Irak kommt nicht zur Ruhe: Laut UN über 670 Tote durch Terroranschläge allein im letzten Monat

Selbstmordattentat auf einen Gemüsemarkt im Sadr-Viertel von Bagdad am 28. Februar 2015. Dabei starben 24 Menschen, über 60 wurden verwundet.
Selbstmordattentat auf einen Gemüsemarkt im Sadr-Viertel von Bagdad am 28. Februar 2015. Dabei starben 24 Menschen, über 60 wurden verwundet.
Der Irak ist auch im 13. Jahr nach der US-Militärinvasion geprägt von Terroranschlägen. Doch finden die entsprechenden Meldungen kaum noch Eingang in die westliche Berichterstattung. Mindestens 670 Menschen verloren nach Angaben von UNAMI allein im Februar 2016 ihr Leben durch Terroranschläge, Gewalttaten oder bewaffnete Auseinandersetzungen im Irak. Die Zahl der Verletzten lag bei insgesamt 1.290 Personen.

Von Florian Osrainik

Die „United Nations Assistance Mission for Iraq“ (UNAMI), Teil der Vereinten Nationen Irak (UN Iraq), gibt die Zahl der letzten Monat im Irak gewaltsam getöteten Menschen mit 670 an. Dabei soll es sich um 410 Zivilisten – einschließlich Polizisten, Sicherheitspersonal und Feuerwehrleuten – sowie um 260 Soldaten, Peschmerga und Milizionäre handeln. Von den 1.290 Verletzten waren 1.050 Zivilisten. Einige Attacken, darunter Selbstmordanschläge, wurden in Gebetsstätten, auf Märkten oder bei Beerdigungen durchgeführt. Am schlimmsten wurde Bagdad mit 277 Toten und 838 Verletzten getroffen.

Selbstmordattentat auf ein Polizeidienststelle in einem Wohnbezirk von Damaskus, Masaken Barza, Syrien, 9. Februar 2016.

Die Zahl der monatlich im Irak getöteten Zivilisten schwankt nach Angaben der Vereinten Nationen im Irak in den letzten Jahren zwischen mindestens 229 im März 2013 und 1.531 im Juni 2014, dem blutigsten Monat in den letzten Jahren.

Ján Kubiš, Sondergesandter der Vereinten Nationen Irak, beklagt den anhaltend hohen Verlust von Menschenleben als Ergebnis der beständigen Gewalt im Irak. „Dieser Konflikt fordert nach wie vor einen hohen Tribut von der Bevölkerung.“ Rund zwei Drittel aller Toten sowie die meisten Verletzten waren im Februar Zivilisten. „Das ist sehr besorgniserregend und entmutigend. Zivilisten sollten den Preis dieses Konflikts nicht zahlen müssen“, so Kubiš weiter.

Da die Vereinten Nationen Irak die Ereignisse in einigen Fällen nur teilweise überprüfen und durch Umstände vor Ort in ihrer Arbeit behindert werden können, sind die angegebenen Opferzahlen als absolutes Minimum zu betrachten. Grundsätzlich ist es der Organisation nur schwer möglich exakte Zahlen aus Konfliktgebieten zu ermitteln.

Die Vereinten Nationen Irak setzen sich aus UNAMI und UNCT, dem „United Nations Country Team“, zusammen und sind auf Anfrage der irakischen Regierung im Land tätig. Die Organisation hat in nationalen politischen und humanitären Anliegen eine beratende sowie unterstützende Funktion für Regierung und Bevölkerung.