UN: Jemen am Rande einer humanitären Katastrophe - Westliche Banken behindern Hilfslieferungen

UN: Jemen am Rande einer humanitären Katastrophe - Westliche Banken behindern Hilfslieferungen
Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungersnot im Jemen. Zusätzlich zu den Finanzproblemen behindern die Kriegshandlungen und Trockenheit die Versorgung der Bevölkerung. Nur 64 Prozent der Bedürftigen werden von Hilfslieferungen überhaupt erreicht. Derweil verweigern immer mehr westliche Banken die Kreditfinanzierung von Lebensmitteltransporten an die mangelernährte Bevölkerung.

Internationale Banken haben die Kreditlinien für Händler beschnitten, die Nahrungsmittel in den vom Krieg zerstörten Jemen schicken. Da die Häfen teilweise zerstört sind und das Finanzsystem kaum noch funktioniert, wird es immer schwieriger, lebenswichtige Güter in das verarmte Land zu schicken.

Für seine Verdienste

Diese Probleme könnten dazu führen, dass das ärmste Land auf der arabischen Halbinsel endgültig in eine Hungersnot abgleitet. Die Vereinten Nationen erklären, dass das Land „am Rande der Katastrophe“ steht. Bisher bezieht der Jemen fast alle Lebensmittel für 21 von 26 Millionen Menschen aus dem Seehandel. Einen großen Teil davon stellt humanitäre Hilfe für die Hälfte der Bevölkerung, die an Unterernährung leidet.

Die Importe auf dem Seeweg wurden bereits dadurch immer komplizierter, dass die Transporte häufig durch die Marine der Saudi-Koalition kontrolliert wurden. Nach Angaben von Reuters sind nun Banken immer seltener bereit, Kredite einzuräumen, die sicherstellen, dass die Zahlungen der Käufer an die Verkäufer rechtzeitig gewährleistet werden. Eine im internationalen Rohstoffhandel aktive Quelle im Jemen sagte:

„Internationale westliche Banken sehen sich immer seltener in der Lage, eine komfortable Abwicklung von Zahlungen zu gewährleisten, sie sind nicht bereit, das Risiko zu übernehmen.“

Einige europäische Banken haben sich völlig aus den Lebensmitteltransporten nach Jemen zurückgezogen. Die Folge sei, dass die Händler höhere Risiken tragen. Effektiv müssen sie ganze Ladungen alleine absichern, in der Regel Millionen von US-Dollar. „Es gibt mehr und mehr Hindernisse, Waren in den Jemen zu bringen“, so die anonyme Quelle zu Reuters.

Bei den Händlern, die Lebensmittel für den Jemen beschaffen, handelt es sich meist um kleinere, private Unternehmen, die lokal oder regional aktiv sind. Sie müssen die Waren jedoch von den internationalen Märkten kaufen. Die Situation habe sich im letzten Monat dramatisch verschlechtert, seitdem die jemenitische Zentralbank die Ausstellung von günstigen Wechselkursen für lokale Händler stoppte.

Die Schwierigkeiten bei der Finanzierung sind eindeutig die Ursache dafür, dass die Lebensmittelsendungen in den Jemen schnell zurückgehen. Im Januar 2016 liefen nur rund 77 Schiffe die Häfen im Jemen an, berichten die UN. Normalerweise handelt es sich um 100 Schiffe pro Monat. Seit dem Beginn der Angriffe durch Saudi-Arabien wurden mindesten 6.000 Menschen getötet. Die wichtigsten Häfen des Landes sind schwer umkämpft.

Am Wochenende machte der Menschenrechtskommissar der UNO, Rupert Colville, die saudischen Luftangriffe für einen Großteil der Toten und Verletzten verantwortlich. Demnach fiel der Blutzoll unter der Bevölkerung im Januar am höchsten aus seit dem Beginn der Angriffe im September 2015. 

Dass die Importe nun weiter zurückgehen und die inländischen Preise steigen, könnte eine Hungersnot in vielen Regionen zur Folge haben. Zusätzlich zu den Kriegshandlungen fiel in diesem Jahr der für die Saison typische Regen aus. Die Bauern haben nur begrenzten Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen. Bereits im Januar warnte die für Nahrungsmittel zuständige Abteilung der Vereinten Nationen, dass die Kosten enorm steigen.