Deutscher General widerspricht BILD und lobt Zusammenarbeit mit Russland im syrischen Luftraum

Zwei deutsche Tornados beim Landeanflug auf die Lutwaffenbasis Incirlik in der Türkei nach einer Aufklärungsmission über Syrien.
Zwei deutsche Tornados beim Landeanflug auf die Lutwaffenbasis Incirlik in der Türkei nach einer Aufklärungsmission über Syrien.
Der Kommandeur des Zentrums für Luftoperationen der Bundeswehr, Generalleutnant Joachim Wundrak, hat gegenüber Journalisten mitgeteilt, dass Russland beständig die Bewegungen von Aufklärungs-Tornados der deutschen Luftwaffe im syrischen Luftraum aufzeichnet. Dies sei ein normales Prozedere und beide Seiten würden dabei äußerst professionell vorgehen. Wundrak widersprach damit auch dem Boulevard-Blatt BILD, dass zuvor getitelt hatte: "Russen-Kampfjets verfolgen deutsche Tornados in Syrien".

Quelle: Vitali Ankow

Russische Piloten würden keinerlei aggressive Aktionen gegenüber ihren deutschen Kollegen ausführen, wie etwa sie ins Radar zu nehmen oder sie aus dem Operationsbereich abzudrängen. „Begegnungen gehen auf professionelle Weise vonstatten, keinerlei Vorfälle wurden gemeldet“, erklärte der Generalleutnant der Luftwaffe nach seiner Rückkehr aus dem Koordinationszentrum der Anti-IS-Koalition in Katar gegenüber der Rheinischen Post.

Im Einsatz seien, so Wundrak, russische Kampfflugzeuge die zu den modernsten Geräten auf dem gesamten Markt gehören, wie der Abfangjäger Sukhoi Su-35 S. Die Russen, so der General, wollten so auch deutlich machen, dass sie „anders als die [US-geführte] Anti-IS-Koalition auf Einladung der legitimen syrischen Regierung agierten“.

Die deutsche Luftwaffe habe Erfahrung im Umgang mit den russischen Kollegen, da Deutschland regelmäßig Kampfflugzeuge für Aufklärungsflüge über den NATO-Ländern Estland, Lettland und Litauen zur Verfügung stelle, die keine eigenen Abfangjäger zur Verteidigung ihres eigenen Luftraumes besitzen würden.

Wundrak schätzt den Gesamtumfang an Flugzeugen der Anti-IS-Koalition auf etwa 100. Um Zwischenfälle zu vermeiden, haben die Amerikaner und Russen eine Art „rotes Telefon“ eingerichtet, über welches permanent Kontakt gehalten wird.

Deutscher Tornado im Einsatz über Syrien
Deutscher Tornado im Einsatz über Syrien

Da es bürgerkriegsbedingt keine zivilen Kontrollpunkte mehr gäbe, erklärte Wundrak, helfe diese Form der Kommunikation beiden Koalitionen, einander über die Luftoperationen des jeweils anderen in Kenntnis zu setzen. Die Luft-Task-Force der Russischen Föderation, die seit dem 30. September 2015 in Syrien operiert, hat wiederholt betont, sie koordiniere ihre Starts jeweils mit den syrischen Luftfahrtkontrollzentren.

Deutschland wiederum hat sechs Tornado-Jets und einen Airbus-Tanker auf die NATO-Luftwaffenbasis İncirlik in der Türkei verlegt. Die Jets der deutschen Luftwaffe nehmen nicht an Kampfeinsätzen teil, sondern üben nur Flüge zur Gewinnung von „geheimdienstlich relevanten Informationen“ aus, wobei sie „vorausschauende taktische Aufklärung“ betreiben und hochauflösendes Bildmaterial liefern.

Unterdessen hat sich Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel einmal mehr der türkischen Forderung zur Schaffung einer Flugverbotszone angeschlossen, die für Flüchtlinge einen sicheren Hafen ohne Luftangriffe ermöglichen würde. „In der jetzigen Situation wäre es hilfreich, wenn es dort ein Gebiet gäbe, auf das keine der Kriegsparteien Angriffe fliegt – also eine Art Flugverbotszone”, erklärte die Kanzlerin gegenüber BILD. Dies würde eine Abkehr von bisherigen Positionen der Bundesregierung bedeuten.

Sie warb um Verständnis für die Position der türkischen Regierung und warf der Russischen Föderation vor, mit den Luftangriffen auf die Region um Aleppo die Lage noch komplizierter zu machen.

„Wenn es gelänge, zwischen der Anti-Assad-Koalition und den Assad-Unterstützern eine solche Vereinbarung zu treffen, wäre das hilfreich”, äußerte die Bundeskanzlerin in einem Interview gegenüber der „Stuttgarter Zeitung”.

Mit IS-Terroristen seien aber keine Verhandlungen möglich. Die Türkei versucht derzeit, Kämpfer der kurdischen YPG-Milizen durch Granatenbeschuss daran zu hindern, auf die grenznahe Stadt Azaz vorzurücken, die derzeit noch von Kräften gehalten wird, die von Ankara als „gemäßigte Rebellen“ bezeichnet, von anderen aber mit Al-Nusra und anderen dschihadistischen Terrororganisationen in Verbindung gebracht werden.