Enthüllt: "Willst du dem IS helfen?" RT legt neue Beweise für Ankaras Terrorunterstützung vor

Pässe von Kämpfern des "Islamischen Staates" mit Einreisestempeln aus Istambul.
Pässe von Kämpfern des "Islamischen Staates" mit Einreisestempeln aus Istambul.
Frisch gedruckte Anleitungen zum Sturz von Baschar al-Assad aus der Türkei, in aller Eile zurückgelassene Reisepässe mit türkischen Einreisestempeln, ein gefangener IS-Terrorist beschreibt mögliche Rückzugswege in die Türkei. Das alles zeigen neue Enthüllungen von RT. Ein Reporterteam des Senders hat während Dreharbeiten im syrisch-kurdischen Grenzgebiet exklusive Beweise für die Zusammenarbeit zwischen Ankara und dem "Islamischen Staat" entdeckt.

Ein RT-Journalistenteam fuhr in den vergangenen Tagen in die syrisch-kurdische Stadt al-Schaddadi, um eine neue Dokumentation über Daesh, den „Islamischen Staat“ zu drehen. Al-Schaddadi ist ein wichtiges Gebiet: Wer es unter seiner Kontrolle hat, kann über eines der größten Erdölfelder im Nordosten Syriens schalten und walten.

Nur zehn Tage, nachdem kurdische Kämpfer den "Islamischen Staat" aus der Stadt verdrängt hatten, kam das RT-Team dort an. Die Terroristen hatten eine zerstörte Stadt mit nur teilweise funktionierender Kanalisation und Wasserversorgung zurückgelassen.

„Die meisten Aufnahmen wurden in al-Schaddadi gemacht, wo ungefähr 10.000 Menschen leben. Die IS-Kämpfer waren geflohen und hatten alle Habseligkeiten, einschließlich wichtiger Dokumente zurückgelassen, die wir fanden. Darunter sind Scheine zur Erdölförderung, d.h. wie viel Erdöl man jeden Tag gefördert und dann verkauft hat“, erzählt der Doku-Regisseur.

Scheine zur Erdölförderung, die die IS-Terroristen in al-Schaddadi zurückgelassen haben. Oben sieht man ein IS-Siegel.
Scheine zur Erdölförderung, die die IS-Terroristen in al-Schaddadi zurückgelassen haben. Oben sieht man ein IS-Siegel.

 

Nach den Dokumenten zu urteilen, müssen die Terroristen das verkaufte Erdöl peinlich genau und professionell berechnet haben.

„Einheimische sind die besten Zeugen dafür, wohin man das Erdöl verkauft hat, weil sie unter dem IS gelebt haben. Die meisten von ihnen haben für den ʻIslamischen Staatʼ gearbeitet. Das Erdöl wurde zuerst an Mittelsmänner aus Rakka und Aleppo geliefert, die es dann weiter beförderten und dabei öfters die Türkei als Zielland nannten.“

Eine Quittung über den Erdölverkauf durch den „Islamischen Staat“
Eine Quittung über den Erdölverkauf durch den „Islamischen Staat“

 

„Die kurdischen Kämpfer zeigten uns Reisepässe, die sie bei den getöteten Terroristen gefunden hatten. Die Palette der Herkunftsländer ist riesengroß. Alle Dokumente weisen aber eine Gemeinsamkeit auf – und zwar den Einreisestempel der Türkei.“

Die gefangenen IS-Leute hätten erzählt, dass es keine türkischen Soldaten an der Grenze zu Syrien gebe, so der Regisseur.

„Einer der Terroristen sagte, er habe die Grenze problemlos passiert, um sich dem IS anzuschließen, weil das auch für die Türkei von Vorteil sei. Er erläuterte, dass die Türkei davon auch profitiere. Sie bekomme nämlich Erdöl. Sehr viele Menschen erzählten uns, dass die Terroristen einen großen Sponsor verlieren, wenn die Türkei den Durchschlupf an der Grenze dichtmacht, wenn der ʻIslamische Staatʼ keinen Nachschub von Personal, Waffen, Nahrungsmittel mehr bekommt, und wenn die Kämpfer keinen Urlaub und keine ärztliche Behandlung in der Türkei machen könnten.“      

Bevor sie die Grenze passieren, pflegen die Terroristen durch Istanbul zu flanieren und sich vor Sehenswürdigkeiten fotografieren zu lassen. Das RT-Journalistenteam fand solche Bilder im USB-Stick eines gefangengenommenen IS-Kämpfers.

Die Doku-Autoren überraschte am meisten das Unterrichtsmaterial des "Islamischen Staates". Sie fanden etwa eine Prüfung für künftige Lehrer. „Im Test gab es folgende Frage: ʻWas soll man von einem Menschen halten, der das Köpfen durch den Islamischen Staat verschmäht?ʼ Die richtige Antwort: ʻEr ist untreu.ʼ“

 

Eine in Istanbul gedruckte Broschüre mit dem Titel „Die besten Kampfstrategien für den Sturz des verbrecherischen Assad-Regimes“ und eine IS-Flagge
Eine in Istanbul gedruckte Broschüre mit dem Titel „Die besten Kampfstrategien für den Sturz des verbrecherischen Assad-Regimes“ und eine IS-Flagge

Als die kurdischen Einheiten ihre Offensive begannen, verließen die Terroristen al-Schaddadi, wobei sie nicht nur Dokumente und persönliche Sachen, sondern auch Schuhe zurückließen. „In einigen Wohnungen fanden wir abrasierte Bärte, weil die Kämpfer in Zivilkleidung flohen“, erzählt der Regisseur.

Al-Schaddadi nach dem Rückzug der IS-Kämpfer
Al-Schaddadi nach dem Rückzug der IS-Kämpfer

 

In der vollständigen Version der Dokumentation sind exklusive Aufnahmen aus den vom „Islamischen Staat“ befreiten syrischen Städten al-Schaddadi, Rumilan, al-Kamischli und Tel-Abjad sowie Interviews mit Einheimischen und gefangen genommenen Terroristen zu sehen. Der Film soll zum ersten Mal im April 2016 vorgeführt werden. In Kürze folgen weitere Enthüllungen auf RT Deutsch.