FSA-Chef packt aus: „USA haben unsere Infos über den 'Islamischen Staat' ignoriert.“

FSA-Chef packt aus: „USA haben unsere Infos über den 'Islamischen Staat' ignoriert.“
Der Spionagechef der Freien Syrischen Armee hat im Interview mit der französischen Tageszeitung „Le Monde“ eingeräumt, dass seine Agenten seit deren Erscheinen Geheimdienstinformationen über die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) sammelten. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA habe die Informationen, die dabei helfen sollten, den IS zu zerstören oder seine Entwicklung empfindlich zu bremsen, jedoch ignoriert.

Der Geheimdienstchef der oppositionellen 'Freien Syrischen Armee' mit dem Codenamen „M“ gab der franzöischen Tageszeitung „Le Monde“ ein exklusives Interview. Das Gespräch bringt brisante Informationen hinsichtlich der fragwürdigen US-Politik gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zutage. „M“ erklärte, dass er seit über zwei Jahren „sehr detaillierte Berichte“ über den IS an die CIA übermittelt. Die Informationen basieren auf Erkenntnisse seiner Agenten, die den IS aus nächster Nähe beobachten.

Die Spionageergebnisse ermöglichten detaillierte Einblicke in die Macht- und Operationszentren des IS in Syrien, aber auch im Irak. Zu den an die CIA übermittelten Daten gehörten demzufolge GPS-Koordinaten, Karten, Fotografien, Telefonnummern und sogar IP-Adressen, behauptete der FSA-Führer:

„Von dem Moment an, als der IS gerade einmal 20 Mitglieder hatte, bis zu dem Zeitpunkt, als er 20.000 Kämpfer in seinen Reihen hatte, dokumentierten wir für die Amerikaner alles. Wenn wir sie fragten, was sie mit diesen Informationen machten, gaben sie stets ausweichende Antworten, von wegen dies liege in den Händen der Entscheidungsträger.“

Der französischen Tageszeitung zufolge wurde der FSA-Geheimdienstvorsitzende „im Ausland trainiert“. Er selbst soll bis zu 30 vertrauenswürdige Männer ausgewählt haben, die in vom IS gehaltene Städte eingeschleust wurden, darunter Rakka, el-Bab, Tel Abyad und andere.

Um die umfangreichen Operationen zu finanzieren, forderte der Spionagechef 30.000 US-Dollar monatlich von den US-Amerikanern an. Seinen Angaben zufolge erhielten die Syrer für ihre Agententätigkeit jedoch lediglich 10.000 US-Dollar im Monat.

FSA-Kämpfer bei einer Lagebesprechung in der Scheich Said-Nachbarschaft der Provinzhauptstadt Aleppo.
FSA-Kämpfer bei einer Lagebesprechung in der Scheich Said-Nachbarschaft der Provinzhauptstadt Aleppo.

So soll einer der bedeutendsten Agenten von „M“ ein Maulwurf in der IS-Finanzabteilung der Stadt Manbidsch unweit der türkischen Grenze gewesen sein. Ein Report von ihm, der von „Le Monde“ eingesehen wurde, beschreibt die Zahlung eines ehemaligen Parlamentsabgeordneten, der Ridvan Habib heißen soll, an seinen Bruder Ali – einen „Emir“des IS – in Maskanih der Provinz Aleppo.

FSA-Agenten und Informanten führten in den letzten Jahren verschiedenste Operationen durch, darunter auch oft riskante Manöver. „Meine Agenten schafften es auch, Telefonnummern von IS-„Beamten“ zu bekommen, Seriennummern ihrer Satellitenausrüstung und IP-Adressen. Aber auch in diesem Fall gab es keine Reaktion“, beschuldigte er die US-Seite der Untätigkeit.

Ein anderes von „Le Monde“ eingesehenes FSA-Dokument umfasst einen detaillierten Plan zur Vertreibung der IS-Terrormiliz aus der bedeutenden nordsyrischen Provinz Aleppo. Die Offensive hätte 2014 beginnen sollen. Die USA forderten jedoch vielfach die Aufschiebung der Angriffe, bis die Offensive schließlich aufgegeben wurde.

Die sogenannte Freie Syrische Armee wurde im Juli 2011 von einer Gruppe von Deserteuren der syrischen Armee gegründet. Die Gruppe erhielt substanzielle Militärhilfen von den USA, von Großbritannien und anderen Staaten für ihre al-Assad-feindliche militärische Positionierung im Bürgerkrieg.

Spätestes seit Juni 2012 führt der US-Geheimdienst CIA zudem verdeckte Operationen entlang der türkisch-syrischen Grenze durch. Dies geht aus einem Bericht des ‚Wall Street Journal‘ hervor. Der Auslandsgeheimdienst soll Rebellengruppen verschiedene Formen der militärischen Hilfen zugänglich gemacht haben. CIA-Agenten halfen demnach Oppositionskräften, Versorgungswege aufzubauen, es fand Kommunikationstraining statt und Agenten verteilten Sturmgewehre, Raketenwerfer und andere Waffensysteme.

In den Jahren 2013 und 2014 hat die CIA in Erwartung des Sturzes Baschar al-Assads „moderate“ syrische Oppositionelle in Militärbasen jordanischer Spezialeinheiten ausgebildet. Im Jahr 2015 soll Washington die meisten ihrer Programme zur Ausbildung und Ausrüstung syrischer Rebellen eingestellt haben.

Andere geheime Programme von Langley mit Blick auf die Lage in Syrien sollen einem Bericht der „Washington Post“ zufolge immer noch laufen.