Türkei: 1. Ausgabe nach Enteignung von Zaman - Lachender Erdogan und Erfolgsmeldungen auf Titelseite

Ab jetzt nur noch Jubelmeldungen? - Das Verlagsgebäude nach der "Verstaatlichung"
Ab jetzt nur noch Jubelmeldungen? - Das Verlagsgebäude nach der "Verstaatlichung"
Pressefreiheit à la Erdogan. Die erste Ausgabe nach der „Nationalisierung“ der als regierungskritisch geltenden Tageszeitung Zaman, der auflagenstärksten der Türkei, ist geprägt von Bildern eines lachenden türkischen Präsidenten und Jubelberichten zu Erfolgen der türkischen Regierung.

Vorgestern noch regierungskritisch heute in einem Duktus, der locker die Prawda zu Breschnew-Zeiten oder das Neue Deutschland bis 1989 in den Schatten stellt. Die erste Ausgabe der unter „Kontrolle“ gebrachten Oppositionszeitung war ein einziges Machtexempel Erdogans. Die Titelseite brachte eine Jubelmeldung über die anstehende Rezeption des Präsidenten anlässlich des Internationalen Frauentages, eine über den Bau einer neuen Brücke über den Bosporus sowie einen Bericht über die Begräbnisse von im „Anti-Terror-Kampf“ gegen die kurdische Bevölkerung gefallenen „Märtyrer“.

Doch nicht nur die Titelseite war geprägt von den teilweise sehr ostentativen Pro-Regierungsmeldungen. Auch alle weiteren Seiten zeigten deutlich, wer jetzt das „redaktionelle Heft“ in der Hand hält. Die aktuelle Ausgabe wird auf 650.000  Exemplare geschätzt.

Das Wochenende in Istanbul war geprägt von schwerer Polizeigewalt gegen zumeist friedliche Demonstranten, die gegen die Verstaatlichung der größten Zeitung der Türkei protestierten. Die Polizei setzte massiv Gummigeschosse und Tränengas ein.

Der Chefredakteur von Zaman, Abdulhamit Bilici, wurde umgehend entlassen.

 “Es ist unmöglich, weiter bei Zaman zu arbeiten, denn der von der Regierung neu eingesetzte Verwaltungsrat wird uns in wenigen Tagen kündigen. Selbst wenn Sie dies nicht tun, werden wir alle kündigen, denn es ist unmöglich mit der Regierung zusammen zu arbeiten, wir werden nicht einfach das schreiben, was sie wollen“.

So der Zaman-Journalist Emre Soncan im Gespräch mit RT.

Die Webseite von Zaman ist seit dem 5. März offline. Laut Berichten lokaler Medien hat das alte Redaktionsteam eine neue Tageszeitung unter dem Namen „Yarina Bakis“ (Blick in die Zukunft) gegründet und angekündigt, ihre „redaktionelle Politik“ nicht zu ändern.

Derweil hat der türkische Premierminister, Ahmet Davutoglu, erklärt, dass es keinen Zusammenhang gäbe, zwischen der Verstaatlichung der Zeitung und der geänderten redaktionellen, nun regierungsfreundlichen Linie.