Irak: 90 Tote bei US-Luftangriffen auf Universität von Mossul am 13. Jahrestag der Besatzung

Flüchtlinge in Mossul in einer öffentlichen Gebäude, das als Unterkunft dient,  Makhmour, Mossul, Irak, 28. März 2016.
Flüchtlinge in Mossul in einer öffentlichen Gebäude, das als Unterkunft dient, Makhmour, Mossul, Irak, 28. März 2016.
Bei den US-amerikanischen Angriffen auf Mossul wurden nach Berichten der lokalen Bevölkerung zahlreiche Zivilisten getötet. Öffentliche Gebäude und Infrastrukturen wurden zerstört. Zuletzt trafen die Bomben auch die Universität von Mossul. Dass der Angriff am 13. Jahrestag der Besetzung des Irak stattgefunden hat, birgt zusätzlich eine besondere Dimension für die Bevölkerung. Seit die USA im Jahr 2003 in den Irak einmarschierten starben mehr als 1,5 Millionen Iraker.

Die Flugzeuge der USA und ihrer Alliierten haben am Mittwoch mindestens 27 Luftangriffe auf die irakische Stadt Mossul geflogen. Die meisten davon sollen nach Angaben des gemeinsamen Führungszentrums der Einsatzkräfte Positionen im Umfeld der Stadt bombardiert haben. Dabei seien Stellungen der Organisation „Islamischer Staat“ und Kommunikationsverbindungen getroffen worden.

Im Irak werden dagegen Vorwürfe laut, dass durch die US-Flugzeuge in Mossul die dortige Universität getroffen wurde. Dabei seien mindestens 90 Menschen getötet worden. Gegenüber der Tageszeitung Junge Welt berichtet Dr. Souad Naij Al-Azzawi, dass die Bomben „verheerende Schäden anrichteten“.

Diese Angaben wurden inzwischen von verschiedenen Medien bestätigt. Die Zivilisten in der Stadt seien „schockiert und zornig“. US-amerikanische Medien berichteten von sieben Luftangriffen am Wochenende vor Ostern, welche die Universität getroffen haben. Angeblich hätten die US-Streitkräfte das Gelände als „Basis für IS-Kämpfer“ eingestuft. Auch der Blog Mossul Eye räumte ein, dass einige Gebäude der Universität vom „Islamischen Staat“ genutzt wurden.

Selbstmordattentat auf einen Gemüsemarkt im Sadr-Viertel von Bagdad am 28. Februar 2015. Dabei starben 24 Menschen, über 60 wurden verwundet.

Nach Angaben von Dr. Souad Naij Al-Azzawi, haben die amerikanischen Flugzeuge die Universität am 19. und 20. März angegriffen. Die Bombardierungen haben demnach um die Mittagszeit begonnen, als viele Menschen dort unterwegs waren. „Bisher haben die Angriffe der „Koalition“ auf öffentliche und staatliche Einrichtungen nachts stattgefunden, beispielsweise wurden sechs Banken, das Rathaus von Mossul, Wasserreinigungsanlagen und so weiter bombardiert.“

Dass die Attacken in diesem Fall mitten am Tag stattfanden, interpretiert Al-Azzawi als einen „absichtlich und geplant gerichteten Angriff gegen die Bevölkerung“. Seinem Bericht zufolge wurden dabei bunkerbrechende Waffen eingesetzt. Sie zerstörten das Hauptgebäude der Universität, das Wissenschaftscollege, das Frauencollege und zahlreiche andere Gebäude.

„Nach allem, was wir bisher wissen, wurden 90 Menschen getötet und 155 verletzt.“

Dass der Angriff am 13. Jahrestag der Besetzung des Irak stattgefunden hat, birgt zusätzlich eine besondere Dimension für die Bevölkerung. Seit die USA im Jahr 2003 in den Irak einmarschierten, starben mehr als 1,5 Millionen Iraker. Insgesamt sieben Millionen Menschen wurden vertrieben.