Syrien: YPG erhebt Vorwürfe: „Türkei unterstützt weiterhin Al-Nusra“

Syrien: YPG erhebt Vorwürfe: „Türkei unterstützt weiterhin Al-Nusra“
Die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) behaupten, entlang der türkisch-syrischen Grenze seien nach wie vor Kämpfer der al-Qaida präsent und würden auch weiterhin aus der Türkei versorgt. Gegenüber RT präsentierten die Milizionäre Bild- und Videoaufnahmen, die dokumentieren sollen, wie der kleine Grenzverkehr zwischen dem türkischen und dem syrischen Hoheitsgebiet funktioniere und dass einige Dörfer immer noch als Trainingsgebiet für dschihadistische Kämpfer genutzt würden.

Selbstmordattentat auf ein Polizeidienststelle in einem Wohnbezirk von Damaskus, Masaken Barza, Syrien, 9. Februar 2016.

Über den türkischen Grenzübergang würden regelmäßig Waffen aus der Türkei an Al-Nusra geliefert, obwohl die Gruppe nach dem Inkrafttreten des Waffenstillstands die meisten ihrer Flaggen eingeholt hätte, um nicht ihre Aufenthaltsorte preiszugeben und damit zu Luftschlägen einzuladen. Einige Fahnen habe ein RT-Filmteam jedoch einfangen können.

Der Anführer der YPG in Afrin, Abdu Khalil, wirft der Türkei vor, zwar auf der einen Seite Teil der Koalition gegen den Terrorismus sein zu wollen, auf der anderen Seite jedoch ihre Grenzen für die Dschihadisten zu öffnen. „Fällt ein kurdischer Kämpfer in türkische Hände, wird er der Al-Nusra ausgeliefert“, behauptet Khalil, „ein verwundeter Kämpfer des IS wird unter Zusicherung der Immunität und unter Bewachung in ein türkisches Krankenhaus gebracht. Niemand bekommt ihn auch nur zu Gesicht. Welchen Beweis will man noch?“

Die Türkei betrachtet die YPG als von der in der EU, in den USA und in der Türkei verbotenen PKK gesteuert, die im Sommer des Vorjahres ihren bewaffneten Kampf auf türkischem Territorium wieder aufgenommen hat.

Auch Führer der vom Westen unterstützten „Freien Syrischen Armee“ (FSA) bestätigte gegenüber RT, dass es Verbindungen zwischen der Türkei und terroristischen Gruppen im Umfeld des IS, der Al-Qaida oder Al-Nusra gäbe.

Abu Jouma Benawii, ein FSA-General und Mitgründer der Jaish al-Thuwar (Armee der Revolutionäre), erklärte gegenüber RT, die Türkei würde Al-Qaida und den IS auch gegen andere Rebellen unterstützen. „Sie bombardieren uns, weil sie unser Land erobern wollen, nicht unserem Volk helfen.“ Die FSA habe mittlerweile dem Waffenstillstand entsprechend alle Fronten gegen die Regierungsarmee aufgelöst, halte aber jene gegen Al-Nusra und den IS weiter aufrecht.

Gefragt, ob er bezüglich des Aufstandes seine Meinung geändert hätte, hätte er die Folgen erahnt, erklärte Benawii:

„Ich hätte wirklich meine Meinung geändert, denn jeder trug am Ende dazu bei, Syrien zu zerstören und am Ende ist es das Volk, das verliert. Hätten wir gewusst, dass sich die Freunde Syriens so verhalten würden, hätten wir uns ihnen nicht angeschlossen. Alle unsere Menschen wurden zur Flucht gezwungen.“

Die Türkei behält sich ungeachtet des Waffenstillstands weiterhin vor, Militäroperation auch auf syrischem Territorium durchzuführen sowie allen anderen Ländern, von denen Gefahr für das eigene Territorium ausgeht. Eine Verletzung von Souveränitätsrechten mag man darin nicht erblicken. Man nehme lediglich sein Recht auf Selbstverteidigung wahr in Anbetracht einer Situation, in der ein Staat wie Syrien nicht in der Lage sei, seine eigene territoriale Integrität zu kontrollieren. So greift die Türkei Stellungen der YPG an, obwohl die USA diese als verlässlichen Partner im Kampf gegen den IS im Irak und in Syrien betrachten.

Experten kritisierten von Beginn an, dass die Darstellung, es gäbe „moderate Rebellen“, nicht zutreffe. Es habe vielmehr kaum eine Rebellenformation im syrischen Bürgerkrieg gegeben, die nicht in türkischen Camps von der CIA trainiert worden wäre und sich früher oder späte dem IS oder der Al-Nusra-Front angeschlossen hätte. Mittlerweile begännen sich aber immer mehr Rebellengruppen vom bewaffneten Kampf gegen die Regierung Assad abzuwenden, weil sie zu der Erkenntnis gekommen wären, für fremde Interessen und Pläne, Syrien zu teilen, missbraucht zu werden.

Bislang seien seit Inkrafttreten des Waffenstillstandes mindestens 31 Verstöße festgestellt worden, so die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Zakharowa. Andererseits konnten 38 weitere lokale Waffenstillstandsvereinbarungen abgeschlossen werden. Russische Kampfflugzeuge gehen nach wie vor gegen Al-Nusra-Stellungen im Norden Aleppos vor, um „dort die Lage zu stabilisieren“.