Amnesty International: „Die Türkei schießt regelmäßig auf syrische Flüchtlinge an der Grenze"

Amnesty International: „Die Türkei schießt regelmäßig auf syrische Flüchtlinge an der Grenze"
Türkische Grenzschützer schießen regelmäßig auf syrische Flüchtlinge, die an der Grenze gestrandet sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ (AI). Im Gespräch mit RT erklärte ein Vertreter von AI, dass die Zahl der erschossenen Zivilisten an der türkischen Grenze seit Kurzem deutlich zugenommen hat.

„Es gibt zahlreiche Berichte über Zwischenfälle an der Grenze. Wir sammeln seit 2014 Informationen darüber“, sagte der AI-Repräsentant Andrew Gardner.

Symbolbild

Er fügte hinzu, die gegenwärtige Situation im Bürgerkriegsland Syrien führe zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Migranten, die von türkischen Grenzschützern erschossen würden:

„Informationen von syrischen Ärzten, die vor Ort sind, zufolge sterben gegenwärtig bis zu drei Menschen täglich, während sie versuchten, die Grenze illegal zu überqueren.“

Zudem habe die Notlage der Flüchtlinge in Syrien dazu geführt, dass sich viele „in die Hände von Schmugglerbanden begeben“. Einige versuchten die Grenze kurzerhand unter hohem Risiko nachts zu überqueren. Laut Gardner schieße die türkische Armee auf Flüchtlinge mit der Begründung, es handle sich um eine Sicherheitsmaßnahme.

„Was uns die türkische Seite erzählt, ist, dass sie nicht wissen können, wer diese Menschen sind. Diese Menschen könnten genauso gut Mitglieder bewaffneter Gruppen oder Schmuggler sein“, berichtete der AI-Vertreter weiter.

Deshalb fordert Gardner, um der tragischen Flüchtlingsentwicklung in Nahost entgegenzuwirken, dass der Migrationsstrom mittels legaler Grenzüberquerungsmöglichkeiten legalisiert werde. Außerdem sollte „Ankara nicht die alleinige Verantwortung haben, Flüchtlinge aus Syrien zu beherbergen“. Um die Lebensumstände für Migranten abzumildern, müssten die EU-Mitgliedsstaaten größere Migrationsquoten akzeptieren, auch Russland solle mehr Flüchtlinge aus benachbarten Staaten aufnehmen, sagte Gardner.

Vergangenen Montag sollen die Türkei und EU einen Deal hinsichtlich der Abschirmung Europas von Flüchtlingen abgesegnet haben, der als „Game-Changer“ gefeiert wurde. Im Prinzip einigten sich die EU-Staatschefs auf einen von der Türkei ausgearbeiteten Plan zur Rückführung von illegalen Migranten, die in Griechenland gestrandet sind. Diese sollen in die Türkei gebracht werden. Unterdessen verpflichtete sich die EU, Ankara sukzessive Flüchtlingskontingente abzunehmen. Im Gegenzug versprach Brüssel der Türkei eine weitere Zahlung von drei Milliarden Euro, womit die Summe der Zusagen sich auf insgesamt sechs Milliarden erhöhte. Auch sollen türkische Staatsbürger künftig Visa-frei in den EU-Raum reisen dürfen.

Seit dem letzten Jahr hat die Türkei ihre Grenzkontrollen zu Syrien deutlich verstärkt. Lange reisten potenzielle Dschihadisten über die Türkei nach Syrien ein und schlossen sich diversen bewaffneten Gruppen an, die nicht selten als terroristische Vereinigungen gelistet sind. Die Türkei galt dabei als Haupttransitland.

Die syrische Regierung in Damaskus ihrerseits beschuldigt Ankara, den grenzüberschreitenden Strom von Dschihadisten gezielt zu unterstützen, um Syrien zu destabilisieren. Auch Russland lieferte in diesem Zusammenhang zahlreiche Informationen, die die Anschuldigung aus Damaskus untermauern sollen.

Offiziellen Angaben zufolge leben in der Türkei mehr als 2,5 Millionen syrische Flüchtlinge. Zusammen mit Flüchtlingen aus dem Irak soll die Zahl an Flüchtligen in der Türkei insgesamt beinahe drei Millionen Menschen erreicht haben.