Türkei fordert 10 Kilometer tiefe "Sicherheitszone" in Syrien, inklusive Azaz

Türkei fordert 10 Kilometer tiefe "Sicherheitszone" in Syrien, inklusive Azaz
Die Türkei beabsichtigt eine zehn Kilometer tief in das syrische Staatsterritorium hineinreichende Sicherheitszone, die die Stadt Azaz miteinschließt, entlang der Grenze einzurichten. Kritiker befürchten dahinter den ersten Schritt hin zu einer umfassenden Sicherheitszone, nachdem Kurden-Milizen und die syrische Armee seit dem 1. Februar erfolgreich gegen pro-türkische Rebellen in Nordsyrien vorgegangen waren. Türkische Panzerhaubitzen nehmen die feindlichen Kämpfer seit fünf Tagen ins Visier.

„Was wir wollen, ist einen sicheren Streifen, einschließlich Azaz, zu schaffen. Einen Streifen, der zehn Kilometer in das Territorium von Syrien reicht und frei von militärischen Zusammenstößen ist”, sagte der stellvertretende türkische Premierminister Yalçın Akdoğan gegenüber dem Fernsehsender A Haber.

Seit fünf aufeinanderfolgenden Tagen bombardiert das türkische Militär vom Boden aus Positionen der kurdischen YPG-Miliz. Diese geht mithilfe syrischer Regierungstruppen und der russischen Luftwaffe gegen Stellungen pro-türkischer Rebellen mit oft dschihadistischer Ausrichtung vor. So eroberten die Kurden zahlreiche Dörfer westlich von Azaz. Am Montag vermochte es die YPG, welche als syrischer Ableger der türkischen PKK gilt, die Stadt Tell Rifaat weiter südlich von Azaz unter ihre Kontrolle zu bringen. Vorstöße auf Azaz wurden bislang abgewehrt, doch auch in dieser Ortschaft scheinen pro-türkische Rebellen jeglicher Couleur zunehmend erschöpft zu sein. Azaz liegt rund acht Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Über die Schaffung einer Art Sicherheitszone in dieser Region möchte die Türkei dem Fall von Azaz zuvorkommen.

Zuvor sagte ein türkischer Regierungsbeamter am Dienstag, die Türkei werde seine Koalitionspartner, einschließlich der USA, bitten, an einer gemeinsamen Bodenoperation in Syrien teilzunehmen:

„Die Türkei wird keine einseitige Bodenoperation starten. Wir machen unseren Koalitionspartnern deutlich, dass es eine Bodenoperation geben muss. Wir diskutieren das mit unseren Alliierten“, teilte der namentlich nicht genannte türkische Beamte gegenüber Journalisten bei einer Pressekonferenz in Istanbul mit, berichtete Reuters. „Wir wollen eine Bodenoperation. Wenn es einen Konsens darüber gibt, wird die Türkei teilnehmen. Ohne eine Bodenoperation, ist es unmöglich, den Krieg zu stoppen.“

Syrische Flüchtlinge in der nord-syrischen Grenzstadt Azaz, Grenzübergang Bab al-Salam, 6. Februar 2016

Der türkische Premierminister Ahmet Davutoğlu warnte bereits am Montag, Ankara werde den Fall von Azaz an die YPG nicht erlauben.

„YPG-Elemente wurden gezwungen, von Azez [=Azaz] abzuziehen. Wenn sie sich wieder nähern, werden sie auf die schärfste Reaktion stoßen. Wir werden nicht erlauben, dass Azez fällt“, sagte Davutoğlu im Gespräch mit Journalisten während seines Flugs in die Ukraine.

Er fügte hinzu, dass das türkische Militär die Luftwaffenbasis „unbrauchbar“ machen werde, sollte die YPG nicht von ihren Stellungen abziehen. Einige Tage zuvor hatte die YPG pro-türkischen Milizen die Basis abgenommen. Davutoğlu drohte, Bewegungen der YPG zwischen den Städten Azaz und Dscharablus mittels militärischer Eingriffe zu beantworten.

Die Türkei ist besorgt, die YPG könnte sich entlang ihrer Grenze neues Territorium sichern, während die Türkei gegen die PKK im Südosten Anatoliens militärische Operationen führt.

Die US-amerikanische und französische Regierung haben in der Zwischenzeit die Türkei dazu aufgefordert, ihren Artilleriebeschuss gegen kurdische Ziele einzustellen.

„Wir sind über die Lage im Norden von Aleppo besorgt und arbeiten daran, die Spannungen bei allen beteiligten Seiten zu deeskalieren“, sagte der Pressesprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, in einer Stellungnahme. „Wir haben auch vom Artilleriebeschuss von der türkischen Seite mitbekommen und die Türkei dazu gedrängt, solches Feuer einzustellen.“

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