Syrische Armee rückt gegen IS-Hochburg Rakka vor

Syrische Armee rückt gegen IS-Hochburg Rakka vor
Syrische Regierungstruppen und verbündete paramilitärische Formationen haben einen Vorstoß gegen die IS-Terrormiliz in der Provinz Rakka unternommen. Dabei wurden strategisch bedeutende Ortschaften entlang der Salamiya-Rakka-Hauptstraße eingenommen. Diese führt auf direktem Wege zur inoffiziellen Hauptstadt des „Islamischen Staates“. Damaskus will einer etwaigen saudischen Bodenoffensive im Osten des Landes durch eine verstärkte Offensive vorbeugen.

Soldaten der regulären syrischen Armee feiern die Befreiung von Nubul und Zahraa im Norden von Aleppo. am 4.  Februar 2016.

Am Sonntag nahmen syrische Regierungstruppen und Einheiten palästinensischer Milizen den Hügel Tell Masbah ein. Das berichtete das Damaskus-nahe Nachrichtenportal al-Masdar unter Berufung auf militärische Quellen. Die befestigte Position schirme weitgehend die Salamiyah-Rakka-Hauptstraße ab.

Im weiteren Verlauf hätten die Soldaten al-Assads einen Angriff auf das Dorf Zakiyah gestartet und eine in der Nähe gelegene Kreuzung. Auch diese konnten zurückerobert werden, was die Versorgungsroute des IS zwischen Rakka und den wenigen Positionen in der Provinz Hama, die er noch in Hama unterhält, unterbrochen habe.

An der Bodenoffensive nahmen die 555. Brigade, die vierte mechanisierte Division, die „Wüstenadler“-Brigade, das Golan-Regiment und die regierungsnahe palästinensische Liwaa-al-Quds-Miliz (Jerusalem-Brigade) teil.

Eine Informationsquelle innerhalb der 555. Brigade teilte al-Masdar mit, dass IS-Kämpfer in Tell Masbah gezwungen worden seien, nach Nordosten in die Wüstenregionen zwischen Rakka und Hama zu fliehen, wo ebenfalls schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der Terrormiliz stattfinden.

Unterdessen solle sich die syrische Armee auf eine Gegenoffensive auf die Tabaqah-Militärbasis im Südwesten der Rakka-Provinz vorbereiten, die im August 2014 vom IS eingenommen worden war.

„Das ist ein Hinweis für die Richtung der kommenden Operationen gegen Rakka“, instruierte eine namentlich nicht genannte militärische Quelle die Nachrichtenagentur Reuters über die Kämpfe. „Grob gesagt, die Rakka-Front ist offen. Sie wird mit der Befreiung der Tabaqa-Ortschaft beginnen.“

Finstere Gedanken, finsterer Blick? Der saudische Finanzminister Ibrahim Abdulaziz Al-Assaf auf der Syrien-Konferenz in London, February 2016.

Fortschritte in der Provinz Rakka würden Damaskus erlauben, die Kontrolle über Gebiete zurückzugewinnen, die Regierungstruppen spätestens 2014 verloren hatten. Zudem würde es jeglichen Intentionen Saudi-Arabiens vorbeugen, Truppen oder sonstige Aktivitäten in die Region zu verlegen.

Frühere Medienberichte weisen darauf hin, dass Saudi-Arabien eine umfassende Bodenoffensive gegen den IS in Syrien vorbereite. Dabei wird davon ausgegangen, dass Riad als ausländischer Gönnerstaat seine Rebellen, die man finanziell und militärisch gegen al-Assad unterstützt, vor den Luftangriffen und der erstarkten syrischen Armee abschirmen wolle.

Vergangene Woche drohte der saudische Außenminister Adil el-Dschubeir, dass Assad gewaltsam gestürzt werden würde, wenn er sein Amt nicht nach einer politischen Übergangsphase verlasse. Im Interview mit CNN gab er an:

„Baschar al-Assad wird gehen – ich habe keinen Zweifel darüber. Entweder durch einen politischen Prozess oder gewaltsam.“

Unterdessen reagierte auch die türkische Armee auf die erfolgreiche Offensive der syrischen Armee gegen Rebellen, die von Ankara unterstützt werden, in Aleppo. An der Offensive beteiligten sich Kräfte der syrischen Kurden-Miliz YPG, die von der Türkei wegen ihrer inhaltlichen Verbindungen und nahestehenden Ideologie als syrischer Ableger der „Kurdischen Arbeiterpartei“, kurz PKK, betrachtet wird, die ihrerseits einen Krieg mit dem türkischen Staat führt. Türkische Artillerie nahm Positionen der YPG und der syrischen Armee ins Visier.

Ankara rechtfertigte seinen Beschuss als Vergeltungsangriff für einen vorausgegangenen Beschuss aus Syrien. Im Anschluss drohte der türkische Premierminister Ahmet Davutoğlu, dass das türkische Militär die YPG hart treffen würde, sollte sie die Sicherheit der Türkei weiter bedrohen. Medien mutmaßen seit längerem, dass die Türkei zwischen den nordsyrischen Städten Azez und Dscharablus militärisch intervenieren könnte. Eine solche Intervention könnte in Kooperation mit den Saudis erfolgen.

Neben Zielen im kurdischen Kanton Efrin nahm die türkische Artillerie die YPG in der ehemaligen Luftwaffenbasis Menagh ins Visier, die sie vor wenigen Tagen von der Rebellenmiliz Ahrar al-Scham eingenommen hatte. Außerdem kamen Stellungen in der Ortschaft Malikiya unter Feuer.

Nicht unabhängig bestätigten Angaben zufolge wurden 37 YPG-Kämpfer bei diesem Zwischenfall getötet und weitere 15 verletzt.

 

 

 

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