossen. Der Pilot konnte sich aus dem Flugzeug retten, wurde aber von mutmaßlichen Mitgliedern der al-Qaida-nahen al-Nusra-Front gefangen genommen. Al-Nusra hatte vor wenigen Tagen eine Großoffensive auf el-Eis in Süd-Aleppo und auf Kinsebba in Latakia ausgerufen.

„Das Flugzeug griff keine Ziele an, sondern war auf einer Aufklärungsmission. Es wurde in Süd-Aleppo durch eine Boden-Luftrakete getroffen. Wir suchen gegenwärtig nach dem Piloten, der sich aus dem Flugzeug retten konnte“, sagte der Vorsitzende des Pressedienstes der syrischen Armee, General Samir, gegenüber RT im Telefongespräch.

Rebellen-Quellen zufolge, zitiert von der Nachrichtenagentur Reuters, haben Mitglieder der al-Qaida-nahen al-Nusra-Front den Piloten des Kampfflugzeuges gefangen genommen.

Dem Nahost-Analysten Kyle W. Orton zufolge schoss die religiös-konservative Rebellengruppe Ahrar al-Scham jedoch den Jet ab.

Unterdessen sind in sozialen Medien Videos aufgetaucht, die den Moment dokumentieren sollen, als der Kampfpilot gefangen genommen wurde.

Weitere Fotos sind aufgetaucht, auf denen der mutmaßliche Kampfpilot der syrischen Armee zu sehen ist. Ersten Kommentaren zufolge scheint der Regierungssoldat noch am Leben zu sein.

Ein am Abend veröffentlichtes YouTube-Video der al-Nusra-Front zeigt den Piloten im Gespräch mit der al-Qaida-nahen Miliz. Im Video identifizierte er sich als Brigadegeneral Ahmet Said aus der Provinz Latakia.

Am 27. Februar dieses Jahres wurde ein Waffenstillstand in Syrien beschlossen, um die jahrelange Gewalt im Bürgerkriegsland zu stoppen. Die Waffenruhe gilt allerdings nicht für die Terrormiliz „Islamischer Staat“ und die al-Nusra-Front. Die Vereinbarung wurde in Koordination zwischen Russland und den USA implementiert. Insgesamt 97 bewaffnete größere und kleinere Rebellengruppen haben sich auf den Waffenstillstand mit Damaskus geeinigt.

Dennoch flauten die Kämpfe nur partiell ab. Während Rebellen in Nord-Aleppo mithilfe von Artilleriebeschuss aus der Türkei eine Offensive gegen den „Islamischen Staat“ starteten, rief die al-Nusra-Front Großoffensiven auf el-Eis in Süd-Aleppo und auf Kinsebba, Latakia aus. Unterdessen führen Regierungstruppen al-Assads Offensiven in der Region Homs und rund um Palmyra gegen den IS durch. Laut Sergej Kuralenko, dem Vorsitzenden des „Aussöhnungzentrums“ am russischen Luftwaffenstützpunkt in der Provinz Latakia, wurde der Waffenstillstand mindestens 250 mal seit seinem Inkrafttreten gebrochen.

Am 14. März entschied Russland, einen signifikanten Teil seiner Luftstreitkräfte nach Erreichung ihres Ziels, die al-Assad-Regierung zu stabilisieren, wieder aus Syrien abzuziehen. Moskau warnte jedoch, dass es Kräfte binnen kürzester Zeit wieder in Syrien stationieren werden, sollte sich das militärische Gleichgewicht erneut verändern.