Jemen: Saudi-Arabien will nach Massaker an Zivilisten Strategie ändern

Jemen: Saudi-Arabien will nach Massaker an Zivilisten Strategie ändern
Saudi-Arabien stellt seine „Hauptkampfphase“ im Jemen ein und plant, sich hauptsächlich auf Luftschläge und die Ausbildung von Einheiten im Kampf gegen die Huthi-Rebellen zu fokussieren. Seit fast einem Jahr geht die von Riad angeführte Koalition gegen die pro-iranischen Huthis im Jemen militärisch vor, um den gestürzten Präsidenten el-Hadi wieder zu inthronisieren. Kürzlich tötete ein saudischer Luftschlag rund 120 Zivilisten.

Eine kleine Zahl saudischer Soldaten werde nun künftig im Jemen verweilen, um jemenitische Soldaten zu trainieren, während sich die Koalition darauf reduzieren werde, jemenitischen Kräften Luftunterstützung zu geben. Dies erklärte der saudische Militärsprecher, Brigadegeneral Ahmed el-Asiri.

 „Wir sind am Ende der Hauptkampfphase“, sagte der Pressesprecher gegenüber AFP. Er behauptete ferner, Riad beabsichtige die Schaffung einer stabilen Sicherheitslage im Land, bevor man dazu übergehen werde, das Land wiederaufzubauen.

 „Das Ziel der Koalition ist die Schaffung einer starken kohäsiven Regierung mit einer starken nationalen Armee und Sicherheitskräften, die den Terrorismus bekämpfen sowie für Recht und Ordnung im ganzen Land sorgen“, fügte el-Asiri hinzu.

Jemenitische Flüchtlinge in einem Flüchtlingslager in Somalia's Hauptstadt Mogadischu, Dezember 2015.

Er betonte zudem, dass die primäre Aufgabe der Koalition der Aufbau einer jemenitischen Armee sei. „Das braucht Zeit und Geduld“, ergänzte der saudische Militärsprecher.

El-Assiri gab nicht bekannt, zu welchem Zeitpunkt die saudischen Truppen aus dem Nachbarstaat abziehen wollen. Die Zahl der am Roten Meer und Arabischen See stationierten Koalitionsschiffe werde jedenfalls unverändert bleiben.

Washington, der wichtigste Alliierte der Saudis, indes hat die Schritt Riads hin zu mehr „Stabilität“ im Jemen willkommen geheißen.

„Wir begrüßen die Erklärung des saudischen Koalitionssprechers Ahmet el-Assiri, der heute darauf hingewiesen hat, dass umfassende Operationen im Jemen ihrem Ende zusteuern und dass die Koalition ‚langfristige Pläne‘ hervorbringen will, um Stabilität ins Land zu bringen,“ kommentierte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest.

Die saudische Ankündigung kommt unter dem Eindruck wachsender Opferzahlen bei Kämpfen in Jemen. Erst am Dienstag soll die saudische Luftwaffe einen belebten Marktplatz in Mustaba in der Region Hadscha bombardiert haben. Dabei kamen neuesten Erkenntnissen zufolge mindestens 119 Menschen zu Tode, weitere 75 wurden bei diesem Angriff gegen Zivilisten verletzt.

Saudi-Arabien begann mit seinen Militäroperationen im Jemen Ende März 2015. Die Offensive wurde mit dem Ziel begonnen, den durch die Huthi-Rebellen gestürzten sunnitischen Präsidenten Abd Rabbu Mansur el-Hadi wieder an die Macht zu bringen. El-Hadi gilt weithin als pro-saudisch eingestellt.

UN-Einschätzungen zufolge starben bei Kämpfen in Jemen bislang rund 2795 Menschen, weitere 5324 wurden verletzt.