Russischer Botschafter in Syrien: „Nach Befriedung politische Reformen und demokratische Wahlen“

Russischer Botschafter in Syrien: „Nach Befriedung politische Reformen und demokratische Wahlen“
Der Einsatz der russischen Luftwaffe in Syrien hat laut Einschätzung des russischen Botschafters in Damaskus, Alexander Kinschchak, ausgearbeitete Pläne zur militärischen Lösung der Syrien-Krise und zum gewaltsamen Sturz von Assad verhindert. Dem russischen Botschafter zufolge habe sich die Dynamik der Entwicklungen rund um die gesamte militärische und politische Situation in Syrien zum Besseren verändert.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur TASS erläuterte Kinschchak, dass die russische Luftkampagne den Kurs des syrischen Bürgerkrieges verändert habe:

„Das Kräftegleichgewicht auf dem Boden und in der politischen Sphäre wurde radikal verändert.“

Spätestens seit November 2015 wurde allen in Syrien involvierten Akteuren bewusst, dass es keinen schnellen Fall von Baschar al-Assad mehr geben werde, gab Kinschchak zu verstehen:

„Viele von ihnen setzten zuvor auf eine militärische Lösung und mussten schließlich realisieren, dass dieses Szenario wohl kaum mehr eintreten werde.“

Das führte zur Einsicht aufseiten der ausländischen Akteure, dass eine politische Lösung im Syrien-Konflikt zu suchen sei. Dieser Umstand ebnete auch den Weg für den Verhandlungsprozess, der in Wien eingeleitet wurde, so der russische Diplomat. „Die Dynamik der Entwicklungen rund um die gesamte militärische und politische Situation in Syrien hat sich zum Besseren verändert.“

Der Diplomat bemerkte dennoch, dass ein Befriedungsprozess in Syrien mit einer Modernisierung des politischen Systems einhergehen werde, solange getroffene Entscheidungen von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt werden. Er sagte:

„Die Menschen sind von der jahrelangen Krise erschöpft. Sie wollen in erster Linie das Ende von Gewalt und ihr normales Leben wiederhaben.“

Britische Soldaten bei der Militärübung

Russlands Ziel ist es, einen langfristigen Frieden zu erreichen, nachdem mehr als 250.000 Menschen im Zuge des seit mehr als fünf Jahren anhaltenden Konflikts ihr Leben lassen mussten, schlussfolgerte Kinschchak. 

Nachdem es den Regierungstruppen gelungen ist, sich zu konsolidieren, sollen freie demokratische Wahlen Hand in Hand mit politischen Reformen einhergehen. 

Schließlich bemerkte der Diplomat, dass Russland und Syrien eine ähnliche Herangehensweise haben an Gruppen, die in Syrien als terroristisch eingestuft werden können:

„In vielerlei Hinsicht stimmen unsere Ansichten überein. Wir haben eine ähnliche Einschätzung mit den Syrern über die wichtigsten und gefährlichsten Gruppen.“

Zu den Gruppen, die vom Versöhnungsprozess ausgeschlossen werden sollten, zählt der Botschaft unter anderem das Rebellenbündnis „Dschaisch il-Fatah“, dem auch die al-Nusra-Front, der syrische al-Qaida-Ableger, angehört. Es wird weithin angenommen, dass dieses Rebellenbündnis von den größten regionalen Widersachern al-Assads, der Türkei, Katar und Saudi Arabien unterstützt wird. 

Trends: # Krieg in Syrien